Digitale Transformation von Unternehmen

Digitalisierung: Neustart für die IT

23.12.2015
Lars Drexler verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der IT-Branche, speziell auf den Gebieten BPM, EIM, SOA und ERP. Er ist seit 2013 für OpenText tätig. Hier ist er als VP Solution Consulting für die Positionierung der Lösungen in Europa verantwortlich. Insbesondere berät er die Kunden sowohl fachlich als auch technisch bei der Abbildung ihrer Anforderungen im Informationsmanagement auf der Enterprise Information Management-Plattform.
Egal, ob Arbeits- und Privatleben, Bildung, Wirtschaft oder Politik - die digitale Revolution erfasst sämtliche Bereiche unseres Lebens. Für Unternehmen heißt das vor allem: Neue Technologien und veränderte Kundenerwartungen werfen etablierte Geschäftsprozesse über den Haufen.

Heutzutage wird Digitalisierung häufig im selben Atemzug mit anderen Buzzwords wie Mobile- und Cloud Computing, Big Data, Internet of Things oder 3D-Druck genannt. Doch das greift zu kurz - es sind gewichtigere Faktoren, die die Digitalisierung und digitale Transformation von Unternehmen vorantreiben. Die Globalisierung etwa, aber auch soziale Veränderungen mit einer neuen Generation von Kunden - den Digital Natives. Beispiel WhatsApp: Es ist noch nicht allzu lange her, dass die Instant-Messenging-App aus dem kalifornischen Santa Clara der Deutschen Telekom die Pfründe mit Kurznachrichten streitig machen konnte (und der Bonner Konzern sich kurzerhand gezwungen sah, die SMS-Flatrate einzuführen), bevor sich schließlich Facebook das Startup mit 350 Mitarbeitern einverleibte - für rund 19 Milliarden Dollar.

Die digitale Transformation von Unternehmen wird von verschiedenen Faktoren vorangetrieben.
Die digitale Transformation von Unternehmen wird von verschiedenen Faktoren vorangetrieben.
Foto: Michelangelus - shutterstock.com

Digitale Transformation: Mehr Service, weniger Produkt

Ähnliche Geschichten schreibt man gleich nebenan: bei Netflix im Bereich des Fernsehens, bei Apple im Musikgeschäft oder beim US-Sportartikelhersteller Nike mit der Personalisierung von Schuhen die mit mobilen Endgeräten kommunizieren. Es sind Geschäftsmodelle, die auf Basis der Digitalisierung entstehen. Und die digitale Revolution drängt vehement in nahezu jede Branche. Sie zwingt Unternehmen dazu, ihre Prozesse kundenzentrierter auszurichten, den Service zu verbessern, agiler zu wirtschaften oder neue Märkte und Produkte ins Leben zu rufen, um überlebensfähig bleiben zu können.

Der Service um ein Produkt wird zunehmend wichtiger als das Produkt selbst. In vielen Branchen fallen die Herstellungskosten, die Grenzkosten gehen gegen Null, Innovationszyklen verkürzen sich und Innovationsvorsprünge schmelzen dahin. So gewinnt die Konkurrenzsituation an Schärfe und eine Differenzierung über den Preis wird immer schwieriger. Unternehmen können sich immer seltener ausschließlich über das Produkt vom Wettbewerb differenzieren und bemühen sich um begleitende Services. Vor allem in den Bereichen Telekommunikation, Musik und Medien trifft die digitale Transformation auf fruchtbaren Boden, um eine stärkere Kundenbindung und Individualisierung zu erzielen. Dramatische Auswirkungen hat dabei die Vorstellung, Kunden könnten in Zukunft ihre eigenen Produkte mit 3D-Druckern herstellen. Die Auswirkungen sind häufig bis in den B2B-Bereich zu spüren: In Zukunft heißen die Erfolgsfaktoren nicht mehr nur "schneller" oder "besser" - die Services rund um ein Produkt machen den Unterschied.

Organisatorische Ansätze für die Digitalisierung von Unternehmen

Für Unternehmen haben sich zu Beginn einer digitalen Transformation drei Methoden bewährt:

  1. Ideenwettbewerbe mit Quer- und Freidenkern, die sich auf spezielle Projekte konzentrieren;

  2. Das Ausgründen von Unternehmensteilen im Stil von Startups, die autark wie durch ein Venture Capital geführt agieren;

  3. strukturelles Vorgehen über Workshops.

Unabhängig von der gewählten Methode ist es für die Digitalisierung unabdingbar, ein sogenanntes "Executive Sponsorship" ins Leben zu rufen, das als persönliches Ziel auf höchster Unternehmensebene verankert sein muss. Es sollte also ein klares Mandat mit entsprechenden Ermächtigungen geben, um das Thema digitale Transformation in Unternehmen vorantreiben zu können. Hier bietet sich eine dedizierte Rolle - beispielsweise die eines Chief Digital Officers (CDO) - an. Anders als bei klassischen CIOs, deren dringlichste Aufgabe die Kostenreduktion bei gleichbleibenden Service-Levels ist, sollte ein CDO etablierte Strukturen über Bord werfen, Neues versuchen und auch scheitern dürfen. Ratsam ist zudem, alle relevanten Abteilungen eines Unternehmens bei der Zielsetzung auf dem Weg in die Digitalisierung zu berücksichtigen und einzubinden.

Digitale Enabler für die Unternehmenskultur

Häufig gehört es zu den nächsten Schritten einer digitalen Unternehmenskultur den Umgang mit dem Kunden auf den Prüfstand zu stellen. Bei all den Planspielen zugunsten einer Digitalisierung aber ist ein Aspekt wesentlich: Für die Transformation müssen die richtigen Menschen gefunden werden. Im Zeitalter der Digitalisierung stehen dabei Charaktere im Mittelpunkt, die eine positive Grundeinstellung zu Veränderungen besitzen. Solche pragmatischen Visionäre müssen über den Tellerrand hinausschauen und bereit sein, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner in die digitale Philosophie einzubinden. Denn auch externe Berater und sogar Softwarehersteller leisten in einem solchen Ansatz mit ihrem Blick von außen unverzichtbare Dienste. Oftmals ist nämlich die Kenntnis darüber, welche neuen Geschäftsmodelle mit den technologischen Revolutionen möglich sind, im eigenen Unternehmen gar nicht vorhanden, weil schlichtweg das Personal dafür fehlt. Erst mit diesem Wissen um die organisatorischen Voraussetzungen sollten sich Unternehmen in die Umsetzung der digitalen Transformation stürzen. (fm)