Bewerbung: IT-Profis müssen noch üben

ist freier Journalist in München
Die Chancen gestandener IT-Experten für eine berufliche Veränderung sind nicht schlecht. Viele Kandidaten allerdings finden keinen Job, weil sie sich als Bewerber ungeschickt präsentieren.

Was dem Headhunter in den virtuellen Briefkasten flatterte, las sich viel versprechend: Informatikdiplom, attraktive Berufsstationen ohne Lücken - selbst mit rund 70000 Euro Jahresgehalt schien der knapp 40-jährige SAP-Spezialist nicht zu teuer. Schnell griff der Personalberater zum Telefon und arrangierte ein Treffen. Doch der erfahrene IT-Experte enttäuschte: Gesenkten Blickes wich er Fragen aus und äußerte sich abfällig über seine früheren Arbeitgeber. "Fachlich top, aber ein schwieriger Kauz", war dem Personalberater binnen Sekunden klar: "Den kann ich keinem Unternehmen anbieten."

Kein Einzelfall, wie Marktbeobachter bestätigen. Denn auf dem Personalmarkt tummeln sich nicht nur Bewerber, die überzeugende Referenzen vorweisen oder sich durch professionelles Networking auszeichnen. Auch Kandidaten, die weder wie "aus dem Ei gepellt" in Erscheinung treten noch durch Eloquenz bestechen, wollen einen neuen Job. Besonders berufserfahrene IT-Fach- und Führungskräfte tun sich schwer auf dem glatten Bewerbungsparkett. "Ihr Problem ist die Vermarktung der eigenen Person und Skills", urteilt Hermann Fuss, Partner der Personalberatung Allocate GmbH in München.

Dabei sind die Chancen gar nicht übel. Laut dem Branchenverband Bitkom will jedes zweite Software- und Dienstleistungsunternehmen neue Mitarbeiter einstellen. Gestandene IT-Experten mit guten Kontakten und weitem Horizont sind durchaus gefragt. Dass solche Bewerber sich manchmal etwas unbeholfen präsentieren, diesen Eindruck teilen auch Verantwortliche der einstellenden Unternehmen wie Michael Louis, Geschäftsführer von Mindjet International GmbH, Alzenau. Er registriert gewisse Schwierigkeiten, sich auf neue Aufgaben und Kollegen einzustellen, "wenn jemand jahrelang nur in einer Firma gearbeitet hat".

Doch auch eine vielseitige Berufserfahrung schützt vor unvorteilhafter Selbstdarstellung nicht, erläutert Uwe Kloos, Personalleiter der BMW-Tochter Softlab in München. So gebe es immer wieder Bewerber, die im Verlauf ihrer bisherigen Karriere zwar viele Rollen eingenommen hätten, ihren persönlichen Beitrag zum Erfolg aber "nicht auf den Punkt bringen können".

Ein "zu geringes Stärkenbewusstsein" der Kandidaten beobachtet der Düsseldorfer Outplacement-Berater Eberhard von Rundstedt. Personaler seien unzufrieden, wenn sich Profis nicht als "Problemlöser" zu erkennen gäben. Denn genau das erwarten Firmen von erfahrenen IT-Experten. "Zu engstirnig" seien viele Bewerber, kritisiert der Münchner Personalberater Jürgen Herget. Seine Diagnose, warum Selbsteinschätzung der sich neu orientierenden IT-Experten und Erwartungen auf Arbeitgeberseite nicht zusammenpassen: Viele Bewerber stellten ihre fachliche Kompetenz gwissermaßen isoliert dar, ohne die "speziellen Bedürfnisse des Unternehmens" zu berücksichtigen.