Interview mit Martin Zeil

"Es geht um die Idee einer Mobile World Capital"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) setzt alles daran, den Mobile World Congress (MWC) von Barcelona nach München zu holen. Deutschland soll zum "Hot Spot" für mobile Technologien werden.

CW: München ist unter den letzten vier europäischen Großstädten, die in der Bewerbung um die künftige Ausrichtung des Mobile World Congress noch im Rennen sind. Die Ausscheidung geht jetzt in die heiße Phase. Was unternehmen Bayern und die Stadt München, um den Mobilfunk-Event hierher zu holen?

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil wirbt für die "Mobilfunk-Hauptstadt München".
Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil wirbt für die "Mobilfunk-Hauptstadt München".

Zeil: Es geht bei der Bewerbung um weit mehr als den Mobile World Congress. Es geht um die Idee einer Mobile World Capital, deren wichtigstes Element der Mobile World Congress ist. München steht im Finalverfahren für Deutschland. Die Bayerische Staatsregierung unternimmt in einem engen Schulterschluss mit der Bundesregierung, der Landeshauptstadt München und der Messe München alle Anstrengungen, um gemeinsam mit der Industrie und Wissenschaft die Mobile World Capital nach München zu holen.
Die Bandbreite der Aktivitäten umfasst die Unterstützung der Industrie (Sponsoring) und konzeptionelle Überlegungen für die Umsetzung der Idee einer Mobile World Capital mit mobilen Anwendungen ebenso wie einen intensiven Dialog mit dem Weltverband der Mobilfunkindustrie, der GSMA. Ende März 2011 haben GSMA-CEO John Hoffman und einige Mitglieder des Bewerbungs-Boards der GSMA meine Einladung angenommen und München besucht. Wir haben sehr gute Gespräche geführt.

Die Vorteile des Standorts München

CW: Welche Argumente kann München gegenüber den Mitbewerbern Mailand, Paris und erneut Barcelona in die Waagschale legen?

Zeil: München hat eines der schönsten und modernsten Messegelände der Welt, das hervorragend in die Verkehrsinfrastruktur eingebunden ist. München ist eine der sichersten europäischen Metropolen mit ausgezeichneter internationaler Anbindung durch unseren Flughafen. München hat als Ausrichtungsstandort der Fußball-WM 2006 mit dem Medienzentrum gezeigt, dass wir weltweit bedeutende Großveranstaltungen organisieren und umsetzen können. Gleiches gilt für das Oktoberfest mit jährlich zirka sechs Millionen Besuchern.

Der Mobile World Congress

  • Der Mobile World Congress, zuletzt vom 14. bis zum 17. Februar 2011 in Barcelona ausgetragen, beschäftigt sich mit Trends und Neuheiten im Mobilfunkmarkt. Das Publikum setzt sich zusammen aus IT-Herstellern, Netzbetreibern, Entwicklern und Medienvertretern.

  • Der Kongress zählte nach Angaben des Veranstalters GSM Association (GSMA) zuletzt mehr als 60.000 Teilnehmer aus über 200 Ländern. Er ist damit die größte Mobilfunkveranstaltung Europas.

  • In diesem Jahr waren rund 1400 Aussteller präsent. Die Ausstellungsfläche betrug 58.600 Quadratmeter.

  • Über 2900 internationale Print-, Online- und Hörfunkmedien berichteten.

  • 2012 wird der MWC noch sicher in Barcelona stattfinden (27. Februar bis 1. März 2012). Ab 2013 könnte dann München Veranstaltungsort sein. Neben der Bayern-Metropole zählen außer Barcelona auch Mailand und Paris zum Kreis der Finalisten. Wer sich durchsetzt, erhält das Recht, den MWC fünf Jahre auszutragen.

  • Lesen Sie unsere ausführlichen Berichte über den letzten MWC hier!

Das ist aber nicht alles. München ist das Herz der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) nicht nur in Deutschland, sondern laut Bill Gates sogar das "Hightech-Mekka Europas". Speziell im Großraum München reicht die Struktur der ITK-Branche von internationalen Technologiekonzernen über mittelständische Unternehmen bis hin zu kreativen Startups auch in den Anwenderbranchen. Ergänzt wird dieses Umfeld durch unsere weltweit anerkannte Wissenschafts- und Forschungslandschaft, unsere zwei Eliteuniversitäten, Studienprogramme, etablierte Netzwerke und Plattformen.

Wir sind überzeugt: München bietet der GSMA enormes Entwicklungspotenzial und optimale Ausgangsbedingungen für ihr neues Konzept einer Mobile World Capital. Unter dem Begriff ‚Apps & Alps` haben wir der GSMA eine partnerschaftliche Zusammenarbeit angeboten.