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CeBIT

Bundesregierung wirbt für "Gründungskultur" in Deutschland

05.03.2013
Die Bundesregierung gibt sich zu Beginn der Computermessen CeBIT als Freund junger Internetfirmen. Doch die treffen hierzulande noch auf bürokratische Hürden und Schwierigkeiten bei der Finanzierung, bemängeln Industrieexperten.

Die Bundesregierung sieht junge Internetunternehmen als künftige Wachstumstreiber und will bessere Bedingungen für Start-ups schaffen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warben auf der Computermesse CeBIT in Hannover für eine "Gründungskultur". Doch besonders bei der Finanzierung müssen sich Gründer hierzulande mehr anstrengen als in anderen Ländern, wo Risikokapital für eine neue Geschäftsidee einfacher zu haben ist. Die Industrie mahnt die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, ihre Hausaufgaben zu machen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet die CeBIT 2013
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet die CeBIT 2013
Foto: Wyrwa

Merkel (CDU) warb bei der Eröffnungsfeier der Messe dafür, vielversprechende Ideen besser zu fördern. "Wir müssen aufpassen, dass wir eine wirkliche Gründungskultur entwickeln. Das sage ich nicht nur für Deutschland, sondern das sage ich für die gesamte Europäische Union", betonte Merkel. Das könne auch helfen, die Konjunktur in Schwung zu bringen. "Wir haben noch nicht ganz die Antwort, wo soll das Wachstum denn genau herkommen. Die IT-Branche ist mit Sicherheit eine Möglichkeit", sagte die Kanzlerin. Sie sprach sich für vergleichbare Gründungsbedingungen für Start-ups innerhalb der Europäischen Union aus. Es gehe darum, ein Klima zu fördern, in dem die Ansiedlung von Firmen nicht von Bürokratie behindert werde.

Daran sind auch größere Branchenplayer wie IBM interessiert. Bisher stießen Jungunternehmer auf zu viele bürokratische Hürden, bemängelte IBM-Deutschlandchefin Martina Koederitz. Wenn sie sich nicht erst "durch den bürokratischen Wahnsinn" durcharbeiten, sondern "einfacher starten und Ideen ausprobieren .. können, dann hilft uns das auch uns als etabliertes Unternehmen", sagte die Managerin. "Denn auch wir leben davon, dass wir von jungen und neuen Ideen herausgefordert werden."

Besonders bei der Finanzierung von Gründerideen hinke Deutschland hinterher. "Die Möglichkeiten für junge Unternehmen, an Kapital zu kommen und damit ein Business zu starten, sind in Deutschland herausfordernder als in anderen Ländern", sagte Koederitz.

Das hat auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erkannt. Unternehmensgründer finanzierten ihre Ideen oft aus eigener Tasche oder mit Hilfe von Verwandten, sagte er auf der CeBIT. Rösler forderte deutsche Investoren zu mehr Mut bei der Finanzierung junger Unternehmen auf. "Wir brauchen eine größere, eine stärker ausgeprägte Kultur auch von der Bereitstellung von Risikokapital in Deutschland", sagte er. Zahlen des Branchenverbands Bitkom zeigen, dass Investitionen von Risikokapital im vergangenen Jahr leicht zurück gingen. Demnach wurden 2012 gut 240 Millionen Euro als Wagniskapital in IT-Unternehmen investiert.

In den USA gebe es zahlreiche Internetfirmen, die mit einer risikoreichen Anschubfinanzierung gestartet seien und heute einen Milliardenwert hätten, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Als Beispiele nannte er das soziale Netzwerk Facebook oder Internet-Auktionshaus Ebay. (dpa/tc)