Bewerbung und Karriere

Frauen müssen über ihre Leistungen sprechen

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Frauen verkaufen sich bei der Bewerbung (und im Job) oft unter Wert, hat Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult beobachtet. Die Personalexpertin verrät im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE, wie Frauen besser Karriere machen.

CW: Frau Zimmer-Wagner, Sie haben vor kurzem auf der Messe Women & Work viele Kandidatinnen in Sachen Karriere beraten. Welches Thema hat die Frauen am meisten umgetrieben?

Birgit Zimmer-Wagner: Selbstvermarktung. Viele Frauen wollten wissen, wie kann ich am besten zeigen, was ich zu bieten habe, und reicht das für den Job, den ich mir vorstelle? Wie kann ich meine Unterlagen, meinen Lebenslauf verbessern? Wie falle ich auf und wie kann ich mich von anderen abheben? Aber es ging ihnen auch um das Thema Alternativen.

CW: Alternativen zum jetzigen Job?

Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult: "Frauen sollen sich nach internen Aufstiegsmöglichkeiten umsehen."
Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult: "Frauen sollen sich nach internen Aufstiegsmöglichkeiten umsehen."
Foto: Privat

Birgit Zimmer-Wagner: Eher alternative Bewerbungen. Eine MBA-Absolventin etwa hat sich bei den üblichen Big Five beworben, weiß aber auch, dass sich dort zu viele bewerben. Sie wollte wissen, welche Alternativen es beispielsweise im Mittelstand gibt. Und welche Branchen da in Frage kommen auch außerhalb der IT.

CW: Was haben Sie ihr geraten?

Birgit Zimmer-Wagner: Ich habe ihr empfohlen, sich die Maschinen- und Anlagenbau genauer anzusehen.

CW: Warum kommen Frauen in ihrer Karriere so viel schwerer voran als Männer?

Stolpersteine für Frauen

Birgit Zimmer-Wagner: Ich habe da fünf Thesen:

1. Frauen sind zu kritisch mit sich selbst.

2. Sie trauen sich nicht, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten.

3. Sie sind konfliktscheu und zu konsensbetont.

4. Forderungen zu stellen, fällt ihnen schwer.

5. Und Frauen übernehmen oft zu viel Verantwortung, ohne dass die Rahmenbedingungen stimmen.

Frauen lassen sich zusätzliche Verdienste oft nicht bescheinigen

CW: Welche Rahmenbedingungen?

Birgit Zimmer-Wagner: Frauen in der IT akzeptieren häufig trotz hoher Qualifikation und Berufserfahrung, Jobs, die weit unter ihren Möglichkeiten liegen. Auf der Women & Work sprach ich mit einer Masterabsolventin, die im Ingenieurwesen mit mehreren Jahren Berufserfahrung tätig war. Nach der Kinderpause arbeitet sie nun als Teamassistentin - also Office-Management.

In unserer Beratungspraxis erleben wir auch häufig, dass Frauen von spannenden Projekten erzählen, die sie machen. Aber wenn wir uns ihre Zeugnisse ansehen, steht das nicht drin. Das heißt viele Frauen übernehmen zusätzlich zu ihrer primären Aufgabe noch andere und leisten dann deutlich mehr, als sie müssten.

CW: Der Fehler ist also, dass sie sich diese Zusatzverantwortung nicht bescheinigen lassen?

Birgit Zimmer-Wagner: Genau. Sie sollten sich also fragen, was ist mein Job, was mache ich und was bekomme ich dafür? Ich übernehme die Position nicht, wenn ich es nicht wirklich bin. Nehmen wir eine Ärztin in der Facharztausbildung, die aber schon die Privatsprechstunde des Chefarztes leitet (was sie übrigens eigentlich nicht darf), aber mit ihrer eigenen Facharztausbildung nicht weiterkommt. Der Chefarzt zögert ihre Ausbildung heraus, denn er weiß, je schneller sie fertig wird, desto schneller geht sie in die Niederlassung oder in ein anderes Krankenhaus als Oberärztin. Er selbst befördert nur Männer in diese Position.

Karriereplanung gezielt betreiben

CW: Was kann sie tun?

Birgit Zimmer-Wagner: Die Ärztin sollte sich mal hinsetzen und überlegen, wohin sie will. Und dann das Gespräch mit ihrem Chef suchen, ihn konfliktorientiert ansprechen. Sie muss allerdings auch damit rechnen, dass es knallt. Sie sollte also auch den Worst Case annehmen und überlegen, was mache ich, wenn es nicht klappt.

CW: Sie haben einmal gesagt, die wenigsten Frauen machen sich über den nächsten Schritt Gedanken.

Birgit Zimmer-Wagner: Das erleben wir oft. Vor kurzem hat uns eine erfahrene Managerin im SAP-Umfeld beauftragt, sie bei ihrer Karriereentwicklung zu unterstützen. Sie wollte den Arbeitgeber wechseln. Wir haben sie gefragt, warum Sie nicht zuerst an einen Aufstieg innerhalb der jetzigen Firma denkt, die passende Karriere-Optionen anzubieten hat Sie war geplättet. Daran hat sie gar nicht gedacht.

CW: Warum?

Birgit Zimmer-Wagner: Die Angst vor der Absage ist oft der Grund. Denn wenn man den nächsten Karriereschritt innerhalb des Unternehmens nicht schafft, dann weiß es ja jeder.

CW: Und das ist peinlich?

Birgit Zimmer-Wagner: Nein, dann ist man unter Zugzwang, dann muss man handeln. Dann muss man sich bewegen. Oder auf der Stelle treten. Das heißt, jeder, der sich extern bewirbt, sollte sich zunächst intern nach einem Aufstieg umsehen. Es sei denn, man will nicht im derzeitigen Unternehmen bleiben. Über diesen Punkt war unsere Kandidatin sich noch gar nicht klar. Und falls eine Absage kommt, kann man ja immer noch wechseln.

CW: Trauen sich Männer mehr?

Birgit Zimmer-Wagner: Viele Männer trauen sich das auch nicht, aber Männer netzwerken mehr, empfehlen sich gegenseitig und dann ziehen andere die Strippen. So funktioniert der Aufstieg unproblematischer.

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