Bewerben ab 40: Schinderei mit Chancen

Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Ältere können manches besser als Junge. Intelligente Unternehmen profitieren davon.

Rolf Dietmar Vogel ist zufrieden. Der Ingenieur für Nachrichtentechnik war acht Jahre lang als Berater für die betriebswirtschaftliche Software "Navision" tätig gewesen. Weil sein Arbeitgeber, ein kleinerer Microsoft-Business-Solutions-Partner, nicht recht wuchs, hatte sich auch Vogels Provision nicht wunschgemäß entwickelt. Der 51-Jährige ging auf zwei nahe gelegene Unternehmen zu und entschied sich binnen zwei Wochen für einen Wechsel zur Acadon AG, Erftstadt und Krefeld, die sich auf Branchen- und Speziallösungen für Mittelständler konzentriert. Hier arbeitet er in ähnlicher Funktion wie zuvor und ist des Lobes voll: "Alle ziehen am gleichen Strang, die Teamarbeit ist hervorragend. Die Jungen profitieren von den Alten, die Alten bleiben im Geiste jung, weil sie mit den Jüngeren mithalten wollen (oder müssen)." Auf Nachfragen antwortet Vogel blitzschnell und präzise. Er wirkt wie jemand, der seinen Platz gefunden hat.

Hier lesen Sie...

  • wie schlecht es auf dem Arbeitsmarkt aussieht;

  • warum Sie trotzdem Chancen haben, auch wenn Sie viel älter als 40 sind;

  • welche Unternehmen Sie zu schätzen wissen.

Verfall der Unternehmenskultur

Rolf Vogel: "Bei Acadon profitieren die Jungen von den Alten und die Alten bleiben im Geiste jung, weil sie mit den Jüngeren mithalten wollen."
Rolf Vogel: "Bei Acadon profitieren die Jungen von den Alten und die Alten bleiben im Geiste jung, weil sie mit den Jüngeren mithalten wollen."

Solche Begegnungen ergeben sich gar nicht so selten, wenn man mit IT-Experten ins Gespräch kommt, die mit 40 oder viel später eine neue Stelle suchen wollten oder mussten. Für eine düstere Gegenstory, die von einem Arbeitsmarkt handeln würde, der so genannten Älteren so gut wie verschlossen ist, gäbe es allerdings ebenfalls Material in Hülle und Fülle. Holger Jung (44) war lange als Außendienstler für Unterhaltungselektronik unterwegs, kennt auch die TK-Szene und ließ sich zum SAP-R/3-Berater umschulen. Nach über 100 Bewerbungen seit November 2005 glaubt er, dass "eine Altersangabe, die mit 4 anfängt", für Unternehmen ein Ausschlussgrund sei. Ein anderer IT-Experte, der anonym bleiben möchte, verlor 2001 im Alter von 44 seine Stelle bei einem Systemhaus für Drucklösungen. Seither hat er sich ständig fortgebildet, ehrenamtlich für einen Computer-Club gearbeitet, der einschlägig interessierte Senioren betreut, und 320 Bewerbungen geschrieben. Nur 60 Adressaten haben in irgendeiner Weise reagiert - diesen "Verfall der Unternehmenskultur" beklagen viele Stellensuchende, die an der Umfrage "Bewerben ab 40" in drei COMPUTERWOCHE-Newslettern teilgenommen haben.