iPad-Rivale mit schwerem Stand

Das Motorola Xoom im Praxistest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit seinem ersten Tablet versucht Motorola, dem Siegeszug von iPad und iPad 2 Einhalt zu gebieten. Gelingt das Unterfangen?

Mit einem Marktanteil von fast 90 Prozent ist der gegenwärtige Tablet-Boom vor allem dem iPad von Apple sowie dessen Nachfolger iPad 2 zuzuschreiben. Die Geräte der Wettbewerber, selbst das vergleichsweise früh gestartete Samsung Galaxy Tab 7, sind bestenfalls Randerscheinung. Noch zumindest. Denn wie bereits im Smartphone-Bereich geschehen, schläft auch im Tablet-Umfeld die Konkurrenz nicht und versucht, die Apple-Dominanz mit einer Breitseite an neuen Geräten zu überrollen. So hat nicht nur der Blackberry-Hersteller Research in Motion mit dem Playbook ein besonders auf das Business-Umfeld ausgelegtes Gerät entwickelt. Anfang des Jahres wurden auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas auch über 50 Tablets mit Android-Betriebssystem gezeigt. Etliche von diesen werden zwar kaum über den Prototypen-Zustand hinausgehen. Es gibt jedoch auch eine Reihe von ernstzunehmenden Kandidaten, darunter das Motorola Xoom, das sowohl durch zeitgemäße Hardware (Dual-Core-CPU) wie auch Software (Android 3.0 - Honeycomb) hervorsticht. Die COMPUTERWOCHE hat das Gerät einer näheren Prüfung unterzogen.

Der erste Eindruck

Beim Design und Abmessungen muss sich das Motorola Xoom nicht vor dem Apple iPad verstecken.
Beim Design und Abmessungen muss sich das Motorola Xoom nicht vor dem Apple iPad verstecken.

Bereits beim Herausnehmen überrascht die Tester das stattliche Gewicht des Geräts. Kein Wunder - mit 730 Gramm und 12 Millimeter Dicke ist das Motorola Xoom nicht unbedingt schlank und rank geraten. Zwar entsprechen die Maße in etwa denen des Apple iPad - was Motorola bei der Entwicklung nicht wusste, ist jedoch, dass dessen Nachfolger iPad 2 deutlich leichter (613 Gramm) und mit acht Millimeter auch noch dünner ausgefällt. Auch bei dem Aluminium-Deckel, der auf der Vorderseite den Rahmen für das Display bildet, hat sich Motorola offenbar stark an dem ersten Apple-Tablet orientiert. Als Resultat weist das Xoom hier ähnlich scharfe Kanten auf wie das iPad. Der sanfte Übergang beim iPad 2 dokumentiert hingegen, dass es noch einen Ton eleganter geht - das Apple-Device war bei der Vorstellung des Xoom im Januar 2011 allerdings noch nicht einmal angekündigt. Besser gelöst ist bei dem Motorola-Gerät die Abdeckung der Antennen - hier verhindert eine gummiartige Beschichtung im oberen Bereich der Rückseite mögliche Funkstörungen.

Das iPad 2 wirkt dagegen optisch eine Generation voraus.
Das iPad 2 wirkt dagegen optisch eine Generation voraus.

Apropos oben/unten: Anders als das iPad/iPad 2 ist das Xoom nicht für die Nutzung im Hochformat konzipiert. So gibt es zwar keine physischen Knöpfe auf der Vorderseite und die Ansicht wechselt dank Lagesensor natürlich (wenn auch mit starker Verzögerung) in die richtige Position. Erst im Querformat kann der Nutzer jedoch auf die verschiedenen Bedienelemente zugreifen, ohne sich nahezu die Finger zu brechen. So hat Motorola etwa den Ein/Ausschalter unüblicherweise auf der Rückseite platziert, gleich neben dem einen Lautsprecher und der Rückkamera. Diese ungünstige Position hat nicht nur zur Folge, dass die Kamera - zumindest anfänglich - etliche Tapper abbekommt. Sie erschwert außerdem die Nutzung im Liegen, da man das Gerät beim Wechsel in den Standby-Modus anheben muss, um an den Schalter zu kommen.

Nichts für Grobmotoriker: Die Lautstärkeregelung
Nichts für Grobmotoriker: Die Lautstärkeregelung

Besser erreichbar sind die - wenn auch sehr klein geratenen - Knöpfe für die Lautstärkeregelung, sie liegen von vorne betrachte links oben am Rahmen.

Der Vollständigkeit halber: Als weitere Elemente befinden sich auf der Unterseite zudem ein Anschluss für eine externe Tastatur (Motorola-Zubehör), eine proprietäre Ladebuchse (eine einheitliche Regelung zum Aufladen via USB wie bei Handys gibt es nicht), sowie eine Micro-HDMI- (zur Übertragung von 1080p-Videos) und eine Micro-USB-Buchse. Den SIM-Karten-Slot sowie einen Einschub für eine externe Speicherkarte (MicroSD-Card) hat Motorola wiederum im oberen Teil des Rahmens untergebracht, der Kartenleser und die Möglichkeit, USB-Geräte wie einen Game-Controller anzuschließen (USB-Host), werden allerdings erst über ein anstehendes Software-Update (Android 3.1) aktiviert.