Outsourcing bis 2022

75 Prozent wollen Infrastruktur auslagern

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
In zehn Jahren soll laut einer Studie von Anbieter Savvis drei Viertel der IT-Infrastruktur ausgelagert sein. Der IT Leadership Report nennt die Gründe.

Auch wenn die Euro-Krise die Outsourcing Bemühungen bremst und die IT-Budgets eindampft: Immer mehr Firmen wollen in den nächsten zwei Jahren große Teile ihrer IT-Infrastruktur auslagern. Die Analysten des Cloud-Anbieters Savvis untersuchten zusammen mit den Marktforschern von Vanson Bourne für den "IT Leadership Report", welche Gründe Unternehmen haben, die Infrastruktur auszulagern.

In zwei Jahren mehr ausgelagert

Outsourcing der IT-Infrastruktur: In 10 Jahren werden 48 Prozent ausgelagert sein.
Outsourcing der IT-Infrastruktur: In 10 Jahren werden 48 Prozent ausgelagert sein.
Foto: MR.LIGHTMAN, Fotolia.com

Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Unternehmen in Deutschland betreiben ihre IT-Infrastruktur momentan selbst. Das wird nicht so bleiben, heißt es in der Studie. Nur 34 Prozent der Entscheider gaben an, dass sie auch weiterhin in-house für die Prozesse sorgen wollen. Nur 17 Prozent gehen davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren die Mehrheit der Infrastruktur in ihrer eigenen Verantwortung bleibt. Outsourcing kommt also.

Die Zahlen sprechen für sich: Entscheider erwarten, dass in zehn Jahren nur noch ein Viertel (25 Prozent) der Infrastruktur in-house betrieben wird. 15 Prozent der Infrastruktur werde über Managed Hosting betrieben, heute sind es etwa 5 Prozent. Ein Drittel werde in der Cloud betrieben, derzeit sind es nur vier Prozent. Der Anteil der ausgelagerten Infrastruktur liegt somit bei 48 Prozent: Knapp die Hälfte wird nicht mehr selbst von den Unternehmen betrieben. Derzeit ist ein Drittel der Infrastruktur ausgelagert.

Gründe fürs Outcourcing

In der globalen Umfragen gaben die meisten IT-Entscheider an, dass sie bei der IT-Infrastruktur vor allem auf die Sicherheit achteten: 45 Prozent sagten laut Studie, dass sie daher im Outsourcen einen großen Vorteil sähen und sich so sicherer fühlten. Diese Zahl gilt allerdings für den Internationalen IT Report. Aber es gibt weitere Gründe für das Auslagern von IT: Knapp ein Drittel (32 Prozent) sah den Vorteil in der Skalierbarkeit und Flexibilisierung der Infrastruktur und ebenso viele in der verbesserten Service Qualität.

Kosten senken

Die Mehrheit der Befragten wollte vor allem eines mit der Auslagerung bezwecken: Kosten senken. Sie glauben, dass eine eigene IT-Infrastruktur Ressourcen verschwendet. Und da glauben die Entscheider, so die Studie, eine ganze Menge einsparen zu können. Sie erhoffen sich, ganze 26 Prozent der IT-Ausgaben einsparen zu können. Vor allem die IT-Entscheider der Finanz- und Software-Branche glauben, das Budget kräftig senken zu können.

Im Finanzbereich wollen Entscheider 30 Prozent sparen und im Software-Bereich immerhin noch 26,45 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten "räumen ein, dass sie IT-Equipment besitzen, von dem sie bereits bereuen, es angeschafft zu haben", heißt es in der Studie. Das würde mit zunehmender Auslagerung natürlich wegfallen. Ab wann sich die Kosten einer Auslagerung amortisiert haben, darüber gab die Studie allerdings keine Auskunft.

Was schon heute ausgelagert wird

Donald Badoux, der Geschäftsführer von Savvis Deutschland, sieht den Fachkräftemangel mit Sorge.
Donald Badoux, der Geschäftsführer von Savvis Deutschland, sieht den Fachkräftemangel mit Sorge.
Foto: Savvis

Schon jetzt sind große Teile der Infrastruktur nicht mehr in-house angesiedelt. Am häufigsten lagern deutsche Firmen die Website-Infrastruktur aus: 43 Prozent tut dies. 39 Prozent überlassen Back-Up und Disaster Recovery externen Dienstleistern und fast ebenso viele (38 Prozent) haben schon Test und Entwicklung nicht mehr im eigenen Unternehmen angesiedelt. An vielen Stellen sehen Entscheider den Bedarf, Teilgebiete auszulagern. Bei E-Commerce sahen immerhin 40 Prozent Outsourcing-Potenzial und 38 Prozent für Platzbedarf im Rechenzentrum und Big Data Analysen. Welche Teile der IT-Infrastruktur allerdings im Unternehmen bleiben sollten, das fragte die Studie nicht ab.

Fachkräftemangel

Die deutschen IT-Chefs glauben, dass ihnen das Fachpersonal fehlt, um die Infrastruktur adäquat anbieten zu können: "35 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie vor allem der Mangel an qualifizierten IT-Fachkräften zum Outsourcing ihrer Infrastruktur veranlassen würde", sagt Donald Badoux, Geschäftsführer von Savvis Deutschland. Nur dadurch sehen sich laut Studie die Unternehmen in der Lage, sich mit ihren verbleibenden Mitarbeitern wieder auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Das ist einzigartig: Kein anderes Land sieht darin einen so wichtigen Grund, Outsourcing in diesem Maßstab zu betreiben.

Savvis befragte für die IT Outsourcing-Studie erstmals auch 100 IT-Entscheider in deutschen Unternehmen. International führt der Cloud-Anbieter seinen Report schon seit Jahren durch und befragt CIOs in Amerika, Japan und anderen Ländern.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CIO.de. (mhr)