Konkurrenzdruck

Blackberry-Ausfall stürzt Hersteller RIM tief in die Krise

14.10.2011
Zu einer unpassenderen Zeit hätten die Blackberry-Dienste nicht ausfallen können.

Das iPhone von Apple und die Android-Smartphones gewinnen anhaltend Fans auf Kosten des Smartphone-Pioniers. Nun sind auch noch die verbliebenen Blackberry-Kunden stinksauer.

Der Torch 9860 - für Hardcore-Nutzer ist das kein Blackberry mehr...
Der Torch 9860 - für Hardcore-Nutzer ist das kein Blackberry mehr...
Foto: RIM

Wenn sich diese Umfrage eines Blackberry-Nutzerportals bewahrheitet, dann sieht die Zukunft für das einstige Statussymbol der Manager rabenschwarz aus: Jeder vierte Anwender spielt demnach mit dem Gedanken, seinen Blackberry in die Tonne zu werfen und zur Konkurrenz zu wechseln. Die vier Tage andauernden Aussetzer von Emails, Browser und Kurznachrichten haben selbst eingefleischte Fans der kleinen Allzweckwaffe mürbe gemacht.

Annähernd 9000 Blackberry-Nutzer hatten sich bis zum Donnerstagnachmittag (deutscher Zeit) an der Umfrage der Website "Crackberry.com" beteiligt. Und auch wenn einige Verständnis für die technischen Störungen äußerten ("Solche Dinge passieren. Niemand ist gestorben."), so hat die größte Panne in der Unternehmensgeschichte den Gerätehersteller Research in Motion (RIM) doch ins Mark getroffen.

Der einstige Vorreiter der Smartphone-Welle droht den Anschluss zu verlieren: Während die Verkäufe von Apples iPhones und der diversen Android-Smartphones immer neue Rekorde erklimmen und Microsoft mit seinem Windows Phone in die Offensive geht, ist der Blackberry-Absatz im zweiten Quartal erstmals zurückgegangen. Der Anteil an allen Smartphone-Verkäufen fiel nach Daten der Marktforscher von Gartner im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich von 18,7 auf 11,7 Prozent.

Schon wollen einzelne RIM-Aktionäre das Unternehmen verkaufen oder in seine Einzelteile zerlegen. "Blackberry würde gut zu Microsoft oder Facebook passen", sagte Vic Albioni, Chef von Jaguar Financial, dem "Handelsblatt". "Aber auch Hewlett-Packard oder Oracle kämen in Frage." Nach eigenen Angaben vertritt der Manager eine Investorengruppe mit gut acht Prozent der Stimmrechte. Sein Wort hätte damit Gewicht.

Könnte der Investor seine Vorstellungen durchsetzen, wäre das ein Schlag für Mike Lazaridis. Er hat RIM gegründet und ist bis heute einer der Chefs. "Ich entschuldige mich für die Ausfälle diese Woche", rief er seinen Kunden am Donnerstag in einer Videobotschaft zu. "Wir haben viele von Ihnen hängenlassen, aber lassen Sie mich versichern, dass wir rund um die Uhr daran arbeiten, dieses Problem zu lösen."

Lazaridis' Auftritt kommt reichlich spät. Vor allem am Montag, als die Störungen begangen, rückte RIM kaum Infos darüber heraus, was los war. Viele Kunden fühlten sich im Regen stehen gelassen. Mittlerweile weiß man: Ein wichtiger Rechner im Blackberry-Netzwerk war ausgefallen, ein Notsystem sprang nicht an, und die Reparatur schlug zuerst fehl. Unzählige ungesendete Emails und Textnachrichten weltweit verstopften das System. Erst im Laufe des Donnerstags gelang es den Technikern nach Firmenangaben, das Problem in Griff zu kriegen.

Dabei galt das Blackberry-Netz als unverwüstlich. Bei den Smartphones von RIM läuft die mobile Internetkommunikation über eigene, hoch gesicherte Rechenzentren. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 gehörten Blackberrys zu den wenigen Geräten, die noch funktionierten, als drumherum die Telefonnetze in New York zusammenbrachen.

Diesen Nimbus der absoluten Zuverlässigkeit haben die Blackberrys nun verspielt. Während der Ausfall für die privaten Nutzer ärgerlich ist, verlieren die Geschäftskunden im schlimmsten Fall Geld, wenn eine Nachricht sie zu spät erreicht. Und gerade in der Geschäftswelt sitzen viele Blackberry-Fans, auch weil etliche Manager immer noch auf Tastaturen stehen anstatt auf die sonst so verbreiteten Touchscreens wie beim iPhone.

"Wir arbeiten unermüdlich daran, Ihr Vertrauen in uns wieder herzustellen", sagte RIM-Chef Lazaridis. Ob ihm und seinem Team das gelingen wird, bleibt abzuwarten. (dpa/tc)