IT-Teams brauchen Vielfalt

Diversity für Anfänger

ist freie Wirtschaftsjournalistin in London.
Vielfalt in IT-Teams ist Trumpf. Doch was bedeutet Diversity für das Tagesgeschäft? Wie bekommen Führungskräfte eine gute Mischung ihrer Mitarbeiter hin? Was bringt ihnen das für den Geschäftserfolg?

Lehrer Bömmel aus der "Feuerzangenbowle" hätte kein Problem damit gehabt, seinen Schülern das Phänomen zu beschreiben. "Wat Diversity inne IT is? Da stelle wa uns ma janz dumm. Diversity inne IT, dat is ne jroße volle Konferenzraum. Früher saßen da überall Männer. Alle Informatiker, alle jung, alle Deutsche. Heute nisch."

Gemischte Teams arbeiten kreativer und innovativer als homogene Gruppen.
Gemischte Teams arbeiten kreativer und innovativer als homogene Gruppen.
Foto: Arcurs/Fotolia.de

Tatsache: Die IT-Branche entdeckt derzeit die Vielfalt ihrer Belegschaften als neue Chance. "Das Geschäftsumfeld wird immer komplexer, veränderungsintensiv und talentkritisch, so dass Diversity eine Notwendigkeit darstellt", sagt Michael Stuber, der in Köln die Beratungsgesellschaft Ungleich Besser Diversity Consulting leitet. "Zudem macht der öffentliche Erwartungsdruck das Thema zu einer akut dringlichen Priorität."

Der Druck ist nicht nur politischer Natur. Auch Fachkräftemangel und demografischer Wandel zwingen die Unternehmen, sich für neue Mitarbeitertypen zu öffnen. Allein mit den üblichen Verdächtigen in der Belegschaft - Nerd, männlich, jung - lassen sich in Zukunft keine Geschäftserfolge mehr sichern.

Besonders begehrt sind Frauen. Bis zum Jahr 2020 streben die ITK-Unternehmen hierzulande im Schnitt eine Versechsfachung ihres Frauenanteils an. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hervor. Von einer Gender-gerechten Personalpolitik versprechen sich die Arbeitgeber eine höhere Kundenzufriedenheit, effizientere Teams und eine leichtere Gewinnung und Bindung von Personal.

Doch im Suchraster stehen nicht nur Frauen. Auch ausländische, ältere oder behinderte Mitarbeiter geraten in den Fokus. "Unternehmen befassen sich mit Diversity nicht nur aus sozialer Verantwortung heraus, sondern auch aus reinem Eigeninteresse", sagt Andreas Merx, Inhaber der Management-Beratung Pro Diversity in Berlin. "Das ist der beste Ansporn überhaupt, um Vielfalt voranzutreiben."

Je mehr Unterschiede, desto erfolgreicher

Annettte Maier, Sales Director bei Hewlett-Packard: "Je unterschiedlicher wir denken, desto erfolgreicher werden wir sein."
Annettte Maier, Sales Director bei Hewlett-Packard: "Je unterschiedlicher wir denken, desto erfolgreicher werden wir sein."
Foto: Hewlett-Packard

Vorreiterunternehmen der Branche zeigen, wie das funktioniert. Annette Maier zum Beispiel, Sales Director bei Hewlett-Packard in München. In ihrem Team arbeiten insgesamt 18 Personen, vier davon sind Frauen, vier haben eine doppelte Staatsbürgerschaft, es gibt 25-Jährige und 55-Jährige. Die bunte Mischung hat Methode. "Im Geschäft müssen wir immer neue Wege gehen", so Maier. "Je unterschiedlicher unsere Ansätze und Denkweisen sind, umso erfolgreicher werden wir sein." Die Teammitglieder könnten so am besten voneinander lernen und sich gegenseitig neue Perspektiven eröffnen.