Komplexitätsfalle ERP

CIOs müssen die IT aufräumen

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Durch Internationalisierung, Fusionen und ein oft rasantes Veränderungstempo sind die IT-Systeme vieler Unternehmen zur Komplexitätsfalle geworden. Um die steigenden Anforderungen aus dem Business erfüllen zu können, müssen die CIOs deshalb aufräumen.
CIOs müssen die IT aufräumen.
CIOs müssen die IT aufräumen.
Foto: Fortolia, Yuri Arcurs

Früher seien die ERP-Zeiten einfacher gewesen, meint Winfried Bachmann, CIO der Kern-Liebers-Gruppe, ein Zulieferer der Auto- und Maschinenbauindustrie. "Buchungskreise und Kontenpläne einzurichten war kein Thema - aber heute wird es eins." Vor allem die verschiedenen rechtlichen und finanzregulatorischen Vorschriften in den weltweit verteilten Standorten machten die Sache teilweise recht knifflig, sagt der CIO. Beispielsweise müssten Firmen in China sehr genau auf ihre Materialflüsse achten. Je nachdem, ob man mit dem importierten Material Produkte für den chinesischen Markt fertigt oder diese wieder ausführt, muss man Zoll zahlen oder auch nicht. "Man hat also zweimal das völlig identische Material, es ist aber kaufmännisch alles andere als identisch." Firmen müssen lückenlos nachweisen können, was mit den verzollten und den nicht verzollten Waren geschehen ist.

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Je internationaler, desto komplexer

Dabei sollten keine Fehler passieren, warnt Bachmann. "Man muss sehr genau darauf achten, sich an die Regeln zu halten. Die Steuerbehörden kennen keinen Spaß." Das gelte nicht nur für China. Der Aufwand, das SAP-System an länderspezifische Buchungskreise und Kontenpläne anzupassen, steige mit der weiter ausgreifenden Internationalisierung, so Bachmanns Fazit.

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Die Probleme, mit denen sich IT-Chefs heute konfrontiert sehen, seien oft über Jahre hinweg aus der Firmenhistorie gewachsen, berichtet Jan-Henning Krumme, Leiter des SAP-Geschäfts bei Accenture. Umstrukturierungen, Merger und die Globalisierung hätten viele Systemlandschaften aus dem Ruder laufen lassen. Vor allem im Rahmen von Akquisitionen und Firmenzusammenschlüssen seien die Systeme oft nur rudimentär integriert worden. Häufig habe schlichtweg eine IT-Governance gefehlt. In der Folge sei es zu einem regelrechten Wildwuchs gekommen. Teilweise hätten die Unternehmen weit über 50 verschiedene SAP-Systeme im Einsatz. "Das ist nicht mehr zu handhaben", sagt Krumme, "diese Unternehmen sind zu unbeweglich geworden."

Die so entstandenen Probleme lassen sich nicht länger ignorieren, bestätigt Phil Murphy, Principal Analyst von Forrester Research. Der jahrelange Wildwuchs habe seine Spuren in den IT-Infrastrukturen hinterlassen. Viel zu wenig hätten sich manche IT-Verantwortliche um das Management ihrer Applikationslandschaften gekümmert, so der Analyst. Das hat Folgen:

  1. Unternehmen müssen einen hohen Aufwand treiben, um ihre Anwendungen am Laufen zu halten. Forrester zufolge fließen rund zwei Drittel der Softwarebudgets in Betrieb und Wartung der Applikationen.

  2. Für neue Projekte und Innovation bleibt damit etwa ein Drittel des Softwarebudgets übrig. Das ist aus Sicht der Analysten zu wenig, um die gestiegenen Anforderungen der Business-Seite erfüllen zu können.

  3. Das belastet das Verhältnis zwischen IT und Geschäftsabteilung. Aus Sicht der Business-Seite versickert der Großteil des Budgets unsichtbar im Betrieb der Anwendungen, während nur wenige neue Projekte initiiert werden. In der Wahrnehmung des Managements verschwendet die unproduktive IT damit Geld, und das Business erhält nur wenig Gegenwert.