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Compaq ruft die "adaptive Infrastruktur" aus

06.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - System-, Netz- und Storage-Administratoren aufgepasst: Die großen Server-Anbieter wollen Euch loswerden! IBM entwickelt mit "Project eLiza" sich selbst reparierende und verwaltende Server, Sun Microsystems und HP nennen ihre entsprechenden Projekte "iChange" und "Always-On". Jetzt steigt auch noch Compaq mit seiner Initiative "Adaptive Infrastructure" in den Ring. In deren Rahmen will der texanische Konzern seine Wintel-Maschinen der "Proliant"-Familie ebenfalls weitestgehend verselbstständigen und so dem Anwender jede Menge Aufwand und Zeit ersparen.

Compaq hat in heutigen IT-Organisationen zwei Kernprobleme ausgemacht: Erstens sind Server weiträumig verteilt und oft nicht voll ausgelastet; zweitens ersticken die Mitarbeiter in Arbeit und sind an ihre Schreibtische gefesselt. Adaptive Infrastructure soll beiden zu Leibe rücken, erklärte Mary McDowell, ihres Zeichens Senior Vice President und General Manager der Industry Standard Server Group, gestern vor Presse und Analysten. "Die einzige Konstante im Rechenzentrum und im Business ist die Veränderung, und dies macht Planungen für die Zukunft in solch herausfordernden Umgebungen enorm schwierig."

Compaq will es mit seiner Initiative nun den Anwendern ermöglichen, deutlicher schneller als bisher auf Veränderungen jedweder Art zu reagieren. Auf System-Management-Frameworks der 90er Jahre könne man dabei ruhig verzichten, meint McDowell: "Die typische IT-Umgebung braucht keine Monitor-Wächter. Mit Adaptive Infrastructure sparen Sie echte Zeit und echtes Geld." Ihr Kollege Andreas Knöpfli, Vice President Industry Standard Server Group EMEA, rückte das im Gespräch mit Computerwoche online ein wenig zurecht: "Compaq ist nicht die Systems-Management-Company. Anwender, die entsprechende Frameworks nutzen, können aber in heterogenen Umgebungen selbstverständlich unsere Tools integrieren, die alle gängigen Schnittstellen wie SNMP unterstützen."

Um was geht es denn nun genau bei der adaptiven Infrastruktur? Knöpfli hat vier zentrale Punkte ausgemacht:

"Virtual Presence and Control" - Aktiver Zugriff auf (auch ausgeschaltete) Systeme von überall zu jeder Zeit mit beliebigen Endgeräten - beispielsweise auch Handys oder Handhelds;

"Automated System Provisioning" - Schnelles Hinzufügen standardisierter Ressouren zu einem Gesamtsystem, beispielsweise Multicast-Verteilung unterschiedlicher (auch kundenspezifischer) Software-Images auf mehrere Server;

"Intelligent Fault Resilience" - Automatische Hard- und Software-Tools, die kritische Systemkomponenten frühzeitig identifizieren, darüber informieren oder gleich selbst durch Backup-Einheiten ersetzen, sowie

"Dynamic Resource Scaling" - Einfaches und schnelles Zuschalten von Systemressourcen im Bedarfsfall. Unter anderem ist auch logische Partitionierung von Servern mittels "Resource Partition Manager" vorgesehen - "Computerwire" zufolge sieht dieses Tool allerdings eher nach einem ausgefuchsten Workload-Manager aus.

Hardwareseitig sind auch künftige Bladeserver eine wichtige Komponente der Strategie. Anfang kommenden Jahres wird Compaq sein Proliant-Portfolio um die "BL"-Serie ergänzen. Dabei handelt es sich um Rack-montierte Komplettserver auf jeweils einzelnen Platinen. Anfangs soll es 3U hohe "Frontend"-Server mit Ultra-Low-Voltage-Prozessoren von Intel, später doppelt so hohe und mit leistungsfähigeren Xeon-Server-Chips bestückte Blades (auch mit zwei und vier Wegen) geben.

Anders als HP setzt Compaq für seine Blades nicht auf Industriestandards wie CompactPCI oder NEBS, sondern verwendet eigene und somit proprietäre Spezifikationen. Die Interoperabilität findet McDowell zufolge eine Ebene höher statt, nämlich mittels Kommunikation über IP/Ethernet, das die Texaner als Backplane nutzen.

In Sachen Software sollen alle Proliants ebenfalls Anfang kommenden Jahres mit einer neuen, umfänglicheren Software ausgeliefert werden. Diese hört auf den Namen "Essentials". Das "Foundation"-Startpaket (u.a. mit "Insight Manager" und "Smart Start") ist kostenlos, für in so genannte "Value Packs" gepackte Zusatzfunktionen muss der Anwender zahlen. Details dazu sowie zu den Bladeserver-Maschinen will Compaq Anfang 2002 mitteilen.

Daneben hatte der Hersteller noch weitere Neuigkeiten zu vermelden, die wir an dieser Stelle nur in Kurzform wiedergeben:

RAC-Clustering mit Oracle 9i unter Windows 2000 mit zwei bis sechs Knoten. Compaq ist damit als erster Hersteller für Windows, Linux und Tru64 für Real Application Clusters zertifiziert.

Linux-High-Availability-Lösungen auf Proliant-Hardware mittels der "Lifekeeper"-Software von Steeleye mit zwei bis 16 Nodes (auch für die DL590-Itanium-Systeme).

Proliant DL380 Packaged Cluster - "out-of-the-box"-Clustering aus zwei Servern und Storage, lauffähig unter Windows, Linux oder Netware.

(tc)