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Karriere & Gehalt

Neuer Informatikerjob

Arbeiten in der größten Wirtschaftsbibliothek der Welt

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IT-Profis in der Welt der Bücher müssen selbstverständlich gute Informatiker sein - aber auch Improvisationskünstler.

Jan Lüth sitzt am Schreibtisch vor seinen drei Rechnern, programmiert, entwickelt Module, evaluiert Systeme und diskutiert per Videokonferenz mit seinen Kollegen in Hamburg die aktuelle Semantic-Web-Anwendung. Dann klingelt das Telefon und der Web-2.0-Dienstleister braucht noch ein paar Daten für den bevorstehenden Relaunch des Fachportals der Bibliothek.

Bibliothek? Arbeiten da nicht eher die mausgrauen "Psst-Frauen" mit selbstgestricktem Pullover und Birkenstocks, die von Technik so begeistert sind wie ein Gärtner von Blattläusen? Dieses Bild aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, in dem berufstätige Frauen entweder Lehrerin oder Volksbibliothekarin waren, hat mittlerweile ausgedient. Die graue Maus ohne Technikaffinität gibt es in der Bibliothek nicht mehr, denn ein serviceorientierter Informationsdienstleister, der mit Google & Co. im Wettbewerb steht, beschäftigt und braucht Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit einer Vorliebe für Bildschirme und Tastaturen sowie IT-Entwickler, die die Szene der internationalen Informationsversorgung wie ihre Westentasche kennen.

Ausnahmesituationen meistern

Jan Lüth ist einer dieser IT-Entwickler. Der 36-jährige Medieninformatiker arbeitet in der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, der weltweit größten Wirtschaftsbibliothek. Aktuell steht für den technischen Projektleiter die Konzeption und Umsetzung des Relaunches des wirtschaftswissenschaftlichen Fachportals EconBiz auf der Agenda.

Was sind die besonderen Anforderungen an einen IT-Professional in einer Bibliothek 2.0? Jan Lüth erklärt: "Neben fachgebundenem IT-Know-How, Methodenwissen und Branchenkenntnissen muss ich als IT-Projekt-Manager vor allem mit Ausnahmesituationen umgehen können, die nicht in Lehrbüchern beschrieben sind. Da wir in der ZBW oft mit mehreren Projektpartnern zusammenarbeiten, muss ich als technischer Projektleiter vorausschauend denken, mögliche Probleme im Projekt frühzeitig erkennen und diese kreativ lösen. Hier ist dann oft Fingerspitzengefühl und ein bisschen norddeutsche Ausgeglichenheit gefragt."

Wenn der Wasser- und Segelfreund nicht in seinem Büro in Kiel oder Hamburg mit Blick auf Förde beziehungsweise Binnenalster sitzt, dann lernt er für sein Fernstudium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Verknüpfung von informationstechnischem und informationswissenschaftlichem Know-how mache nämlich den besonderen Reiz seiner Arbeit an der ZBW aus, so Lüth.

Doch der seinerzeit erste Informatiker an der ZBW ist nicht nur im Job neugierig und offen für Trends und Themen, sondern auch privat ständig auf Entdeckungstour. Gerade kürzlich brachte der Hobbykoch und Cocktailfreund seine neuesten Rezeptideen aus Kuba mit.

Wer wird Medieninformatiker?

Medieninformatik kann mittlerweile an vielen Hochschulen als eigener grundständiger Studiengang (vgl. http://www.hochschulkompass.de/kompass/servlet/SuperXmlTabelle) oder im Rahmen des Studiums der Informatik, Wirtschaftsinformatik und Medienwissenschaft unter unterschiedlichen Fachbezeichnungen wie beispielsweise Angewandte Informatik, Digitale Medien, Medien- und Kommunikationsinformatik oder auch Web- und Medieninformatik belegt werden.

Interessierte können sich über die Angebote innerhalb Deutschlands am besten auf http://www.hochschulkompass.de informieren. Dort findet sich ebenfalls eine Fristenliste, wo Studienwillige Bewerbungsfristen und Einschreibtermine an den jeweiligen Hochschulen einsehen können.

Wer Medieninformatik als Studienfach wählt, sollte vor allem an einer anwendungsbezogenen, praktischen Arbeitsweise interessiert sein, aber auch ein Verständnis für theoretische Grundlagen mitbringen, denn wesentliche Teile der in der Medieninformatik benötigten Kenntnisse sind identisch mit der klassischen Informatik. Spezielle Fachkenntnisse, insbesondere in der Programmierung, sind nicht erforderlich. Formale Voraussetzung ist die allgemeine Hochschulreife. Einen Hinweis auf eine gute Eignung bieten gute Schulnoten in Mathematik und Naturwissenschaften, kombiniert mit Interesse an gesellschaftswissenschaftlichen und gestalterischen Fragen.

Ideale Voraussetzungen für ein Studium der Medieninformatik:

- Fähigkeit zu abstraktem Denken; Interesse an Mathematik;

- Interesse an Medien und Kommunikation über die rein technischen Aspekte hinaus;

- gestalterische Interessen, Spaß an Kunst, Design oder Musik;

- gute Schulnoten werden wegen des großen Bewerberandrangs vorausgesetzt.

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