Qwertz-Schmerz ade

Blackberry Q5 im Praxistest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nach Z10 und Q10 bringt Blackberry nun mit dem Volltastatur-Gerät Q5 sein drittes Smartphone mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 auf den Markt. Die COMPUTERWOCHE hat getestet, wie sich das günstige Basismodell in der Praxis schlägt.

Wer als klassischen Blackberry-Nutzer den typischen Manager mit Anzug und Aktentasche sieht, hat damit nur teilweise Recht. Sicher spielen die Geräte im Business nach wie vor eine wichtige Rolle. daneben sind die Brombeeren aber nicht zuletzt wegen des Blackberry Messenger (BBM) bei Jugendlichen in Großbritannien oder etwa den Niederlanden sehr beliebt. Und während Blackberry hierzulande im niedrigen einstelligen Bereich herumkrebst, verzeichneten die Kanadier in schnell wachsenden Mobilfunkländern wie Südafrika oder Nigeria 2012 noch einen Marktanteil von über 50 Prozent.

Grund genug für den Hersteller, seinen treuen Anhängern für den Wechsel von Blackberry OS7 auf das neue Betriebssystem BB10 ein günstiges Basismodell anzubieten, bevor es sie an Nokia Asha-Modelle oder günstige Android-Geräte verliert. Das rund 400 Euro teure Blackberry Q5, in den Farben Schwarz, Rot, Weiß und (nicht überall) Rosa erhältlich, nimmt damit im Prinzip die Rolle der preiswerteren Curve-Modelle ein, während Q10 und Z10 quasi das Pendant zu Blackberry Bold darstellen.

Angesichts der Preisdifferenz zu dem über 600 Euro (UVP) teuren Qwertz-Flaggschiff Q10 (Testbericht ) sollte damit klar sein, dass Blackberry bei der Planung des Einsteigergeräts Q5 mit dem Rotstift ordentlich ansetzen musste, um auf seinen Schnitt zu kommen. Tatsächlich ist der Unterschied aber weniger gravierend als bei mehr als 200 Euro Einsparungen zunächst befürchtet.

Design: Schlicht, aber nicht billig

Doch immer der Reihe nach: Natürlich sieht man dem Smartphone den günstigen Preis durchaus an, es wirkt aber keinesfalls billig. Keine Spur von edler Chrom- und Fiberglass-Optik wie beim Q10, stattdessen besitzt das Q5 ein etwas kantigeres Kunststoffgehäuse. Dieses weist mit 120 mal 66 mal 10,8 Millimeter ähnliche Abmessungen wie beim großen Bruder Q10 auf, dank lediglich 120 Gramm (Q10: 139 Gramm) liegt es außerdem gut in der Hand und passt ideal in Jacken- oder Hosentasche.

Die Verarbeitung ist soweit passabel, wegen des breiten Spalts zwischen Vorder- und Rückschale ist der Nutzer jedoch bei der ersten Inbetriebnahme leicht versucht, den vermeintlichen Rückdeckel mit roher Gewalt zu entfernen. Vermeintlich daher, denn - wie aus der Anleitung und einem Aufkleber auf der Rückseite hervorgeht - ist der Akku leider fest verbaut, die Klappe für Micro-SIM-Karte und MicroSD-Card befindet sich am linken Gehäuserand.

Schneller schreiben: BB10 liefert während des Tippens Wortvorschläge.
Schneller schreiben: BB10 liefert während des Tippens Wortvorschläge.
Foto: Manfred Bremmer/Computerwoche

Auch das Keyboard ist anders strukturiert als beim Q10, nämlich ähnlich wie beim Curve in separate, anstatt (à la Bold) in aneinander grenzende Tasten. Bei der Eingabe waren indes kaum Unterschiede zwischen den beiden Modellen (wurden nacheinander getestet) auszumachen - der Autor hat allerdings generell seine Probleme mit kleinen Handy-Tastatürchen. Praktisch in diesem Zusammenhang: Während der Texteingabe schlägt das System kontinuierlich passende Wörter vor. Zusätzlich funktionieren auf dem Qwertz-Device natürlich auch die zahlreichen von BB OS7 bekannten Shortcuts.

Sparmaßnahme: IPS statt AMOLED
Sparmaßnahme: IPS statt AMOLED
Foto: Blackberry

Leicht an der Preisschraube gedreht haben die Kanadier auch beim Display. Die zugrundeliegende Technik ist nicht AMOLED wie beim Q10, sondern IPS (In-Plane Switching), weshalb man auf die leuchtenden Farben und den größeren Betrachtungswinkel verzichten muss. Der Unterschied fällt allerdings nur im direkten Vergleich zwischen den beiden Geräten auf. Wichtiger ist an dieser Stelle die Tatsache, dass Q5 und Q10 die gleiche Auflösung besitzen. Das 3,1-Zoll große (oder besser kleine) quadratische Display verfügt jeweils über 720 mal 720 Pixel, was einer Dichte von 328 PPI entspricht. Die Darstellung von Dokumenten, Websites etc. ist damit also alles andere als pixelig, ob man sich darauf aber längere Videos und Ähnliches ansehen möchte, muss jeder für sich entscheiden.

Der Verzicht auf die AMOLED-Technik hat indes auch kleine Vorteile in Hinblick auf die ohnehin nicht schlechte Akkulaufzeit. So hält das Q5 mit seiner zusätzlich noch leicht vergrößerten Ladekapazität von 2180 mAh (Q10: 2100 mAh) bei mittlerer Nutzung locker einige Tage durch, bis es wieder ans Ladekabel muss - eine Tugend, die man bei den meisten aktuellen Smartphones vergebens sucht.

Kaum Abstriche bei der Leistung

Auch bei der restlichen Ausstattung hat Blackberry relativ gut abgewogen, was für ein gutes Nutzungserlebnis unbedingt erforderlich ist, beziehungsweise, wo man getrost eine Nummer kleiner nehmen kann. So steht etwa der 1,2-Gigahertz-Dualcore-Snapdragon des Q5 dem mit 1,5 Gigahertz getakteten Chipsatz des Q10 nur in wenig nach, zumal auch ihm 2GB RAM zur Seite gestellt wurden. Im Test öffneten sich die Apps relativ schnell, das Scrollen durch Websites funktionierte ohne Ruckeln und auch mehrere geöffnete Anwendungen stellten kein Problem dar.

Nicht geknausert hat Blackberry auch wenn es darum geht, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen: So unterstützt das Gerät mit HSPA/UMTS, Quadband-LTE ((800/900/1800/2600 MHz), WLAN (802.11a/b/g/n), NFC, DLNA und Bluetooth 4.0 praktisch die komplette Palette. Bemängeln könnte man lediglich, dass das Q5 bei WiFi nur im 2,4-Ghz-, nicht jedoch im meist weniger frequentierten 5-Ghz-Band funkt.

Mit 5 Megapixel Auflösung fiel auch die Rückkamera eine Nummer kleiner aus als beim Q10 (8 Megapixel). Im Praxistest traten allerdings beide Modelle trotz vielfältiger Einstellungsmöglichkeiten (HDR, Bildformat, Stabilisierung etc.) nicht besonders überragend hervor. Neben der grundsätzlichen Schnappschuss-Tauglichkeit dürfte die videofähige 2-MP-Frontkamera (720p) ohnehin wichtiger sein.

Etwas zu bemängeln ist indes, dass der interne Speicher mit 8 GB relativ klein ausfällt, zumal über 3 GB bereits von System und Anwendungen in Beschlag genommen werden. Es besteht jedoch Möglichkeit, bis zu 32 GB weiteren Speicher über eine microSD-Karte hinzuzufügen. Außerdem sucht man beim Q5 einen HDMI-Port für die externe Wiedergabe von Multimedia auf einem Fernseher oder PC vergebens.

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