Amazon Workmail

Amazon Web Services macht Exchange Konkurrenz

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Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Amazon Web Services (AWS) baut sein Angebot für Unternehmen weiter aus und startet einen waschechten Konkurrenten für Microsofts Messaging-Backend Exchange.

"Amazon Workmail" ist eine verwaltete E-Mail- und Calendaring-Lösung, die in der Cloud läuft. Als Frontend kann man Outlook auf Windows (sogar Click-to-Run) und Mac sowie mobil jeden Client verwenden, der das Protokoll Exchange Activesync (EAS) unterstützt. Außerdem gibt es ein Interface für neuere Browser, das den Zugriff auf E-Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben ermöglicht und auch freigegebene Kalender, öffentliche Ordner, das Buchen von Ressourcen sowie die Verwaltung von automatischen Out-of-Office-Antworten unterstützt.

Jeff Barrs Workmail-Testkalender im Browser
Jeff Barrs Workmail-Testkalender im Browser
Foto: AWS

Wie bei AWS üblich baut Workmail - das übrigens in Holland von einem Team unter Leitung eines Deutschen mit frog-design-Background entwickelt wurde, wie uns Rafael Laguna von Open-Xchange verraten hat - auf einer Reihe schon bekannter Dienste wie AWS Directory Service, AWS Identity and Access Management (IAM), AWS Key Management Service (KMS), Amazon Simple Email Service (SES) und zu guter Letzt Amazon Zocalo auf, das jetzt umgetauft wurde in Amazon Workdocs und im Zusammenspiel mit Workmail eine einfache und kontrollierte Verteilung von Dokumenten mit sensiblen Inhalten ermöglichen soll.

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Amazon Workmail läuft zwar in der Public Cloud, bietet aber nichtsdestotrotz umfängliche Sicherheitseinstellungen. Der Admin kann beispielsweise die Datenhaltung in einer bestimmten AWS-Region vorschreiben und bei seinen Endnutzern nach Bedarf Verschlüsselung, Passwortschutz und automatische Bildschirmsperre auf mobilen Devices erzwingen. Verlorene oder gestohlene Mobilgeräte lassen sich zudem fernlöschen. Daten werden bei der Übertragung von und zu Outlook und bestimmten iOS-Apps mit S/MIME und ansonsten per SSL verschlüsselt; gespeicherte Nachrichten, Kontakte, Anhänge und Metadaten werden mit KMS-verwalteten Schlüsseln verschlüsselt. Last, but not least prüft AWS jede ein- und ausgehende E-Mail samt Anhängen auf Malware, Viren und Spam.

So beginnt die Workmail-Einrichtung in der AWS Management Console.
So beginnt die Workmail-Einrichtung in der AWS Management Console.
Foto: AWS

Amazon Web Services bietet interessierten Nutzern die Möglichkeit, Workmail als Exchange-Ersatz 30 Tage lang kostenlos auszuprobieren. Im Rahmen des Tests gibt es für bis zu 25 Nutzer Postfächer mit 50 Gigabyte Speicherplatz (eine einzelne Mail darf bis zu 30 Megabyte groß sein). Ein Migrations-Werkzeug zum Umziehen von Postfächern hat AWS bei Bedarf ebenfalls parat. Wie man Amazon Workmail für ein Unternehmen aufsetzt, beschreibt AWS-Sprachrohr Jeff Barr im "AWS Official Blog".

Amazon hofft, mit Workmail Microsoft, aber auch der IBM und Google im E-Mail-Markt Kunden abjagen zu können. "Kunden sind mit ihren vorhanden E-Mail-Lösungen nicht glücklich", sagte der AWS-Marketing-Chef Adam Selipsky dem "Wall Street Journal". "Vielen Kunden sind diese Lösungen zu teuer und zu komplex." Preislich liegt Workmail mit 4 Dollar pro Inbox und Monat allerdings im Bereich von Office 365 und Google Apps for Business, die beide einiges mehr können. Man darf gespannt sein, wie viele Kunden Amazon mittelfristig überzeugen kann, ihre E-Mail in seine Cloud umzuziehen. Colin Sebastian, Analyst bei Baird Equity Research, sieht in E-Mail laut "WSJ" jedenfalls durchaus ein mögliches Milliarden-Dollar-Geschäft für AWS.