Experton Group: SOAs halten Applikationsanbieter auf Trab

16.08.2006
Der Trend hin zu Service-orientierten Architekturen (SOA) zwingt die Applikationsanbieter zum Umdenken. Außerdem machen neue wie altbekannte Player das Spielfeld unübersichtlich. Die Anwender müssten deshalb bei der Auswahl künftiger Produkte das sich ständig ändernde Marktumfeld genau beobachten.

"Jetzt kommt Schwung in die Szene", glauben die Marktforscher der Experton Group. Lange Zeit habe es so ausgesehen, als ob der Applikationsmarkt nichts besonderes mehr zu bieten habe, da nur wenige große Anbieter das Feld beherrschten. Durch Veränderungen der IT-Anbieterlandschaft, wie beispielsweise die zahlreichen Zukäufe Oracles und Infors, aber auch neue Techniken wie Service-orientierte Architekturen, gerate das Applikationsgeschäft aber zunehmend in Bewegung. Nicht immer zum Vorteil der Kunden, warnen die Analysten. Durch die laufenden Veränderungen werde es immer schwerer, die Orientierung zu behalten. Anwenderunternehmen sollten daher ihre betagten Applikations-Strategiepläne unbedingt überdenken, so der Rat der Experton Group.

Neue Impulse kommen vor allem aus den Bereichen Geschäftprozess-unterstützende Middleware sowie Anwenderschnittstellen, erläutert Rüdiger Spies, Executive Advisor des Beratungshauses. Die jüngsten Veränderungen lassen altbekannte Player im Anwendungsgeschäft auftauchen. Als Beispiel nennt Spies IBM. Der weltgrößte IT-Konzern hatte sich eigentlich schon vor Jahren aus dem Applikationsmarkt zurückgezogen und sein Softwaregeschäft seitdem auf Betriebssysteme, Datenbanken und Middleware ausgerichtet.

Mit den jüngsten Akquisitionen suche IBM offenbar eine Hintertür zurück ins Anwendungsgeschäft, glaubt Spies. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen, die Zukäufe als Erweiterung ihres Middleware-Portfolios zu verkaufen. Doch gerade die Deals der zurückliegenden Wochen passten nicht mehr in dieses Schema. Demnach habe IBM mit der Übernahme von MRO beispielsweise sein Angebot verstärkt, IT- und andere Unternehmens-Ressourcen zu verwalten (siehe auch: IBM schließt mit MRO-Kauf Lücke im Service-Desk-Angebot). Viele Enterprise-Resource-Planning-Entwicklungen (ERP) hätten in diesem Segment ihren Ausgangspunkt gehabt. Außerdem falle der Kauf von Filenet eindeutig in die Kategorie Applikationen (siehe auch: IBM kauft Filenet und gibt Rätsel auf). "Trotz aller Rücksicht auf die Applikationspartner kann IBM nun nicht mehr behaupten, dass sie nicht im Anwendungsgeschäft sind", lautet das Fazit von Spies.

Der Weg ins Anwendungsgeschäft führe über ein sinnvolles Middleware-Angebot mit Schwerpunkt auf Geschäftsprozess-Modellierung, prognostiziert der Analyst. Wie wichtig dieser Bereich sei, zeigten auch die Kooperation zwischen Oracle und IDS Scheer (siehe auch: Oracle bietet Aris als eigenes Tool an) sowie der Kauf von Mercury durch Hewlett-Packard (siehe auch: Update: HP kauft mit Mercury ein teures Schnäppchen). "Auch aus dieser Perspektive wird IBMs Engagement, über die Middleware zurück in den Anwendungsmarkt zu gelangen, sehr verständlich", meint Spies.

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