Vom Videoroom zur Webcam

Es muss nicht immer TelePresence sein

Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Zum Tele-Konferieren kann man ein Videostudio für 300.000 Euro nutzen, oder Skype und eine Webcam für 30 Euro. Dazwischen gibt es UCC-Lösungen wie WebEx, Lync und GoToMeeting. Halten sich alle Hersteller an Standards, lassen sich die großen mit den kleinen Konferenzsystemen per Video-Bridging koppeln.
Dieses TelePresence System TX9000 nutzt Anbieter Cisco selbst in der Leopoldstrasse 240 in München-Schwabing.
Dieses TelePresence System TX9000 nutzt Anbieter Cisco selbst in der Leopoldstrasse 240 in München-Schwabing.
Foto: Harald Karcher

Teure Tele-Präsenz-Räume für den Vorstand sind der Rolls Royce in der Video-Tele-Kommunikation. Typischerweise hängen drei riesige Full-HD-Bildschirme an der Wand, auf denen jeweils bis zu zwei Gesprächspartner in Echtgröße erscheinen können, in Summe also sechs. Gezeigt wird natürlich nur die obere Körperhälfte, das reicht für Business-Meetings.

Die Sprecher erstrahlen in HD-Fernseh-Qualität und klingen zum Greifen nah: Wenn jemand aus dem linken Monitor gestikuliert und spricht, dann kommt der Ton halt auch von links. Das Gleiche gilt für Mitte und für Rechts. Solche Tele-Präsenz-Studios konnten wir bei British Telekom, Cisco, der Deutschen Telekom und weiteren Anbietern probieren und erleben. Sie überzeugen binnen weniger Sekunden.

Links schaut Nena Jorgic, Leiterin Customer Experience Center Munich, gerade in die WebCam ihres Notebooks. Rechts wird ihr Live-Bild gerade in die Video-Tele-Presse-Konferenz zugeschaltet.
Links schaut Nena Jorgic, Leiterin Customer Experience Center Munich, gerade in die WebCam ihres Notebooks. Rechts wird ihr Live-Bild gerade in die Video-Tele-Presse-Konferenz zugeschaltet.
Foto: Harald Karcher

Elegant getarntes Video-Studio

In diesem Telepräsenz-Studio bei Sixt in Pullach ist die Audio-Video-Technik so elegant versteckt, dass man auf den ersten Blick nur einen ganz normalen Konferenzraum der edleren Sorte vermutet. (Foto: Roswitha Model)
In diesem Telepräsenz-Studio bei Sixt in Pullach ist die Audio-Video-Technik so elegant versteckt, dass man auf den ersten Blick nur einen ganz normalen Konferenzraum der edleren Sorte vermutet. (Foto: Roswitha Model)
Foto: Harald Karcher

Sehr geschmackvoll fanden wir den Video-Raum am Sixt-Konzernsitz Pullach bei München. Auf den ersten Blick meint man, in einem ganz normalen Konferenzraum der nobleren Version zu sitzen. Irgendwann bemerkt man aber kleine Mikrofone, die im Tisch verbaut sind. Dann eine auffällig glatte, weiße Wand. Darin eine versenkte Videokamera. Dann einen unauffälligen Projektor in der Decke: Aha, da sitzen wir doch wohl in einem gut kaschierten Tele-Präsenz-Studio.

In diesem Raum hat Alexander Sixt uns kürzlich mal erklärt, warum Office 365 samt Lync und Yammer im Sixt-Konzern an 6.000 Arbeitsplätzen eingeführt wurde: Um das Audio-Video-Conferencing jetzt auch in allen relevanten Büros und in über 1.000 Autovermietstationen nutzen zu können. Das schicke Kommunikations-Studio auf der Chef-Etage wird oft für Videokonferenzen in die USA genutzt und erspart dem Management zeitraubende Übersee-Flüge. Außerdem wird die transatlantische Kommunikation im Sixt-Konzern dadurch viel schneller, spontaner und flexibler.

One-Man-TelePresence-Studio CTS-500

Cisco-Deutschland-Chef Oliver Tuszik diskutiert mit dem Autor über das Thema Telekonferenz - natürlich via Telekonferenz.
Cisco-Deutschland-Chef Oliver Tuszik diskutiert mit dem Autor über das Thema Telekonferenz - natürlich via Telekonferenz.
Foto: Harald Karcher

Ein deutlich kleineres Tele-Präsenz-Studio für ein bis zwei Personen konnten wir in einem Interview mit Oliver Tuszik erleben, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Cisco Deutschland. Herr Tuszik, vormals Vorstandsvorsitzender bei Computacenter, hat ein Cisco TelePresence Model CTS-500 mit einem 37-Zoll-1080p-Display direkt in seinem Bonner Büro.

Der Autor hat in seiner Münchner Schreiberbude nicht solchen Luxus, durfte aber in den TelePresence-Raum Harmonia im Cisco-Office Hallbergmoos pilgern. Dort stand ebenfalls ein Model CTS-500. Was soll man sagen? Die Audio-Videoqualität war einwandfrei. Für ein Zwei-Personen-Meeting sind 37 Zoll auf jeder Seite mehr als groß genug. Herr Tuszik war zum Greifen nah und wirkte trotz der Ferne sehr verbindlich, vielleicht auch wegen seiner hochgekrempelten Hemdsärmel. Naja, nicht ganz zum Greifen: Es fehlte der Händedruck.

Cisco MX300-G2 mit puristischem Design

Das Cisco TelePresence System MX300 G2 mit 55-Zoll-LCD-Monitor aus dem Jahr 2014 wirkt im Vergleich zum älteren Cisco CTS-500 schon viel schlanker.
Das Cisco TelePresence System MX300 G2 mit 55-Zoll-LCD-Monitor aus dem Jahr 2014 wirkt im Vergleich zum älteren Cisco CTS-500 schon viel schlanker.
Foto: Harald Karcher

Das Cisco System CTS-500 ist schon etwas älter. Im Jahre 2014 kam das System MX300-G2 hinzu, ein Vertreter einer neuen Serie von Videokonferenzsystemen, zu denen auch die kleinere Variante MX200-G2, sowie die MX700- bzw. die MX800-Modelle zählen. Dazu Anton Döschl, Leiter Collaboration bei Cisco in Deutschland: "Diese Serie erstrahlt in einem modernen und hochwertigen, fast schon puristischem Design. Sie besticht durch Ästhetik, gepaart mit Funktionalität, nicht nur durch hochwertige HD-Video- und Audioqualität, sondern auch durch eine Reihe von Zusatzfunktionen: z.B. Intelligent Proximity für die Einbindung von Tablets oder Smartphones. Und das alles bei einfacher Bedienbarkeit und hoher Benutzerfreundlichkeit."