VoIP-Trends

Die Zeichen stehen auf Integration

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Voice over IP (VoIP) hat sich in vielen Firmennetzen klassische Telefonanlagen auf Basis von ISDN abgelöst. Nun bahnt sich der nächste Schritt an: die Integration von Sprache, Videokonferenzen und Präsenzinformationen in Unified-Communications- und -Collaboration-Systemen.
Diskussionen über Sprachqualität und Fehleranfälligkeit bei VoIP sind weitgehend Vergangenheit.
Diskussionen über Sprachqualität und Fehleranfälligkeit bei VoIP sind weitgehend Vergangenheit.
Foto: Swyx

Vor wenigen Jahren wurde Voice over IP (VoIP) von TK-Profis noch milde belächelt. Im Vergleich zu herkömmlichen ISDN-Systemen böten VoIP-Systeme eine schlechtere Sprachqualität, seien fehleranfälliger und zudem offen für Hacker-Angriffe, so einige der Argumente. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Marktforschungsfirma Infonetics geht davon aus, dass der weltweite Umsatz mit VoIP-Diensten 2015 ein Volumen von 76 Milliarden Dollar erreichen wird.

Im Bereich Geschäftskunden erwartet die Beratungsgesellschaft vor allem bei VoIP- und Unified-Communications-Diensten, die Service-Provider im Auftrag von Kunden verwalten (Managed und Hosted VoIP-PBX), einen starken Zuwachs. "Im laufenden Jahr wird der Umsatz vom Voice-over-IP-Diensten um 11 Prozent steigen", so Diane Myers, Analystin bei Infonetics. "Ein besonders starkes Wachstum ist im Bereich Geschäftskunden zu verzeichnen", so Myers weiter, "speziell bei Hosted-PBX- und SIP-Trunking-Diensten."

SIP ist auf dem Vormarsch

SIP-Trunking ist eine der Technologien, die Voice over IP vor allem für Unternehmen attraktiv macht. Sie basiert auf dem Session Initiation Protocol (SIP), einem Protokoll, das neben H.323 für den Aufbau und die Steuerung von IP-Telefonverbindungen ("Sessions") zum Einsatz kommt. Mithilfe von SIP-Trunking ist es möglich, Voice-over-IP-Telefone und entsprechende Sessions mit herkömmlichen Telefonanlagen zu koppeln.

Darüber, dass Produkte auf Basis des Session Initiation Protocol dominieren werden, sind sich die meisten Fachleute einig. Ähnlich wie bei Android im Mobilfunkbereich spricht für SIP, dass es sich um eine Norm handelt, die Systementwicklern genügend Freiheitsgrade gibt. Dadurch können sie herstellerspezifische Erweiterungen in ihre VoIP- und UCC-Systeme integrieren. Der Nachteil ist, dass es mittlerweile eine Vielzahl von SIP-Implementierungsvarianten gibt. Das wiederum gefährdet die Interoperabilität von VoIP-Gateways und -Endgeräten.

Aus Anwendersicht ist diese Entwicklung alles andere als wünschenswert. Denn letztlich kann sie dazu führen, dass ein Unternehmen letztlich doch eine VoIP-Lösung erhält, die ihn auf die Produkte eines Anbieters festlegt. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich SIP langfristig gegenüber dem Rivalen H.323 durchsetzt. Ein SIP-Standard ist allerdings erst in etwa 10 bis 15 Jahren zu erwarten.