CW-Kolumne

Das Klima wird rauer für EMC

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Wer die Entwicklung des Storage- Spezialisten EMC in den vergangenen Jahren verfolgt hat, fühlt sich an die große Transformation IBMs erinnert.
Wolfgang Herrmann, Stellvertretender Chefredakteur CW
Wolfgang Herrmann, Stellvertretender Chefredakteur CW

Wer die Entwicklung des Storage-Spezialisten EMC in den vergangenen Jahren verfolgt hat, fühlt sich an die große Transformation IBMs erinnert. Beide Unternehmen begannen als klassische Hardwarespezialisten in den Rechenzentren dieser Welt. IBM mit Mainframes, EMC mit den zugehörigen Highend-Speichersubsystemen. Beide verbreiterten ihr Portfolio systematisch durch strategische Zukäufe und positionieren sich heute als universelle Infrastrukturlieferanten für die Unternehmens-IT. Doch es gibt gravierende Unterschiede. EMC verzichtete etwa dar-auf, einen ähnlich starken Dienstleistungsarm aufzubauen wie Big Blue, und beschränkt sich im Wesentlichen auf Services rund um seine Kernprodukte.

Bisher geht das Konzept der EMC-Steuermänner auf, die Zahlen stimmen. Nach mehr als 60 Übernahmen aus so unterschiedlichen Marktsegmenten wie Dokumenten-Management, Virtualisierung, Sicherheit oder Datenanalyse ist der Konzern heute gut aufgestellt, um auch konjunkturell schwächere Zeiten zu überstehen. Doch mit dem Engagement in neuen Feldern wie Hybrid Cloud oder Big Data entstehen auch andere Herausforderungen als im relativ überschaubaren Storage-Markt, wo EMC seit jeher die Pole Position hält. Im Infrastrukturgeschäft für Cloud-Implementierungen etwa konkurriert EMC jetzt mit Schwergewichten wie IBM, Hewlett-Packard oder Dell. Ähnlich verhält es sich mit der Tochter VMware, die ihr Portfolio ebenfalls durch Zukäufe vergrößert hat und in das Terrain der großen Systems-Management-Player eindringt. Die werden dem Newcomer das Feld nicht kampflos überlassen.

Gleiches gilt für EMCs Engagement im Big-Data-Markt. Nicht nur mit seiner Komplettlösung "EMC Greenplum Data Computing Appliance" stößt der Konzern auf Branchengrößen wie Lawrence Ellisons Oracle oder SAP, die viel Geld in ähnlich konzipierte Systeme investiert haben. Dass sich EMC in diesem Wettbewerbsumfeld behaupten kann, muss das Führungsteam um CEO Joseph Tucci erst noch beweisen.