IT Trends 2014

Cloud und die digitale Kundenbeziehung

11.01.2014
Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
CIOs haben wirklich kein leichtes Leben. Transformation, Innovation und neue Geschäftsmodelle - für alles scheinen sie verantwortlich zu sein. Diese Aufgaben in Technologie und Prozesse umzusetzen, ist mehr als anspruchsvoll.
Foto: Sergey Nivens, Fotolia.com

Regelmäßig zum Jahresende formulieren die Analysten ihre Technologietrends des nächsten Jahres. Die Pluralität der Meinungen und deren schöpferisches Potenzial, was die Entwicklung neuer Modebegriffe angeht, macht es den CIOs nicht gerade einfach, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Doch wie beschreibt man die neuen Phänomene und deren Auswirkungen auf das Business? Ebenfalls keine leichte Aufgabe für die Zunft der Markt- und Technologiebeobachter.

Aus Perspektive von Crisp Research haben diejenigen Technologietrends für den CIO hohe Relevanz, die

• in einem überschaubaren Horizont (zwei bis drei Jahre) umsetzbar sind,

• wirklichen Einfluss auf das Kerngeschäft haben und

• sich disruptiv auf die IT-Anbieterlandschaft auswirken.

Sprich, es sind nicht diejenigen Trends relevant, die von den IT-Anbietern als disruptiv für die Anwender proklamiert werden - sondern es verhält sich eher umgekehrt. Demnach disqualifizieren sich Social, BYOD oder auch Industrie 4.0 als echte Technologietrends. Denn Unternehmen wollen nicht sozial werden, sondern gute Produkte verkaufen und Geld verdienen. Anders verhält es sich mit den Themen Cloud oder Mobility - hier wird die IT-Anbieterlandschaft derzeit richtig umgekrempelt und es ergeben sich neue Marktkonstellationen und technologische Optionen, die von smarten CIOs genutzt werden können.

Für die kommenden Jahre sollten daher folgende Themen auf der Prioritätenliste des CIOs stehen:

Software Defined Architecture und Enterprise Cloud Management

Das Herzstück der Unternehmens-IT - die eigenen Rechenzentren und IT-Infrastrukturen - werden in den kommenden Jahren nicht nur durch die weitere Virtualisierung auf der Server- und Storage-Seite geprägt sein. Auch netzwerkseitig steht ein Virtualisierungs- und Automatisierungsschub auf Basis einer neuen Produktgeneration an. Denn derzeit stellt das Netzwerk noch immer den Flaschenhals bei der Gestaltung flexibler, hochskalierender Cloud-Umgebungen dar.

Die Realität der letzten Jahre hat zudem gezeigt, dass Cloud Computing nicht über Nacht zu einer Vereinheitlichung der IT-Landschaft führt, sondern vielmehr hybride Betriebskonzepte und Multicloud-Welten entstehen lässt, die miteinander verbunden werden wollen. Der Integration und Standardisierung via einheitlichen Plattformen, Stacks und APIs kommt daher ein hohes Gewicht zu. CIOs sollten ihren Teams daher Aufbaukurse in "Cloud Stackologie" spendieren, um die strategischen Möglichkeiten und Limitierungen von Openstack, Microsoft Cloud-OS, VMware & Co zu verstehen sowie Konzepte und Dashboards für ein einheitliches "Enterprise Cloud Management" zu entwickeln.

Cloud Connectivity und Security

Sicherheit, Performance und User-Experience sind im Cloud-Zeitalter maßgeblich von der Art der Anbindung und der Netzwerkqualität abhängig. Unternehmen benötigen hybride und flexible Strategien, um ihre Rechenzentren, Firmennetze und mobilen Endgeräte sicher an die Infrastrukturen der relevanten Cloud-Provider und Dienstleister anzuschließen. So bietet Amazon AWS mit "AWS Direct Connect" mittlerweile eine direkte Anbindung seiner Cloud-Rechenzentren an die Rechenzentren großer Anwender. Auch entstehen neue hybride Vernetzungskonzepte im WAN-Bereich, um Performance und Bandbreiten in lokalen Niederlassungen und Betriebsstätten zu optimieren. Zudem wachsen Connectivity und Security Services stärker zusammen, wie beispielsweise der DDoS-Schutz von Akamai und IBM zeigt.

Cloud Application Development und Platform-as-a-Service

Nicht nur Startups entwickeln web-basierte Applikationen in und für die Cloud. Auch für große und mittelständische Unternehmen wird es in den kommenden Jahren darauf ankommen, wieder deutlich agiler in der Konzeption und Umsetzung web-basierter Services zu werden. Grundlage hierfür sind Plattformen, die eine schnelle und trotzdem standardisierte Anwendungsentwicklung ermöglichen. Entwicklung und Testing nach dem PaaS-Modell wird in 2014 erstmals "Enterprise-ready". Denn mittlerweile sind nicht nur die "Public" Plattformen von Salesforce, Microsoft & Co ausgereift. Es existiert zudem erstmals die Möglichkeit, die relevanten PaaS-Frameworks (Microsoft Azure, CloudFoundry, Openshift) in einem "Managed Hosting"-Ansatz bei lokalen Service Providern zu beziehen oder diese im eigenen Rechenzentrum zu betreiben - entsprechendes Know-How über die neuen Frameworks, Entwicklungssprachen und APIs vorausgesetzt.

Mobile Application and Data Management

Während die meisten Unternehmen die Verwaltung und Absicherung der mobilen Endgeräte mittels Mobile Device Management (MDM) schon angepackt haben, steht das Mobile Application Lifecycle Management erst am Anfang. Hier müssen nicht nur neue Skills (Design Thinking, Usability Engineering, Agile Development) und Tools (mobile CMS beziehungsweise Mobile-Experience-Management-Lösungen) erlernt werden. Auch die Optimierung auf Performance-, Daten- und Kostenseite steckt noch in den Kinderschuhen. Denn viele Unternehmen werden in den kommenden 12 bis18 Monaten feststellen, dass neben den vielen handfesten Vorteilen des "Mobile Enterprise" auch die IT- und TK-Kosten parallel zum Datenvolumen steigen werden. Hier sind neue Konzepte und Technologien gefragt, die nicht nur von den Mobilfunk-Providern kommen können.

Digital Customer Experience

Die Königsdisziplin für viele CIOs wird in den kommenden zwei bis drei Jahren die Unterstützung seiner Marketing- und Vertriebskollegen. Denn die Digitalisierung der Kundenbeziehungen fordert den Einsatz und die Integration einer Vielzahl an neuen und bekannten IT-Technologien, Datenbeständen und Services. Im Kern wird es darum gehen, wie sich CRM, Kundenportale, eCommerce, Marketing Automation und Social Media bestmöglich verzahnen lassen, um eine durchgängige "Digital Customer Experience" zu ermöglichen, die gleichzeitig den Umsatz und die Kundenbindung erhöht. Dabei wird die "Enterprise Digital Marketing Plattform" zur Zielarchitektur - ein umfassendes Analytics- und Steuerungs-Cockpit für die unternehmensweiten Marketing- und Sales-Aktivitäten. Ungeklärt ist bislang allerdings, ob es eher kleine, agile Spezialisten oder die großen Service Provider sein werden, die sich als optimale Transformationspartner für die Anwender herausstellen. (jha)