Smart City Kopenhagen

City Data Exchange: Integrierte Services statt Datensilos

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Bis 2025 will Kopenhagen nicht nur Smart City sein, sondern auch CO2-neutral. Wie andere Städte setzen die Dänen dabei auf IoT-Technik. In Sachen Daten gehen sie aber einen anderen Weg: Sie versuchen öffentliche und private Daten miteinander zu verknüpfen.
Auf dem Weg zur Smart City setzt Kopenhagen auf eine digitalen Marktplatz.
Auf dem Weg zur Smart City setzt Kopenhagen auf eine digitalen Marktplatz.
Foto: ESB Professional/Shutterstock.com

Smart Lightning, Smart Traffic Management, Waste Management, Intelligent Building Management - diese und ähnliche IoT-Projekte gehören mittlerweile zum Standardrepertoire einer Smart City. Die Dänen, die die Hauptstadt Kopenhagen bis 2025 zur Smart City und CO2-neutralen Stadt umbauen wollen, gehen noch einen Schritt weiter. Sie wollen zudem einen Marktplatz für öffentliche und private Daten einrichten, auf dem alle sowohl Daten einstellen als auch abrufen können. Dieser stadtweite Marktplatz, so hoffen die Dänen, wird die Innovation fördern und gleichzeitig dabei helfen, die Smart-City-2025-Ziele zu erreichen.

City-Marktplatz als SaaS

Die Dänen bezeichnen diesen Marktplatz in Kopenhagen als City Data Exchange. Der City Data Exchange ist als Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) konzipiert und soll Kauf und Verkauf sowie die gemeinsame Nutzung von Daten aus unterschiedlichen Quellen ermöglichen. Zweck des innerstädtischen Datenaustauschs ist es, öffentliche und private Daten zu sammeln und sie einfach anderen Verbrauchern zugänglich zu machen. Nach Ansicht vieler Analysten ist Kopenhagen damit auf dem richtigen Weg. So stellte etwa Gartner 2015 in dem Bericht "Open Data Governance is Key to Building a Smart City" fest, "City-Portale müssen sich zu Daten-Marktplätzen wandeln".

Der City Data Exchange

Auf dem City Data Exchange Kopenhagen können User Daten erkunden, eingeben und verbrauchen.
Auf dem City Data Exchange Kopenhagen können User Daten erkunden, eingeben und verbrauchen.
Foto: Screenshot CDE Copenhagen

Gleichzeitig soll der City Data Exchange die Datenanalyse vereinfachen, da zum einen nicht mehr für jeden Prozess die Daten neu gesammelt werden müssten, zum anderen so die früher häufig anzutreffenden Big-Data-Silos vermeiden werden. Letztlich hoffen die Kopenhagener auf diese Weise den Informationsaustausch zwischen öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft zu vereinfachen. Im Laufe der Zeit soll der Marktplatz Daten aus unterschiedlichsten Quellen erhalten, wie etwa Demographie, Kriminalitätsstatistik, Energieverbrauch, Luftqualitätssensoren oder Verkehrssensoren, um nur einige zu nennen.

Daten sammeln und verbrauchen

Die Vision hinter dem City Data Exchange ist ein digitaler Marktplatz: Ein Marktplatz für alle Player, egal ob öffentlich oder privat, ob große oder kleine Unternehmen, die an Big Data interessiert sind, egal ob als Datenlieferant oder als Datenverbraucher. Dabei sind die unterschiedlichsten Business-Modelle, von kostenlos über Abonnements bis hin zu reinen Bezahlmodellen vorstellbar - sowohl für den Datenkonsum als auch die -generierung. Auf diese Weise will Kopenhagen Entrepreneurs und App-Entwickler ermutigen, mit Hilfe dieser Daten neue Services und Software-Lösungen zu entwickeln. Etwa Benchmarks für den Energieverbrauch, integrierte Lösungen für die Parkplatzsuche oder Apps, um die beste Lokation für ein Geschäft zu finden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Apps für die City

Die Daten für den digitalen Marktplatz City Data Exchange stammen aus unterschiedlichen Quellen.
Die Daten für den digitalen Marktplatz City Data Exchange stammen aus unterschiedlichen Quellen.
Foto: Hitachi Data Systems

Den City Data Exchange hat Kopenhagen gemeinsam mit Hitachi Data Systems aufgebaut. Hitachi entwickelte auch zwei der ersten Apps, die Daten des Marktplatzes nutzen und so zeigen, wie das Potenzial des Daten-Marktplatzes genutzt werden kann. Eine Anwendung verwendet Daten der dänischen Energieversorger, um es so Bürgern und Unternehmen zu ermöglichen, ihren Energieverbrauch und ihren Fußabdruck an Treibhausgasen zu erfassen. Gleichzeitig können die Zahlen in Relation zu verschiedenen geschäftlichen und persönlichen Metriken wie Anzahl der Beschäftigten, Größe des Gebäudes etc. gesetzt werden.

Die zweite Anwendung erlaubt es den Bürgern ihr Nutzungsverhalten der Verkehrsmittel zu analysieren. Dabei werden Werte wie der Zeitaufwand, der Ausstoß an Treibhausgasen sowie der eigene Kalorienverbrauch zur Berechnung herangezogen. Zugleich kann die App auch alternative Verkehrswege berechnen, die weniger Zeit benötigen, weniger Treibhausgas entstehen lassen, oder schlicht einen höheren Kalorienverbrauch fördern, weil sich der User mehr bewegt.

Bei Apps sollen aufzeigen, wie mit Hilfe von Analytics auf Basis vorhandener Daten neue Anwendung realisiert werden können.