Agile Softwareentwicklung

Die neuen Entwicklertugenden

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
In Zeiten von Scrum, eXtreme Programming und Kanban rücken neue Developer Skills in den Vordergrund. Was agile Unternehmen von Software-Ingenieuren erwarten und was sie bieten, erklärt ein Experte.
Wer nach agilen Methoden programmieren will, muss kommunikationsfähig, diskussionsfreudig und kreativ sein.
Wer nach agilen Methoden programmieren will, muss kommunikationsfähig, diskussionsfreudig und kreativ sein.
Foto: Rido - Fotolia.com

Die klassische Vorgehensweise in der Softwareentwicklung hat mit agilen Methoden wie Scrum, eXtreme Programming und Kanban eine Konkurrenz bekommen, deren Einfluss innerhalb des Unternehmens weit über die Softwareprojekte selbst hinausgeht. Agile Methoden einzuführen bedeutet beispielsweise auch, Karrierepfade und Bonussysteme anzupassen.

Außerdem rücken neue Developer Skills in den Vordergrund. Die speziellen Anforderungen der Agilen Methoden an Entwickler - und die Perspektiven, die Agile Unternehmen bieten - erläutert Matthias Grund, Geschäftsführer der andrena objects GmbH, im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Das Software-Beratungshaus hat gemeinsam mit SAP das Programm ASE - Agile Software Engineering, entwickelt. ASE stieß bislang auf große Resonanz: Bis Januar 2012 haben etwa 1400 Software-Ingenieure dieses Trainingsprogramm durchlaufen, bis Ende des Jahres werden weitere rund 2400 folgen.

CW: Herr Grund, andrena objects, trainiert Software-Ingenieure in den verschiedensten, internationalen Standorten. Welche besonderen Anforderungen stellt ASE an die Entwickler?

Matthias Grund ist Geschäftsführer der andrena objects GmbH.
Matthias Grund ist Geschäftsführer der andrena objects GmbH.

Grund: Ganz kurz gesagt erfordert ASE eine Kombination des technischen Könnens und derjenigen Eigenschaften, die unter "Soft Skills" summiert werden. Bei den Techniken, die wir trainieren und in die Projekte tragen, dominieren die Prinzipien des "Clean Code" und "Test Driven Development". Bei den Soft Skills sind vor allem ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten wichtig.

Der Entwicklungsprozess wird Teamsache

CW: Was ist daran wirklich neu? Kommunizieren können mussten Software-Ingenieure immer - schon allein deswegen, um mit ihren Auftraggebern die Anforderungen festzulegen.

Grund: Ja, aber der Austausch ist intensiver geworden. Und es gibt neue Techniken, die einzuüben sind: Der Umgang mit Anforderungen in Form von User Stories, die Verfeinerung von User Stories während des Projektes, also "just in time", Schätzung und Iterationsplanung. Bei den Agilen Methoden geht es nicht nur um den Austausch zwischen Auftraggebern und Entwicklern, sondern ganz intensiv um die ständige Kommunikation im Entwicklungsteam. Pair Programming etwa - ein Entwickler schreibt Code, ein anderer spiegelt, was er sieht - stellt das klassische Bild des stark individuell geprägten Einzelkämpfers auf den Kopf. Der Entwicklungsprozess wird Teamsache und fokussiert kreativ, das erfordert eine hohe Bereitschaft zur Diskussion.

CW: Diskussionsbereitschaft als hohe Entwicklertugend? Das müssen Sie erklären.

Grund: Wer sich fürs Programmieren entscheidet, ist stark technisch orientiert, interagiert gerne mit Maschinen und löst gerne Rätsel. Es hat, lapidar gesagt, Gründe, warum jemand Entwickler wird und nicht beispielsweise Sozialpädagoge; die Persönlichkeitsstruktur ist einfach anders. Dazu kommt, dass Softwareentwicklung ein kreativer Prozess ist, das macht die entstandene Software sozusagen zu einem Stück vom eigenen Ich. Damit werden Einwände gegen den Code schnell als persönliche Kritik wahrgenommen, aber das sind sie nicht, da muss streng getrennt werden. Aktive und passive Kritikfähigkeit kann man lernen.

CW: Nun ist andrena ein Beratungshaus, das andere Unternehmen in seinem ASE-Programm trainiert. Klar ist, dass ein Trainer besonders gut darin sein muss, Inhalte zu vermitteln. Inwieweit gilt das aber für reguläre Entwickler?

Grund: Alle unsere Trainer sind primär reguläre Entwickler, die während des Trainings mit in die Projekte der Kunden gehen. Für ASE ist charakteristisch, den Fokus wieder auf die Entwicklung, das Programmieren zu legen. Da wäre ein Trainer ohne die nötige Fachlichkeit kaum glaubwürdig. Dessen ungeachtet: Damit ein Team gemeinsam planen, entwickeln und abschätzen kann, muss maximale Transparenz herrschen, und das bedingt offenen Austausch und die Bereitschaft zur intensiven Kommunikation bei jedem Teammitglied.