AusgeFLIPt

Cisco baut um und streicht Stellen

12.04.2011
Der Netzwerkriese Cisco baut sein Verbrauchergeschäft um - und stellt die vor zwei Jahren für viel Geld hinzugekauften Flip-Kameras ein. Rund 550 Mitarbeiter werden ihre Jobs verlieren.
Cisco-CEO John Chambers rudert zurück.
Cisco-CEO John Chambers rudert zurück.
Foto: Cisco

Konzernchef John Chambers hatte vergangene Woche Fehler eingeräumt und angekündigt, das Unternehmen stärker auf das Kerngeschäft auszurichten, zu dem beispielsweise Router oder Switches gehören. Nun gab der Konzern die dazugehörenden Maßnahmen bekannt. Der Umbau werde den Gewinn vor Steuern im dritten und vierten Quartal mit maximal 300 Millionen US-Dollar belasten, hieß es. Der Stellenabbau soll bis Ende des Geschäftsjahres 2011 abgeschlossen sein.

Beim Start im Jahr 2007 galten die Flip-Kameras noch als cooles Gadget, das den Markt umkrempeln könnte. Cisco hatte im Frühjahr 2009 rund 590 Millionen Dollar in Aktien für den Flip-Entwickler Pure Digital auf den Tisch gelegt. Der Netzwerk-Konzern ist einer der führenden Anbieter von Infrastruktur für das Internet und verspricht unter anderem, seine Technik helfe, die Datenflut von Online-Videos zu bewältigen.

Beim Zukauf des Flip-Geschäfts versprach sich das Unternehmen, dass die Verbraucher eine günstige Videokamera kaufen und auch die dazugehörige Plattform zum Hochladen der Videos nutzen würden. Doch die Rechnung ging nie ganz auf, obwohl Cisco zuletzt zwei neue Modelle mit HD-Auflösung ins Rennen schickte. Zum einen breiteten sich Smartphones wie das iPhone von Apple rasant aus, auf denen man die Videos direkt schneiden und ohne den Umweg über einen Computer ins Netz stellen kann. Zum anderen blieb YouTube eine viel beliebtere Online-Plattform als Ciscos FlipShare.

Der große Run auf die kleinen Videokameras blieb aus.
Der große Run auf die kleinen Videokameras blieb aus.

Insgesamt solle das Verbrauchergeschäft jetzt stärker auf Ciscos Netzwerk-Strategie ausgerichtet werden, hieß es. Video bleibe ein Bestandteil des Geschäfts. Der Konzern ist unter anderem ein Anbieter von Videokonferenz-Lösungen für Unternehmen mit dem für mehr als drei Milliarden Dollar gekauften norwegischen Unternehmen Tandberg.

Chambers schrieb in einem ungewöhnlich offen formulierten Brief an die Mitarbeiter vor einer Woche, die Strategie von Cisco sei zwar im Grunde richtig, aber die Ausführung mangelhaft gewesen. "Wir haben unsere Investoren enttäuscht und unsere Mitarbeiter verwirrt." Das Unternehmen müsse Vertrauen zurückgewinnen.