IT-Beratung

Aus sd&m wird Capgemini sd&m

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Der IT-Dienstleister führt seine SAP-Einheit mit sd&m zusammen. Das Software- und Beratungshaus muss sich jetzt auch mit Standardsoftware beschäftigen.

Der IT-Dienstleister Capgemini integriert seine Tochtergesellschaft sd&m: Ab dem 1. Oktober 2008 firmieren die 1700 Mitarbeiter von sd&m und die 250 Beschäftigten des Capgemini-Geschäftsbereichs "SAP Business Solutions" unter der gemeinsamen Marke "Capgemini sd&m". Bislang war das Software- und Beratungshaus als eigenständiges Unternehmen am Markt aufgetreten. intergrund dieser Maßnahme ist eine Neuausrichtung des Serviceportfolios: sd&m soll künftig nicht mehr nur in seinem angestammten Geschäft - der Entwicklung von Individualsoftware plus entsprechender Beratung - aktiv sein, sondern auch SAP-Implementierungen sowie hybride Modelle aus Individual- und Standardsoftware anbieten.

Nicht mehr nur Individualsoftware

Edmund Küpper: Wir müssen künftig mehr auf Standardsoftware setzen und Offshore-Komponenten einbinden.
Edmund Küpper: Wir müssen künftig mehr auf Standardsoftware setzen und Offshore-Komponenten einbinden.

Die steigende Nachfrage nach solchen Modellen war der Hauptgrund für die Integration in Capgemini, erläutert Edmund Küpper, Vorstandsvorsitzender von sd&m: "In den mehr als 25 Jahren, die wir mittlerweile im deutschen und Schweizer Markt unterwegs sind, haben wir uns bewusst ein scharfes Profil im Bereich Individualsoftware-Entwicklung, Software-Engineering und der entsprechenden IT-Beratung erarbeitet, auf das wir auch immer sehr stolz waren." Doch die Zeiten hätten sich geändert: "Individuelle Projekte werden heutzutage nicht immer komplett neu entwickelt, sondern zunehmend mit Hilfe von großen Integrationsplattformen wie SAP Netweaver aus Standardmodulen gebaut", so der Firmenchef.

sd&m habe hierfür zwar das erforderliche Software-Engineering- und Architektur-Know-how, aber nicht die passende Einstellung: "SAP war für uns immer ein Feind, der seinen Kunden Standardsoftware ans Herz legt, während wir den Einsatz von Individuallösungen propagierten", erläutert Küpper. "Deshalb war das SAP-Thema auch in der Consulting-Einheit von Capgemini angesiedelt." Mittlerweile sei dieses Feindbild überholt. Allerdings sei es schwierig, ein 25 Jahre gepflegtes Profil über Bord zu werfen. Und da es zudem wenig Sinn habe, mit dem eigenen Mutterkonzern zu konkurrieren, sei es eine logische Konsequenz, die beiden Einheiten zusammenzuführen: "Wir nutzen die Marke Capgemini und laden sie mit dem technischen Wissen von sd&m auf."

Offshore-Kapazitäten sind dringend notwendig

Hinzu kommt, dass sich sd&m stärker für den globalen Wettbewerb rüsten will. "Wir brauchen dringend Offshore-Kapazitäten", so Küpper. Hintergrund sei der anhaltende Fachkräftemangel: "Angesichts unseres hohen Qualitätsanspruchs konnten wir in diesem Jahr nicht so viele Mitarbeiter einstellen, wie wir wollten. Und dieses Problem wird sich in den nächsten Jahren eher noch verschärfen." Auch der Preisdruck werde angesichts der konjunkturellen Abschwächung wieder zunehmen. Daher müsse sd&m Offshore-Komponenten einbinden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele Kunden forderten auch explizit, dass das Unternehmen seine diesbezüglichen Kapazitäten ausbaue, um die dadurch erzielten Preisvorteile weitergeben zu können. Derzeit beschäftigt sd&m in Indien rund 70, und in Polen mehr als 200 Mitarbeiter. Als hundertprozentige Tochter von Capgemini soll nun verstärkt auf die umfangreichen Offshore- und Nearshore-Ressourcen der Mutter zugegriffen werden.

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