Der Markt für Business-Service-Management

Administrator regelt Datenverkehr

Der Markt für die Systemadministration floriert ungebrochen. Die derzeitigen Treiber sind das Business-Service-Management, die Configuration Management Database und in der Folge die Automatisierung von IT-Serviceprozessen.
Foto: Computerwoche

"Wir haben in den vergangenen drei Jahren unser Budget für den IT-Betrieb um 25 Prozent reduziert, ohne Abstriche an den Service-Levels hinzunehmen, allein durch konsequente Standardisierung und Automatisierung", zitiert Forrester Research den IT-Manager eines europäischen Industriebetriebs. Von solchem Erfolg dürften viele Firmen noch träumen, doch auch ihnen bleibt dieser Weg über kurz oder lang nicht erspart.

Das bringt neuen Aufschwung in den Markt für "IT Management Software", wie ihn Forrester nennt, oder für Produkte des "IT Operations Managements", so die Gartner-Bezeichnung. Die Unternehmen stehen nach wie vor unter dem Druck, ihre Kosten für die operative IT zu reduzieren, gleichzeitig erwartet man von der Administration eine hohe Servicequalität. Doch mit herkömmlichen Mitteln sind diese Ziele nicht mehr zu erreichen. Viel versprachen sich Anwender deshalb von den seit einigen Jahren hochgehaltenen Disziplinen IT-Change- und Business-Service-Management (BSM), deren Prozessorientierung und Automatisierungspotenzial den steigenden Anforderungen an den IT-Betrieb gerecht werden sollten.

Die Zahlen geben die Forrester-Berechnungen für Lizenz- und Wartungsumsätze wieder. Die deutliche Steigerung bei HP ist auf die Mercury-Übernahme zurückzuführen.

Hersteller

Umsatz 2006

(in Millionen Dollar)

Marktanteil 2006

(in Prozent)

Umsatz 2007

(in Millionen Dollar)

Marktanteil 2007

(in Prozent)

CA

2011

14

2140

14

BMC Software

1489

11

1615

10

IBM Tivoli

1409

10

1533

10

HP Software

899

6

1402

9

Quest Software

535

4

600

4

Symantec

520

4

569

4

EMC

435

3

516

3

Microsoft

443

3

511

3

ASG

181

1

236

2

Compuware

191

1

201

1

Andere

5920

42

6358

41

Ernüchterung in der Praxis

Mit den Projekten kam allerdings auch die Ernüchterung, weiß Ralf Horstmann vom Aachener Beratungshaus ComConsult zu berichten. Das oft im Helpdesk angesiedelte IT-Change-Management arbeitete mit Ticket-basierenden Systemen, deren Datenstruktur sich nicht für Werkzeuge zur IT-Automation eignen. Das einige Zeit später propagierte Business-Service-Management dient der Visualisierung und Überwachung von IT-Assets im Kontext von Geschäftsprozessen, was letztlich dazu führen sollte, die geschäftskritische Bedeutung einer Komponente zu erkennen, um besser Risiken kalkulieren und Investitionen steuern zu können. Doch solange ein im BSM-Werkzeug dokumentierter Service nicht automatisiert gepflegt werden kann, weil den Change-Informationen die dafür benötigten Formate fehlen, hat man wenig erreicht.

Dieser Ausschnitt aus Gartners Hypecycle for IT-Operations lässt erkennen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Business-Service-Management und IT-Automatisierung produktiv eingesetzt werden.
Dieser Ausschnitt aus Gartners Hypecycle for IT-Operations lässt erkennen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Business-Service-Management und IT-Automatisierung produktiv eingesetzt werden.
Foto: Gartner

Bislang scheint sich an dieser Situation nicht viel geändert zu haben. Der jüngst von Gartner veröffentlichte "Hype Cycle for IT Operations Management, 2008" positioniert Tools für das Business-Service-Management noch im Bereich des "Gipfels zu hoher Erwartungen", während Produkte für IT-Change-Management auf der Kurve bereits im "Tal der Desillusionierung" gelandet sind. Für beide Gattungen beziffern die Analysten einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, bis sie zur gängigen Praxis des IT-Betriebs gehören.

Katalysator dieser Entwicklung ist die IT Infrastructure Library (Itil), deren Spezifikationen Kernprozesse wie das Configuration- und Change-Management behandeln. Itil fordert eine Configuration Management Database (CMDB) als zentrales Repository, das alle IT-Komponenten, deren umfassende Beschreibungen, Zusammenhänge beziehungsweise Abhängigkeiten auf Basis einheitlicher Datenmodelle erfasst. Die Bedeutung einer CMDB für die BSM-Einführung unterstreicht Forrester-Analyst Peter O´Neill in seiner Prognose: Demnach bewirkt das Repository, dass die Gestaltung von IT-Services, die im Jahr 2005 noch überwiegend "chaotisch" erfolgte, bis 2010 nach und nach die Zustände "reaktiv", "stabil", "proaktiv" bis schließlich "vorausschauend" (predictive) durchläuft.