Backup-Lösung

Altaro Hyper-V Backup sichert virtuelle Maschinen

Andrej Radonic ist Experte für Virtualisierung, Cloud-Technologien und Open Source Anwendungen. Der Fachbuchautor ist Vorstand der interSales AG und entwickelt für mittelständische Unternehmen anspruchsvolle E-Commerce Lösungen.
Die Microsoft-eigenen Bordmittel erlauben zwar das Sichern von Windows-VMs, jedoch mangelt es an Funktionalität und Komfort. Altaro, Hersteller von Windows-Backup-Programmen, springt in die Bresche.

Für die kürzlich erschienenen Version 4 seiner Lösung "Hyper-V Backup" verspricht Altaro eine besonders einfache Bedienung bei großem Funktionsumfang und günstigem Preis. Wer nur zwei Virtual Machines (VMs) sichern muss, kann die Altaro-Software sogar kostenfrei nutzen.

Klassische agentenbasierte Backup-Programme greifen bei VMs zu kurz, da virtuelle Umgebungen besondere Anforderungen stellen: Backups müssen bei laufendem Betrieb der VMs möglich sein und zugleich die Konsistenz der darin befindlichen Daten etwa in Datenbanken gewährleisten. Backup-Jobs dürfen weder den Host noch die VMs nennenswert belasten und sollten möglichst wenig Zeit in Anspruch nehmen.

Werden VMs von außen, also über den Host, gesichert, entstehen schnell große Datenmengen. Hier sind Mechanismen für inkrementelle Sicherung, Kompression und Deduplikation gefragt, um Backups möglichst schlank zu halten und sparsam mit Speicherplatz umzugehen.

Wünschenswert sind für virtuelle Umgebungen zudem integrierte Disaster-Recovery-Mechanismen, um Verfügbarkeit und Datensicherheit weiter zu erhöhen. Das geschieht, indem die Backups automatisch an einem entfernten Ort vorgehalten werden und dort eine parallele virtuelle Installation der gesamten Umgebung binnen kurzer Zeit aktiviert werden kann.

VM-Backup ohne Agenten

Altaro implementiert sein Backup-System im "Hyper-V Host" und kommt ohne die Installation von Agenten in den einzelnen VMs aus. Die Altaro-Software kann sowohl Windows- als auch Linux-VMs im laufenden Betrieb sichern. Altaro Hyper-V Backup unterstützt Hyper-V auf Windows 2008 R2 und 2012 Server wie auch den kostenlosen Hyper-V 2012 Server.

Für das Backup von Windows-VMs kommt Microsofts Schnittstelle "Visual SourceSafe" (VSS) zum Einsatz. Über sie können die Dateisysteme der virtuellen Maschine im Moment des Backups als Snapshot eingefroren werden, um einen konsistenten Zustand herzustellen.

Die Installation ist denkbar einfach: Es ist lediglich das mit etwa 30 MB relativ schlanke Altaro-Installationspaket auf dem jeweiligen Server auszuführen. Anschließend kann man sich mittels einer einfachen grafischen Benutzeroberfläche sofort mit dem lokalen Server verbinden.

Für das Remote-Management eines oder mehrerer Backup-Server stellt Altaro als Verwaltungswerkzeug die "Remote Management Console" zur Verfügung. Sie kann auf PCs mit 64-Bit-Windows-Systemen installiert werden. Beim ersten Start der Management-GUI fragt das Altaro-System das Ziellaufwerk für Backups ab. Dieses kann ein lokal angeschlossenes Laufwerk, eine USB-Festplatte oder ein Netzwerklaufwerk sein. Bandlaufwerke werden derzeit nicht unterstützt.

Komprimieren und verschlüsseln

Über die zentrale Konfiguration kann der Systemadministrator bestimmen, ob Backups komprimiert und zugleich auch verschlüsselt werden sollen.

VMs werden immer als Ganzes gesichert, wobei wahlweise auch dort aktuell gemountete ISO-Dateien einbezogen werden können. Eine Möglichkeit, nur spezifische in einer VM verbundene Festplatten zu sichern, existiert nicht.

Je VM lässt sich ein Zeitplan für automatisierte Backups erstellen. Zeitprofile können in Gruppen (Schedule Groups) zusammengefasst, VMs per Drag and Drop einem Zeitprofil zugeordnet werden. Eine Zeitplan-Vorschau gibt einen Überblick über die nächsten anstehenden Backup-Termine, so dass der Administrator seine gerade vorgenommene Konfiguration mit einem Blick überprüfen kann.

Übersichtliches Management

Das Management-GUI informiert in einem Dashboard übersichtlich über alle wichtigen Vorgänge wie zuletzt gelaufene Backups, vorgenommene Offsite-Backups, letzte Restores sowie etwaige Fehler, die bei Backup-Vorgängen aufgetreten sind. Zudem werden die Auslastung des Backup-Speichers sowie die Entwicklung der Backup-Datenmengen grafisch dargestellt.

Der Administrator kann sich zudem ein differenziertes Benachrichtigungsschema einrichten, so dass er per Mail über gelaufene oder fehlgeschlagene Backup-Jobs informiert wird.

Das Verwaltungs-Tool sorgt bei Änderungen an Regeln und Konfigurationen selbständig für Konsistenz. Will der Administrator beispielsweise nachträglich das Ziellaufwerk für Backups ändern, bietet ein Assistent automatisch an, sämtliche Backups von der alten Location in das neue Ziel zu verschieben.

Ein Multi-Server-Management ist nur bedingt möglich: Will der Administrator Backups für mehrere Hyper-V-Server managen, muss er sich mit jedem einzeln verbinden und die Konfiguration separat vornehmen.

Alternativ kann er mit der Central Management Console eine zentrale Sicht auf sämtliche "Altaro Backup Agents" und die gelaufenen Jobs erhalten und sich von dort aus mit jedem einzelnen "Altaro Backup Server" verbinden. Die verschiedenen Server können zu Gruppen zusammengefasst und ausgewertet werden.

Cluster-Umgebungen sichern

Für Hyper-V-Cluster stellt Altaro einen zentralisierten Management-Ansatz zur Verfügung. Hierzu muss der Altaro Backup Server auf demjenigen Hyper-V-Knoten installiert werden, der als "Master Controller" fungieren soll und über den dann alle Backup-Steuerungsprozesse laufen. Von hier aus installiert das Management-Tool automatisiert Backup-Agenten auf allen übrigen Knoten. Das Management-GUI liefert anschließend eine konsolidierte Liste sämtlicher VMs im Cluster, so dass für diese an zentraler Stelle Backup-Regeln angelegt werden können. Zum Cluster-Support gehört auch, dass Altaro das Dateisystem "Cluster Shared Volumes" unterstützt.

Die Altaro-Software kümmert sich auf verschiedenen Ebenen um effizienten Umgang mit den anfallenden Datenmengen: Backups werden nur inkrementell vorgenommen, zusätzlich werden beim Backup-Vorgang nur die tatsächlich geänderten Daten übertragen. Diese Methode wirkt sich schonend auf den Speicherverbrauch aus, auch wenn es sich dabei, entgegen der Altaro-Beschreibung, nicht um Deduplizierung im eigentlichen Sinne handelt.

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