IT-Sourcing-Strategien müssen neu gedacht werden

5 vor 12 - Die digitale Transformation wartet nicht

Mario Zillmann ist Leiter Professional Services bei Lünendonk und Experte in den Themen Management- und IT-Beratung sowie Outsourcing. Als Analyst und Berater beobachtet er seit sieben Jahren den ITK-Markt und betreut die seit Jahrzehnten als Marktbarometer geltenden Lünendonk-Listen und -Studien zu IT-Beratung und IT-Service, Business Intelligence, Standard Software, Business Innovation/Transformation Partner (BITP) und Technologie-Beratung.
Die Digitalisierung verändert die Rollen von Business und IT fundamental ebenso wie sie die Art ihrer Zusammenarbeit neu definiert und erschafft. Beide Bereiche müssen sich komplett neu sortieren und es muss überlegt werden, starre Prozesse aufzulösen und Freiraum für Innovationen und kreative Ideen zu schaffen.

Da es sich bei der Digitalisierung nicht um ein isoliertes Fachthema, sondern vielmehr um ein ganzheitliches Strategieelement handelt, müssen Unternehmen für eine erfolgreiche und nachhaltige Digitalisierung mehrere Ebenen beachten und unterschiedliche Disziplinen kombinieren. Lünendonk und arvato systems haben sich in einem Whitepaper mit den zentralen Problemstellungen von Unternehmen bei der Umsetzung des digitalen Wandels auseinandergesetzt.

Viele Unternehmen schieben die Entscheidung noch vor sich her, ihre Geschäftsprozesse auf die nächste Stufe in Richtung Digitalisierung zu heben.
Viele Unternehmen schieben die Entscheidung noch vor sich her, ihre Geschäftsprozesse auf die nächste Stufe in Richtung Digitalisierung zu heben.
Foto: L. Klauser - Fotolia.com

Im Folgenden finden Sie einige Ansatzpunkte, wie dieser Anpassungs- und Veränderungsprozess gelingen kann.

"Das haben wir schon immer so gemacht"

Erfolgreiche Unternehmen und die, die es werden wollen, werfen bisherige Serviceprozesse über Bord und entwickeln neue Ansätze der Zusammenarbeit und Produktentwicklung. Führungskräfte müssen sich von bewährten Methoden, Prozessen und Rollen verabschieden und neue Wege gehen. Die Gefahr für etablierte Branchen besteht vor allem darin, dass neue Wettbewerber keine Rücksicht auf historisch gewachsene Prozesse und Unternehmenskulturen legen, sondern ein digitales Unternehmen von Grund auf neu aufbauen. Beispiele sind airbnb, MisterSpex, Uber oder check24.

Die klassischen Organisationsformen werden sich ebenfalls auflösen und in den Unternehmen werden viele Innovationslabs entstehen, die, ähnlich wie Start-ups, einen Innovationsprozess unabhängig von bestehenden Prozessstrukturen und traditionellen Abläufen vorantreiben. Konzerne wie RWE, Robert Bosch, TargoBank, CreditAgricol oder Axel Springer praktizieren diese bereits, teilweise sehr erfolgreich. Dabei geht es darum, das bestehende Geschäftsmodell außen vor zu lassen und durch das Zusammenführen unterschiedlicher Kompetenzen und Abteilungen wie Finanzen, IT, Produktion, Entwicklung, Marketing, Vertrieb etc., die veränderten Kundenanforderungen zu analysieren und neue Konzepte zu entwickeln.

Die Unternehmenskultur verändern

Die Digitalisierung verändert neben Geschäftsmodellen auch die Art und Weise der Zusammenarbeit des Einzelnen sowie des Kollektivs massiv. Dazu müssen das Management sowie die einzelnen Mitarbeiter auf diesem Weg mitgenommen und frühzeitig eingebunden werden. Der digitale Wandel wird nicht durch das Grassroots-Prinzip oder bottom-up zu bewältigen sein, sondern muss durch das Top-Management top-down initiiert und gesteuert werden. Die Digitalkompetenz der Mitarbeiter muss durch ständige Weiterbildungen und richtiges Recruiting gestärkt werden. Weiterhin motivieren erfolgreiche Unternehmen ihre Führungskräfte und Mitarbeiter, eigene Ideen für digitale Konzepte zu entwickeln.

Konzerne wie Rewe, TUI, Otto oder Medienunternehmen wie Burda und Bertelsmann beteiligen sich darüber hinaus an Start-ups, um von deren Expertise zu profitieren und deren Innovationen in neue Geschäftsmodelle zu überführen. Gleichzeitig gründen sie eigene digitale Start-ups, die losgelöst von den Unternehmensstrukturen neue Geschäftsfelder entwickeln.

Empfehlungen für Business und IT für die Digitale Transformation
Empfehlungen für Business und IT für die Digitale Transformation
Foto: Lünendonk GmbH


Entscheidend für den digitalen Wandel ist weiterhin die Anpassungsfähigkeit des Top-Managements, des mittleren Managements sowie der Mitarbeiter, neue Wege in der Digitalisierung überhaupt gehen zu wollen. Nach dem Motto: "Wer stehen bleibt verliert", müssen Führungskräfte sich ständig neu hinterfragen und Entwicklungen im Wettbewerbsumfeld genau beobachten.

Schatten-IT akzeptieren, aber auch die IT-Governance einhalten

Bei der Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle kommt es weiterhin darauf an, stärker als bisher ganzheitlich zu denken und vor allem angrenzende Fachbereiche und die IT in ihre Planungen einzubeziehen. Das Ziel sollte es immer sein, im Sinne der IT-Governance und des Datenschutzes gemeinsame Lösungen im Sinne eines End-to-End-Konzepts zu finden. Gleichzeitig erhöht die steigende Zahl an Softwarelösungen, Business-Apps und Plattformen zur Unterstützung des Business wieder die Komplexität der IT-Landschaft. Dies ist allerdings durchaus gewollt, muss aber technologisch von der IT umgesetzt werden.

Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Anzahl an Anwendungen in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, ebenso wie die Anzahl der IT-User in den Unternehmen. Es entstehen weiterhin neue Formen der internen Zusammenarbeit sowie der Einbindung externer Partner wie Lieferanten, Beratungs- und IT-Dienstleister sowie Kooperationspartner in ein Partner-Ökosystem, welches sich sehr flexibel verändern kann. Fachbereiche sollten daher zukünftig weniger Alleingänge unternehmen, sondern die IT frühzeitig als strategischen Partner einbinden, um am Ende weniger Insellösungen zu haben. Die Schatten-IT wird nach Einschätzung von Lünendonk in den nächsten Jahren durch den Bezug von Fachanwendungen aus der Cloud sowie aus Business-Apps folglich immer größer werden.

CIOs sollten diese Schatten-IT als konsequente Folge der Digitalisierung und des Einzugs der IT in die Geschäftsprozesse akzeptieren. Ihre Aufgabe liegt darin, die Fachbereiche bei der Umsetzung ihrer digitalen Strategien zu beraten und die Integration der neuen Anwendungen in die bestehenden IT-Systeme zu verantworten. Bei der Beratung der Fachbereiche können sich CIOs bei Themen wie Datenschutz, Technologieauswahl, Integration der Anwendungen in den Gesamtprozess und Konzeption einer Sourcingstrategie positionieren, die Service Level Agreements für neue IT-Services beinhaltet.

Checkliste zur Umsetzung des digitalen Wandels
Checkliste zur Umsetzung des digitalen Wandels
Foto: Lünendonk GmbH

Fazit

Der digitale Wandel lässt sich in drei Handlungsfelder für das Top-Management unterteilen:

  • Digitalisierung verändert die Rolle der IT

  • Digitalisierung erfordert Top-Management-Attention und klare strategische Ausrichtung

  • Digitalisierung bedeutet, von alten Wegen abzubiegen

Da es sich bei der Digitalisierung nicht um ein isoliertes Fachthema, sondern vielmehr um ein ganzheitliches Strategieelement handelt, müssen Unternehmen für eine erfolgreiche und nachhaltige Digitalisierung alle diese Ebenen beachten und unterschiedliche Disziplinen kombinieren. Grundsätzlich rückt die IT im Zuge der Digitalisierung immer näher an die Kernprozesse heran und die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, IT-Abteilung und externem Dienstleister wird neu geordnet. (bw)