Die Renaissance des Rich Client

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Browser-Anwendungen stehen seit Jahren hoch im Kurs, portalbasierende Lösungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch es gibt Anzeichen für eine Kehrtwende hin zu klassischen lokalen Anwendungen - als Smart Client auf Microsofts .NET oder anderen Web-Service-orientierten Plattformen.

Die Client-Frage zählte in den vergangenen Jahren zu den dominierenden strategischen IT-Themen. Das mit den PCs etablierte Client-Server-Modell wurde dabei zunehmend kontrovers diskutiert - vor allem wegen seiner komplexen und teuren Softwarearchitektur. Die gängigen TCO-Berechnungen beispielsweise haben immer wieder gezeigt, dass die Verteilung und die Installation von Software, das Management der Clients und die Wartung der zumeist Windows-gestützten Endgeräte kräftig ins Geld gehen.

Collage: CW

Ausgehend vom Web-Boom und den Internet-Techniken etablierte sich daher eine neue Architektur für Unternehmensanwendungen. HTML-basierende Frontends und Portale überzeugen dadurch, dass sie sich zentral verwalten lassen. Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Eine Verteilung von Software auf eine große Anzahl von Clients ist überflüssig, solange dort ein Browser vorhanden ist. Außerdem kann die Arbeitsplatzkonfiguration weder durch fehlerträchtige Anwendungen noch durch Benutzereingriffe beschädigt werden - der Aufwand für Wartung und Helpdesk sinkt spürbar. Wie sehr sich das Web-Paradigma durchgesetzt hat, zeigt eine Untersuchung von Gartner: Demnach hatten 2002 mehr als 70 Prozent aller neuen Anwendungsprojekte ihren Hauptfokus auf einer Browser-orientierten Benutzer-Schnittstelle.

Doch trotz dieses regen Zuspruchs, darin sind sich Experten wie Anwender einig, stellt der Browser alles andere als ein ideales Anwendungs-Frontend dar. So kann die Web-Sprache HTML nach Ansicht des Forrester/Giga-Analysten John Meyer die zunehmend komplexeren Anforderungen, die an Applikationen gestellt werden, nicht erfüllen. Sobald zum Beispiel keine Netzverbindung zur Verfügung steht, Daten in Echtzeit validiert und bearbeitet sowie Prozesse visualisiert werden müssen oder wenn gar Web-Services ins Spiel kommen, sind laut Meyer alternative User-Interface-(UI-)Techniken notwendig. Vor allem in Sachen Usability - also einfacher Bedienbarkeit - weisen Browser-Anwendungen Defizite auf, wie sie etwa Stephan Krause, Systemarchitekt bei der CSC Ploenzke AG, schildert: "Im Vergleich zu klassischen Rich-Client-Formularanwendungen ist beim Browser-Interface eine einfache Bedienung nur