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BND: Eine exotische Behörde sucht IT-Spezialisten

17.12.2002
Von in Alexandra
Im öffentlichen Dienst verdient man schlecht, braucht dafür aber nicht viel zu arbeiten. Mit diesem Klischee kommen IT-Spezialisten nicht weit, wenn sie sich beim Bundesnachrichtendienst (BND) bewerben. Der Geheimdienst sucht Mitarbeiter, die bereit für Veränderungen sind.

Schnelle Autos, schöne Frauen und coole Sprüche - James Bond lässt die Phantasie von Bewerbern manchmal Purzelbäume schlagen, wenn sich diese für den Bundesnachrichtendienst als Arbeitgeber interessieren. "Action und Abenteuer wie bei James Bond können wir Ihnen jedoch nicht bieten", steht darum auch vorsorglich in der Informationsbroschüre des Geheimdienstes, der seit 1999 sogar mit einer eigenen Site im Internet vertreten ist.

Sensible Quellen schützen

Wie viele andere Behörden sucht auch der Bundesnachrichtendienst IT-Spezialisten, schließlich arbeiten allein 300 der 5800 Mitarbeiter in der DV-Abteilung. "Ähnlich wie in anderen Firmen deckt unsere IT die ganze Bandbreite von User Helpdesk über Netzwerke und Programmierung bis hin zum Qualitäts-Management ab", beschreibt Rolf Döker, der vor einigen Jahren nach seinem Physikstudium zum BND kam und sich heute als Referent im IT-Bereich mit Programmierung und Netzwerken beschäftigt.

Dennoch ist der BND kein Arbeitgeber wie jeder andere. Der Programmierer, der die Datenbank für sensible Quellen entwickelt, darf den späteren Inhalt nie sehen, sondern muss mit Rohtext arbeiten. Bei Klassentreffen oder Seminaren kann Döker nicht offen erzählen, wo er arbeitet. Er belässt es meist bei der Umschreibung "im öffentlichen Dienst", die das Interessse des Gegenübers oft schon im Keim erstickt.

"Mitarbeiter, die ihre eigene Identität auch vom Status des Unternehmens abhängig machen, sind bei uns nicht richtig", gibt Sabine Rosset, Leiterin Personalgewinnung, zu. In ihren Augen ist der BND in jeder Hinsicht eine exotische Behörde. Der Auslandsnachrichtendienst arbeitet mit "Methoden, die anderen nicht zur Verfügung stehen", sollte immer einen Schritt vor der Presse an die Informationen kommen und versteht sich als moderne Behörde. "Die Mitarbeiter können sich mit ihren Ideen stark einbringen", sagt BND-Sprecherin Michaela Heber, die auch die enge Zusammenarbeit mit Politikern schätzt.

Den Takt der Arbeit geben die Krisen der Welt vor: Nicht nur am 11. September 2001 wurde die sonst übliche 38,5-Stunden-Woche Makulatur. Es komme immer wieder vor, dass die Mitarbeiter in angespannten Zeiten auch Überstunden machen müssen - die aber hinterher dank Gleitzeit wieder abgebaut werden können.

Ein wichtiger, auch gelebter Grundsatz ist die Jobrotation. "Es ist ausdrücklich gewünscht, dass die Mitarbeiter nach vier Jahren in einen anderen Bereich wechseln oder eine neue Aufgabe übernehmen", erklärt Rosset. So könne man etwa von der Programmierung in die Auswertung gehen und sich dort mit der Bedrohungsanalyse zum Thema Computer Network Attacks befassen. In einer eigenen Fortbildungsstätte können sich die Mitarbeiter technisch weiterbilden, aber auch Fremdsprachen lernen sowie Führungsseminare besuchen.

Schon während des neunmonatigen Bewerbungsprozesses achtet die Behörde darauf, ob der Kandidat die Bereitschaft zur Veränderung und das Potenzial für neue Aufgaben mitbringt. Auf das Vorstellungsgespräch, in dem Vertreter von Personal- und Fachabteilung fachliches Wissen, Persönlichkeit und Soft Skills abklopfen, folgt ein zweitägiges Assessment-Center. Hier werden unter anderem Allgemeinwissen, Persönlichkeit und Englischkenntnisse getestet. Auch wenn die Bewerber das Assessment-Center überstanden haben, entscheidet letztlich die Sicherheitsüberprüfung, ob sie den Job bekommen.

Lange überprüft der BND das persönliche Umfeld und das Vorleben des Kandidaten, befragt Referenzpersonen, die der Bewerber angegeben hat, und holt das polizeiliche Führungszeugnis ein. "Aus Datenschutzgründen erfahren wir nur, ob das Ergebnis der Überprüfung positiv oder negativ ist, aber nicht den Grund", verweist Rosset. Allerdings hätten Kandidaten mit Schulden, Alkoholproblemen oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz keine Chancen.

Unix-Profis gefragt

Wen die Sicherheitsüberprüfung und die Reisebeschränkungen in für BND-Mitarbeiter gefährliche Länder wie Afghanistan, Korea, Kuba oder China nicht abschrecken, der findet auch als Informatiker, Nachrichten- oder Elektrotechniker ein vielfältiges Einsatzgebiet. "Wir programmieren mit Perl, Java, C++ und C und entwickeln vom kleinen Tool in HTML bis zu großen Anwendungen, in denen zehn bis 15 Mannjahre Arbeit stecken, eigentlich alles", sagt Döker. Bewerber, die sich in der Unix-Welt sowie im Bereich Ethernet/Hochgeschwindigkeit auskennen, seien künftig besonders gefragt: "Auch wir wollen weg von Microsoft hin zu Linux/Unix-Produkten, da es durchaus ein gewisses Sicherheitsrisiko bedeuten kann, dass der Sourcecode von Windows XP nicht offen gelegt ist."

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