Ursula von der Leyen

"Fragen Sie mich nicht, wann und wo ich arbeite!“

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Ohne die Errungenschaften der digitalen Welt wäre sie nicht so weit gekommen, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auf der „DLD Women 2013“ und machte sich erneut für eine Frauenquote stark.

Bunte Sommerkleider statt schwarzer Anzüge, Hauptbühne im Gartenzelt und Stehtische im Grünen. Wie immer präsentierte sich die Digitalkonferenz „DLD Women“ in lockerer Atmosphäre an diesem 15. und 16.Juli 2013 in der Königlichen Porzellan Manufaktur Nymphenburg in München. Unter dem Motto „Breaking New Ground“ drehte sich in diesem Jahr alles um die Bereiche, die für Frauen heute den größten Umbruch bedeuten: die Zukunft der Arbeit, Gesundheit, Familie, Liebe/Sexualität, Bildung und Konsum.

Konferenzgründerin Steffi Czerny hat ein klares Anliegen, welches sie gleich in ihrer Eröffnungsrede des Burda-Kongresses zum Ausdruck brachte: Mehr Frauen in die IT. Noch immer gebe es viel zu wenig Frauen, die sich in die Männerdomäne vorwagten, dabei lägen hier so viele Chancen. „Programmieren sollte bereits in der Grundschule unterrichtet werden“, postulierte sie. Und: „Wir müssen alle programmieren lernen.“ Sie versprach, es selbst bis zum kommenden Jahr zu lernen.

Zu wenig Frauen gründen

Dass derzeit zu wenig Frauen in der IT-Branche unterwegs sind, untermauerte Schirmherrin Maria Furtwängler, Schauspielerin und Gattin von Verleger Hubert Burda: Nur zehn Prozent aller Internet-Startups würden von Frauen gegründet. Ebenso unterrepräsentiert sind sie aber auch in den Führungspositionen der Unternehmen, wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen nicht müde wurde, auf der Konferenz zu betonen. In drei Podiumsdiskussionen machte sich die Ministerin für die Frauenquote stark. Denn: „Es geht alles zu langsam voran!“ Das Ziel müsse staatlich vorgegeben sein, damit die Unternehmen endlich handelten. Als Positivbeispiel nannte sie die Krippenplätze, auf die alle unter Dreijährigen ab August 2013 einen Rechtsanspruch haben. Hätte der Staat nicht vor sechs Jahren ein klares Ziel ausgegeben, wäre bis heute nichts passiert.

Ursula von der Leyen machte sich erneut für die Frauenquote stark.
Ursula von der Leyen machte sich erneut für die Frauenquote stark.
Foto: © flohagena.com/DLD

Vom Thema freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen zeigte sich von der Leyen enttäuscht: Damit wolle sie sich nicht mehr abspeisen lassen. Denn bereits vor zehn Jahren hätten sich die Konzerne freiwillig verpflichtet, mehr Management-Positionen mit Frauen zu besetzen. Bislang jedoch mit viel zu wenig Resultaten. Glorreiche Ausnahme sei der Mittelstand, der bereits 30 Prozent Frauen in Führungspositionen aufweisen könne.

Zu wenig Konzerne nominieren Frauen

Eindrucksvoll untermalte von der Leyen ihre Position mit einem Bild des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, auf dem nur Männer zu sehen waren (Gelächter im Saal.) Es könne doch nicht sein, dass es keine talentierten Frauen in der Deutschen Bank gebe. Auf die Frage, was sie in ihrem Kampf für die Quote motiviere, antwortete die Ministerin: „Wut.“ Denn: „Warum können Konzerne keine Frauen nominieren? Sie sind doch da.“

Dass die Quote kein Allheilmittel ist, darüber waren sich auch die Befürworterinnen einig. Gina Lund, die als Arbeitsministerin vor zehn Jahren die Quote in Norwegen eingeführt hatte, erklärte: „Die Quote ist nicht das Ziel, sie ist ein Werkzeug.“

Gegen die Quote argumentierte Antonella Mei-Pochtler, Senior Partner und Managing Director der Boston Consulting Group in München und Wien. Sie erklärte, mehr Frauen per Staatsbeschluss in die Aufsichtsräte zu hieven, sei keine Lösung. Das müssten der Aufsichtsrat selbst und die Investoren bestimmen. Und eigentlich liege das Problem woanders begraben: Man verliere die Frauen schon vorher aufgrund der häufig vorherrschenden Unvereinbarkeit von Job und Familie (Stichwort Work-Life-Balance), einer Präsenzkultur und Meetings, in denen Frauen oft nicht erst genommen würden. Man müsse also viel früher ansetzen.

Digitales Arbeiten: Fluch und Segen

Auch um das Thema Zukunft der Arbeit drehten sich viele Podiumsdiskussionen und Vorträge des Zukunftskongresses. Durch die Möglichkeit, remote aus dem Home Office zu arbeiten, hätten sich gerade auch Frauen die Möglichkeiten erschlossen, trotz Familiengründung im Job zu bleiben. „Fragen Sie mich nicht, wann oder wo ich arbeite. Fragen Sie mich nur nach den Ergebnissen“, erklärte von der Leyen. Ohne Laptop, Handy und der Möglichkeit, auch von zu Hause zu arbeiten, hätte sie in der Politik niemals ihre heutige Position erreicht.

Natürlich habe die digitale Arbeitswelt auch ihre Schattenseiten, so die Ministerin weiter. Denn: „Das iPhone in der Tasche ist auch ein Terrorist in der Tasche.“ Die Gefahr, immer online, immer erreichbar, aber auch sozial isoliert zu sein, sei ein Problem der heutigen Arbeitswelt und dem Modell Arbeiten in der Cloud. Hier sei mehr Eigenverantwortung gefragt. „Die Grenzen kann nur jeder selbst ziehen“, ist von der Leyen überzeugt.