Online-Brief

Deutsche Post steigt in Kampf um E-Post ein

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Immer mehr Menschen verschicken E-Mails im Internet statt Briefe zu schreiben. Das hat jetzt auch die Deutsche Post erkannt und will deswegen die Post ab Juli sowohl klassisch wie bisher als auch elektronisch zustellen. Doch viele Details ihres neuen Produkts behalten die Verantwortlichen noch für sich. Erste Partner sind unter anderem der ADAC und Lotto Hessen. Weitere sollen folgen.

Auf der Computermesse Cebit in Hannover hat die Deutsche Post keine Kosten und Mühen gescheut, um ihr neues Produkt „Online-Brief“ vorzustellen. So gab es neben einer Pressekonferenz und einem Stand im Public Sector Parc in Halle 9 der Messe auch zahlreiche Fachvorträge zum Thema. Das Budget für Marketing und Werbung soll angeblich im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Jürgen Gerdes, Vorstand Brief bei der Deutschen Post DHL, auf der Cebit-Pressekonferenz.
Jürgen Gerdes, Vorstand Brief bei der Deutschen Post DHL, auf der Cebit-Pressekonferenz.

Mit dem Slogan „verbindlich, vertraulich, verlässlich“ soll ab Juli nichts weniger als die elektronische Kommunikation revolutioniert werden. Eine wichtige Zielgruppe ist dabei die öffentliche Verwaltung. Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief Deutsche Post DHL, gab sich überzeugt, dass der Post-Brief im Internet ein großer Erfolg wird und stellte seine Einführung in eine Reihe mit anderen historischen Umwälzungen bei der Post wie der ersten Postkutschenlinie 1653, der ersten deutschen Briefmarke 1849 und der ersten vollautomatischen Briefverteilanlage 1965.

Um den neuen Dienst nutzen zu können, müssen sich die Kunden wie beim Onlinebanking zuvor einmalig per Postident-Verfahren für ein Internet-Brief-Konto registrieren lassen. Um seine elektronischen Briefe lesen zu können, muss man sich am neuen Portal der Post durch Benutzernamen und Passwort sowie die Eingabe einer Handy-TAN identifizieren. Die Briefe selbst werden mit einer qualifizierten elektronischen Signatur der Deutschen Post versehen und verschlüsselt übermittelt, der Weg der E-Mail könne vom Sender bis zum Empfänger nachvollzogen werden, sagte Gerdes. Auch Einschreiben können so elektronisch verschickt werden.

Besonders stolz ist die Post auf ihre Hybridvariante. Ist ein Nutzer nicht am Portal angemeldet und kann seinen Brief so gar nicht elektronisch erhalten, druckt die Post den Brief für ihn aus, kuvertiert ihn und stellt ihn dann ganz normal per Briefträger zu. Für Geschäftskunden soll es spezielle Scan- und Druckdienstleistungen geben, für die öffentliche Verwaltung bietet die Post eine E-Poststelle an. Dieses gesicherte Gateway soll für die Integration des Internet-Briefs in die Unternehmens- bzw. behördeneigene Mail-Infrastruktur sorgen. Alle Systeme werden nach Angaben der Post in einem vom BSI nach BSI-Grundschutz zertifizierten Rechenzentrum betrieben.