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Enterprise Resource Planning

Mit dem Kauf von Business Objects stellt SAP die bisherige Strategie auf den Kopf

08.10.2007 um 09:35 Uhr
Mit dem Kauf des Business-Intelligence-Anbieters (BI) Business Objects für 4,8 Milliarden Dollar wagt SAP erstmals eine große Übernahme. Allerdings lässt der Deal die unlängst beschlossene Akquisition des Anbieters von Planungssoftware Outlooksoft fragwürdig erscheinen.

Hatte SAP es bisher immer strikt abgelehnt, große Zukäufe zu tätigen, unternehmen die Walldorfer mit Business Objects (BO) nun genau das Gegenteil. Mit den Franzosen erwirbt SAP den führenden Hersteller im Business-Intelligence-Markt und treibt die Konsolidierung in diesem Segment weiter voran. SAP hatte bis dato immer geäußert, Zukäufe nur dann vorzunehmen, um das Produktangebot technisch zu ergänzen. Nun verleibt sich der Konzern einen Branchenriesen und damit Marktanteile sowie den Zugang zu 44.000 Kunden ein – per freundlicher Übernahme, wie beide Seiten betonen. Business Objects soll als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden.

Der BI-Spezialist bietet Software für die Auswertung von Geschäftsdaten und das Erzeugen von Berichten sowie für die Unternehmensplanung. Weitere Lösungen dienen dazu, Daten aus unterschiedlichen Systemen zu integrieren und deren Qualität zu verbessern.

SAP-Produkte reichten nicht mehr aus

SAP verfügt mit "SAP Business Intelligence" selbst über eine Reihe von Funktionen in diesem Bereich, hatte aber einige Defizite gegenüber BI-Spezialisten, beispielsweise in Sachen Integration von Daten aus Drittsystemen, der Handhabung umfangreicher Datenbestände sowie das Erzeugen von Standardberichten. Speziell der letzte Bereich zählt zu den Stärken von Business Objects. "SAP-Kunden verwendeten beispielsweise Reporting-Tools von Business Objects, weil die Bordmittel des ERP-Anbieters nicht eben zu den besten am Markt zählen", so Carsten Bange, BI-Experte und Geschäftsführer von Barc aus Würzburg. Ohnehin hatten beide Unternehmen bis vor eineinhalb Jahren zusammengearbeitet: SAP hatte das Business-Objects-Tool "Crystal Reports" als OEM-Produkt vertrieben. Seitdem hat SAP selbst versucht, mit eigenen Frontends die Kunden zu beglücken.

Business Objects hilft SAP bei der Datenintegration

Auch die Business-Objects-Produkte für die Integration von Daten und zur Verbesserung der Datenqualität ergänzen das Portfolio von SAP. Hier hatten die Walldorfer zwar vor einiger Zeit mit A2i selbst eine Übernahme getätigt, doch blieb das Produkt "Master Data Management" bisher hinter den Erwartungen zurück. Hilfe suchte sich SAP unlängst bei Informatica und kooperiert nun mit dieser Firma. Um Anwendern mit hohen Erwartungen an die Performance des hauseigenen Business Information Warehouse etwas bieten zu können, bringt SAP den "Business Intelligence Accelerator" auf den Markt, eine Kombination aus Software und Blade-Servern.

Überschneidungen bei Planungswerkzeugen

Doch die Portfolios von Business Objects und SAP weisen auch deutliche Überschneidungen auf: Die größten Konflikte sehen Experten bei den Planungswerkzeugen. Business Objects hat hier ein breites Angebot, das die Franzosen im April mit dem Kauf von Cartesis ausgebaut hatten. SAP hatte mit der Übernahme der Firmen Pilot Software und Outlooksoft in diesem Jahres zusätzlich zu den vorhandenen Systemen für die Finanzplanung Werkzeuge erworben, die die Planung, Steuerung und Kontrolle von verschiedenen Geschäftsprozessen in Unternehmen erlauben soll (siehe auch "SAP drängt in die Finanzabteilung"). "Das SAP-Management ist nun gefordert, festzulegen, wie es mit den Planungsprodukten weitergehen soll", meint Frank Naujoks, Analyst bei IDC. Deutliche Kritik am Einkaufsverhalten der Walldorfer übt Barc-Chef Carsten Bange: "Der Business-Objects-Kauf lässt die Outlooksoft-Übernahme fragwürdig erscheinen." Vermehrt werden in der Softwarebranche Business-Intelligence-Disziplinen mit Planungsaufgaben verwoben (siehe auch: BI und Performance-Management finden zusammen).

Auch der SAP-Konkurrent Oracle hatte sich auf dem Markt bedient und den BI-Spezialisten Hyperion gekauft. Seitdem kann der Softwarekonzern Geschäftsapplikationen, eine weltweit führende Datenbank, Middleware sowie umfangreiche BI-Funktionen aus einer Hand anbieten. "Der Hyperion-Kauf durch Oracle hat SAP zusätzlich unter Druck gesetzt", so IDC-Experte Naujoks.

Nach Zeitungsberichten war Business Objects schon seit Mitte September auf der Suche nach einem Käufer. Das französische Unternehmen dementierte jedoch einen Artikel in der französischen "Le Figaro", wonach die Investmentgesellschaft Goldman Sachs losgeschickt worden sei, um einen Käufer zu suchen. Untern den fünf im Bericht genannten Kandidaten soll sich auch SAP befunden haben. (fn)

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