Beraterin: Kunden wollen keine Schnittmuster

09.10.2001
Von Kathi Seefeld
Aini Olschner entschied sich gegen eine klassische Unternehmensberatung und für die MIS AG. Young Professional begleitete die Beraterin für IT-Lösungen einen Tag lang bei der Arbeit.

Prompt klingelte das Telefon. Der Kollege aus der Schweiz musste gespürt haben, dass Aini Olschner an diesem Morgen besonders früh am Schreibtisch saß. Manchmal klemmen Projekte eben. Aini Olschner lächelt über ihren Hörer hinweg, rät dem Anrufer das eine und das andere. Es gibt offensichtlich Nachfragen, doch die junge Beraterin bleibt gelassen.

Aini Olschner
Aini Olschner

Irgendwann ist das Telefonat beendet.

Aini Olschner verstaut ihr Notebook und einen Stapel Papiere. ”Zum Potsdamer Platz”, sagt sie, ”werden wir ein Taxi nehmen.” Für gewöhnlich beginnt der Arbeitstag in den lichtdurchfluteten Großräumen der Berliner MIS-Niederlassung nicht vor neun Uhr. Heute wollte sie um diese Zeit schon zu Daimler Chrysler Services unterwegs sein. Der Dienstleister zählt zu den prominenten Kunden und Anwendern von Business-Intelligence-Lösungen der MIS AG. Genau genommen feilen Aini Olschner und ihr Kollege Osman Kurt daran, dass die Daimler Chrysler Services Assekuranz Makler GmbH eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Lösung für den Controlling- und Finanz-Bereich erhält und ein zufriedener Nutzer von Management-Informations-Systemen wird.

Der Vergleich mit der Maßschneiderei liegt nahe. Der Kunde hat sich bereits für einen Stoff entschieden, von dem er annimmt, dass er zu ihm passt. Nun muss das Ganze noch zu einem tragbaren Kleidungsstück typgerecht und in der richtigen Größe verarbeitet werden. “Genau das ist die Aufgabe für Consultants wie uns. Nicht einfach Produkt-, sondern Unternehmensberatung”, sagt Osman Kurt.

Bevor Aini Olschner, Jahrgang 70, in die Beratergilde wechselte, gehörte sie dreieinhalb Jahre bei der Deutschen Bahn im Einkauf zu denen, die sozusagen Kleider verpasst bekamen. “Das hat mich immer sehr beeindruckt. Ich wusste, das kann ich auch.” Als sie im Frühjahr 2000 zur CeBIT fuhr, hatte sie sich schon entschieden. “Ich wollte einen Job mit mehr Eigenverantwortung, bei dem ich meine betriebswirtschaftlichen und IT-Erfahrungen einbringen konnte.” Aini Olschner sah sich zielgerichtet in Sachen Consulting um.

Die klassischen Unternehmensberatungen schloss die Diplomkauffrau schon bald von ihren Überlegungen aus. “Ich will bei meiner Arbeit etwas Fertiges hinterlassen, ein greifbares Produkt, mit dem der Kunde arbeiten kann, kein Strategiepapier.” Kein Schnittmuster also, sondern den Maßanzug. Kurze Zeit später startete sie in der Berliner Niederlassung der MIS AG.

Aini Olschner absolvierte wie alle Neuzugänge aus einer der weltweit 20 Niederlassungen in den ersten vier Wochen ein Ausbildungsprogramm in Sachen Unternehmenskultur, Selbstverständnis, Organisation und Produkte von MIS. Ein halbes Jahr später hatte sie in Berlin bereits die Verantwortung als Teamleiterin.

Michael Burst, Teamleiter Controlling, und seine Mitstreiterin Magdalena Okreglicka empfangen das Consultant-Team bei Daimler Chrysler Services mit Keksen und Getränken. Für den fantastischen Blick aus dem zwölften Stock des Unternehmenshauses am Potsdamer Platz werden die vier in den folgenden Stunden wenig Zeit haben. Die To-do-Liste für den Tag ist gut gefüllt. Bei Daimler Chrysler Services Assekuranz Makler sind die Tochtergesellschaften alle unterschiedlich strukturiert. Weltweit präsent, rechnen sie mit verschiedenen Währungen und mit unterschiedlichen Buchhaltungssystemen. Das Controlling, erklärt Burst, strebe mit Hilfe von MIS die Vereinheitlichung der Daten an, damit sie besser zusammengefasst und die Planungsprozesse optimiert werden können.

Inhalt dieses Artikels