Wie sich Unternehmen präsentieren sollten

Die digitale Visitenkarte 2013

08.04.2013 | von Stefan von Gagern (Autor) 
Stefan von Gagern
Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
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Heute stellt sich die Frage, ob ein Unternehmen im Netz präsent sein muss, nicht mehr. Die Frage lautet nur, was sinnvoll ist und was nicht: eigene Website, Blog, Social-Media-Auftritte, mobile Apps? Unser Ratgeber gibt Antworten.

Eine Website, dazu noch ein Blog, Facebook-, Google+- und Twitter-Profil, YouTube-Kanal und natürlich die eigene App für Smartphone und Tablet: Um heute digital präsent zu sein, stehen einem Unternehmen weit mehr Kanäle zur Auswahl als noch vor ein paar Jahren. Viele sind allein damit schon überfordert: Was ist wirklich wichtig fürs Geschäft, was ist Hype oder Modeerscheinung und verpufft wirkungslos?

Ist die eigene Site noch notwendig?

Die schönen neuen Web-2.0- und Social-Media-Portale sind bequem. Binnen Minuten kann sogar der Praktikant eine Firmenseite auf Facebook eröffnen oder einen YouTube-Kanal für Imagevideos einrichten - und alles auch noch kostenlos. Auf Facebook warten riesige Zielgruppen und direkter Kundendialog. Wozu dann noch die Mühe und Investitionen für die eigene Website - oder den seit Jahren nötigen Relaunch?

Grundsätzlich aber sollte der Einsatz von Social Media eine Ergänzung des Webauftritts sein - niemals ein Ersatz. Es wäre zu riskant, nur auf eine Plattform oder gar nur auf eine fremdgesteuerte wie Facebook zu setzen. Der Social-Media-Gigant ändert ständig die Spielregeln, ohne die Mitglieder zu informieren. So war beispielsweise im vergangenen Jahr der Aufschrei groß, als es hieß, ein Facebook-Posting erreiche nur rund 15 Prozent der "Fans", solange keine bezahlten Sponsorenbeiträge eingesetzt würden, um die Reichweite einer Präsenz zu vergrößern. Die 15 Prozent basierten dabei aber lediglich auf allgemeinen Erfahrungswerten und hatten nichts mit einer direkten Einflussnahme von Facebook auf die Auftritte seiner nicht zahlenden Nutzer zu tun. Ähnlich den Google Adwords oder hervorgehobenen Ebay-Auktionen gilt schließlich auch bei Facebook: Nur wer zahlt, genießt die besonderen Platzierungen und Markierungen seiner Botschaften und geht nicht in der Masse unter.

Dennoch: Ausschließlich auf "Partner" wie Facebook zu setzen, wenn es um die Selbstdarstellung geht, ist keine gute Idee. Wer weiß denn, ob Facebook nicht morgen schon Unternehmensprofile kostenpflichtig macht oder ganz abschafft? Oder die Datenschutzbestimmungen unerträglich werden?

Der maximal unabhängige Auftritt

Nur die eigene Website ist für den Macher vollständig kontrollier-, veränder- und auch löschbar. Hier sollte deshalb der Fokus liegen. Welchen Aufwand ein Unternehmen für die Website betreibt und welches Budget es dafür abstellt, hängt wiederum stark von verfügbaren Budgets und firmenstrategischen Zwängen ab: Ist die Seite ein reines Aushängeschild mit ein paar Informationstexten und einem Kontaktformular? Oder hängt ein Shop daran, mit dem das Unternehmen wichtigen Umsatz macht? Bei jedem Launch oder Relaunch ist eine gründliche Konzeption unvermeidbar, in der die Ziele der Website, deren inhaltliche Gestaltung und die technischen Mittel zur Umsetzung (wie eine Datenbank für einen Shop) ausgearbeitet werden müssen. Wer damit überfordert ist, sucht sich Experten von außen.

Selbst pflegen oder auslagern?

Doch auch ohne großes Budget und die Dienste einer Agentur sind bereits professionelle Auftritte möglich. Von Business-Portalen mit komplexen Backends abgesehen, ist mit ein wenig Grundkenntnissen im Webdesign schon vieles machbar - zumindest aber die Wartung und Pflege der extern erstellten Inhalte sollte drin sein.

Blogsysteme wie Wordpress eigenen sich nicht nur für Weblogs - auch Firmenauftritte können damit einfach umgesetzt werden.
Blogsysteme wie Wordpress eigenen sich nicht nur für Weblogs - auch Firmenauftritte können damit einfach umgesetzt werden.
Foto: Stefan von Gagern

Praxiserprobt ist beispielsweise das kostenlose und weit verbreitete Redaktionssystem Wordpress, mit dem sich nicht nur Blogs, sondern auch ganze Web-Seiten schnell realisieren lassen. Zudem sind Gastzugänge möglich, über die freie Mitarbeiter oder Kunden ihre eigenen Seitenbereiche oder Firmenblogs selbst auf dem Laufenden halten können. Wer einen Texteditor bedienen kann, wird es auch schaffen, mit Wordpress ein paar Meldungen zu posten.

Günstige Baukastensysteme

Wordpress kann auch heruntergeladen und auf dem eigenen Firmenserver installiert werden.
Wordpress kann auch heruntergeladen und auf dem eigenen Firmenserver installiert werden.
Foto: Stefan von Gagern

Loslegen ist einfach: Wer bei www.wordpress.com einen Account erstellt, bekommt den Standard-Blog-Webspace umsonst und kann gegen Gebühr eine eigene Domain und mehr Speicher dazukaufen. Noch besser und empfehlenswert für jedes Unternehmen ist natürlich der eigene Server mit eigener Domain. Dafür steht die komplette Wordpress-Software kostenlos zum Download und mit Installationsanleitung auf Deutsch bereit.

Die Optik von Wordpress-Seiten lässt sich mit einem Klick verändern.
Die Optik von Wordpress-Seiten lässt sich mit einem Klick verändern.
Foto: Stefan von Gagern

Im "Dashboard", der Wordpress-Oberfläche, lassen sich die typischen Seiten wie "Leistungen", "Über", "Impressum", "Kontakt" etc. mit wenigen Klicks erzeugen und mit Inhalt füllen - was kaum schwieriger ist, als einen Texteditor zu bedienen. Um die Navigation kümmert sich Wordpress automatisch: Es reicht, Seiten anzulegen und übergeordnete Rubriken anzugeben. Auch das Design wird automatisch erledigt. Worpress arbeitet mit Themen, die Farben und Erscheinungsbild bestimmen. Neben vielen Gratis-Designs gibt es für rund 30 Dollar direkt aus der Software heraus kaufbare Profi-Themen, die eine Anpassung der Farben und den Upload des eigenen Logos möglich machen - und schließlich ein Profi-Design für schmales Geld liefern.

Wordpress-Themen können ohne Programmierung an das eigene Erscheinungsbild angepasst werden.
Wordpress-Themen können ohne Programmierung an das eigene Erscheinungsbild angepasst werden.
Foto: Stefan von Gagern

Wordpress und andere Baukasten-Lösungen haben aber auch ihre Grenzen. Für größere Unternehmen sind nie nichts, die maßgeschneiderte Auftritte im Corporate Design wünschen. Doch auch hier kann es helfen, auf eine verbreitete Technikbasis zu setzen. Für Wordpress sind zum Beispiel viele Erweiterungen erhältlich. Wenn nachträglich noch ein Shop oder andere Funktionen aufgesetzt werden sollen, muss der Anwender nicht bei null beginnen.

Wer mit anderen Redaktionssystemen als Wordpress arbeiten möchte - beispielsweise TYPO3 - findet eine gute Übersicht in unserem Website-Check "Blogsysteme".

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