IT-Gipfel 2014

"Deutschland braucht eine digitale Bildungsoffensive"

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Welche Rolle digitale Bildung und Kompetenz für die Arbeitswelt von morgen spielen, erklärt Wolfram Jost anlässlich des IT-Gipfels 2014. Jost ist CTO der Software AG und Mitglied der IT-Gipfel-Arbeitsgruppe "Bildung und Forschung für die digitale Zukunft".

CW: Der IT-Gipfel findet dieses Jahr zum achten Mal statt. Was hat sich seitdem bei der Bildung getan?

Wolfram Jost: Der IT-Gipfel hat für die Bildung wichtige Impulse gesetzt. Vor allem der 2011 als Nachwuchsprogramm für IT-Führungskräfte gestartete "Software Campus" verbuche ich als Erfolg: Ende diesen Jahres werden mehr als fünfzig junge IT-Experten das Programm absolvieren und ihren Weg in führende Positionen in Wirtschaft und Wissenschaft gefunden haben. Der Software Campus wirkt damit dem vielfach beklagten Brain Drain wirksam entgegen und sichert Deutschland die Top-Talente.

Wolfram Jost ist CTO der Software AG und engagiert sich für den "Software Campus", der 50 junge IT-Talente unterstützt.
Wolfram Jost ist CTO der Software AG und engagiert sich für den "Software Campus", der 50 junge IT-Talente unterstützt.
Foto: Software AG

CW: Was ist das Besondere am Software Campus?

Wolfram Jost: Zum einen richtet sich der Software Campus an die Top-Entscheider von morgen - dies erklärt auch den engen Teilnehmerkreis. Zum anderen verknüpft das Ausbildungskonzept des Software Campus auf innovative Weise Spitzenforschung und Managementpraxis miteinander. Es beinhaltet neben der Umsetzung eines eigenen IT-Forschungsprojektes - das Bildungsministerium stellt hierfür bis zu 100.000 Euro bereit - unter anderem individuelles Mentoring und vermittelt tiefe Einblicke in die unternehmerische Praxis.

CW: Und abseits der Topausbildung, welche Herausforderung stellt die Digitalisierung an unsere Bildungssysteme?

Wolfram Jost:: Die Digitalisierung ist der Megatrend der kommenden Jahre. Sie verändert radikal unseren Alltag, beruflich wie privat. Wir müssen die Menschen - gleich welchen Alters und welchen Berufs - daher befähigen, mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Quer durch alle Branche und Bereiche werden digitale Kompetenzen zu der Schlüsselqualifikation. Hier haben wir alle noch Einiges zu lernen!

CW: Aber benötigen die "Digital Natives" überhaupt zusätzliche Qualifizierung?

Wolfram Jost: Natürlich sind die digitalen Fähigkeiten bei den Digital Natives sehr ausgeprägt. Allerdings ist der routinierte Umgang mit Smartphone oder Social Media kein Garant dafür, den Anforderungen des digitalen Arbeitsmarktes gewachsen zu sein. Nicht jeder Digital Native weiß um die Bedeutung von Smart Data, Smart Services oder Industrie 4.0. Und auch in der Forschung gibt es noch vielen offene Fragen. Auf Initiative des Nationalen IT-Gipfels wurde deshalb das "Smart Data Innovation Lab" gegründet, das der Wissenschaft Daten und Infrastruktur bereitstellt, Grundlagenforschung um Big Data zu betreiben. Beide Initiativen - Software Campus und Smart Data Innovation Lab - können aber nur erste Bausteine einer digitalen Forschungs- und Bildungsoffensive sein.

CW: Wie sollte eine digitale Bildungsoffensive aussehen?

Wolfram Jost: Zuerst brauchen wir einen grundsätzlichen Sinneswandel. Ähnlich wie bei den erneuerbaren Energien gehört die Differenzierung nach Konsument und Produzent der Vergangenheit an. In Zukunft haben wir die Mischform des "Prosumers", der beides zugleich ist. Stark vereinfacht heißt das: Wir müssen unser Smartphone nicht nur bedienen können, sondern auch verstehen, wie es funktioniert und welchen Geschäftsmodellen es folgt. Darüber hinaus wird die Software-Durchdringung unserer Welt weiter steigen.

Lassen sie mich dies an zwei Beispielen illustrieren: In Zukunft braucht auch der Handwerker IT-Kenntnisse, um im Smart Home etwas reparieren zu können. Ein weiteres Bespiel liefert die Automobilbranche: Der verstärkte Einsatz von Software im Auto hat dazu geführt, dass in der Werkstatt der Mechaniker zunehmend vom Mechatroniker abgelöst wird. Digital veredelte Dienstleistungen (Smart Services) dringen so unweigerlich in unseren Alltag ein.