Kommentar zu Facebook at work

Work-Life Balance mit einem Klick

Siegfried Lautenbacher ist seit 1989 unternehmerisch in der IT-Branche tätig. Zur Jahrtausendwende übernahm er die Geschäftsleitung für die Beck et al. Services GmbH – einem international agierenden IT-Services Unternehmen – das seine Leistungen an der Schnittstelle zwischen IT und Business ausrichtet. Social Collaboration und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsplatz der Zukunft  sind zentrale Säulen des Leistungsprofils sowie der eigenen Unternehmenskultur von Beck et al. Services. Siegfried Lautenbacher ist Mitgründer des Start-ups Valuescope. Es bietet Services im Bereich von Social Media Analysis und Sales Intelligence an.
Facebook at work wird Realität. Vor 15 Monaten angekündigt, befindet sich die "work"-Version von Facebook seit Januar im closed beta Stadium. Im Moment akquiriert der Anbieter Launching-Partner für die Freemium-Version, die zum Jahresstart 2016 verfügbar sein soll.

Jahrelang haben wir dagegen argumentiert und versucht, das Wort nicht in den Mund zu nehmen: Nein, interne Collaboration-Plattformen und Enterprise Social Networks sind eben nicht wie Facebook, sondern ein wichtiger Produktivitätsfaktor - und nun das!

Facebook at Work. Unternehmensstartseite
Facebook at Work. Unternehmensstartseite
Foto: via Buzzfeed (Screenshot Siegfried Lautenbacher)


Facebook at work kommt und es wird aussehen wie Facebook, nur besser - weil ohne Werbung. Diejenigen Nutzer, die auch einen Privataccount haben, können in der Menüleiste einfach den Account wechseln und damit zwischen Privatnutzung und geschäftlichem Einsatz hin und her springen. Einzig die Farbgebung ist eine andere. Work-Life Balance war nie einfacher, könnte man flapsig sagen. Doch es so einfach abzutun, wäre aus meiner Sicht ein großer Fehler.

Dazu nenne ich Ihnen meine 5 wichtigsten Faktoren, warum Facebook at work ein Erfolg werden kann, auch bei uns, "dem Mutterland des Datenschutzes". Mein Fokus liegt in diesem Beitrag auf den Möglichkeiten, nicht auf den Bedenken und Schwierigkeiten, die es natürlich ebenfalls gibt.

Einfacher als E-mail

Facebook kann gefühlt Jeder. Intuitiv wird der Sinn eines sozialen Netzwerkes auch im Unternehmen klar. Ich hatte die Gelegenheit, Mitarbeitern in einem Unternehmen, das derzeit am closed beta teilnimmt, über die Schulter zu schauen. Begeisterung allerorten - ausser bei Betriebsrat und Compliance. Einführungsszenarien waren obsolet, es ging "viral" ab.

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Alle Integrationsszenarien, die andere Collaborationsplattformen gleich wieder so furchtbar komplex und aufwändig in der Einführung machen, stellen sich hier gar nicht. Die Beschränkung auf "flache" Nutzungsmöglichkeiten ist vielleicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

Geschäftsmodell

Was genau in der Freemium Version beinhaltet sein wird, ist noch nicht klar. Geld verdienen will Facebook eher mit Analytics und Zusatztools, denn mit dem eigentlichen Produkt. Von daher scheinen Slack und Yammer die direkten Konkurrenten. Im Gegensatz zu den Anbietern, deren Kerngeschäft Collaboration Plattformen sind, muss Facebook damit nicht Geld verdienen. Ziel ist vielmehr, die Facebook-Nutzer rund um die Uhr auf der Plattform zu halten.

Connected Enterprise

Customer experience ist der Schlüssel zu allem. Netzwerke enden nicht an der Unternehmensgrenze. Auch hier hat Facebook at work durch den hohen Grad der Vernetzungeinen guten Startvorteil. Nicht Wenige glauben daher, dass auch LinkedIn und Xing eigentliches Ziel von Facebook sind.

Social Media

In ein paar Jahren werden wir uns kopfschüttelnd Anekdoten erzählen, wie wir in den Unternehmen versucht haben, Social Media außen vor zu lassen. Facebook ist heute schon nicht nur der Katzenbilder- und Babyfoto-Verteiler, sondern wichtige Informationsquelle. Und diese Entwicklung wird zunehmen, wie andere Initiativen wie Signals ja zeigen.
Im übrigen stellt sich heraus, dass es heute schon in jedem Unternehmen, in dem wir unseren Social Readiness Check durchführen, geschlossene Facebook Gruppen gibt, in denen geschäftliche Informationen geteilt und Projekte voran gebracht werden. Das ist der Boden, auf den Facebook at work fällt.

Mobility

Auch hier hat Facebook alle Möglichkeiten: mit einer eigenen mobilen App ist Facebook at work auch auf allen mobilen Geräten nutzbar. Interessanterweise lässt sich hier durch unterschiedliche Apps eine bessere Trennung von Privatund Geschäft vornehmen - wenn man denn will.

Personenprofil in Facebook at Work. Mobile App
Personenprofil in Facebook at Work. Mobile App
Foto: via Buzzfeed (Screenshot Siegfried Lautenbacher)

Es wird interessant sein zu beobachten, in welcher Geschwindigkeit die Plattform Fuß fassen und welches Ökosystem dazu entstehen wird. Fokussierte Business Apps innerhalb der Plattform für Branchen oder Unternehmensfunktionen scheinen ein natürlicher nächster Entwickungsschritt.

Ich empfehle dringend allen, denen das neue vernetzte Zusammenarbeiten im Unternehmen wichtig ist, die Aktivitäten von Facebook sehr ernst zu nehmen und sie nicht sofort vom Tisch zu wischen. Sehen wir es als Chance, unser Grundanliegen, die Form von Zusammenarbeit im Unternehmen radikal zu verändern, noch stärker ins Bewußtsein der breiten Geschäftsöffentlichkeit zu rufen. (bw)

 

siegfried.lautenbacher@bea-ser

Ein interessanter Aspekt, der sich aus der Diskussion von FaW an anderer Stelle ergeben hat: Wenn ein Werkzeug zu einfach ist, verbreitet es sich anfangs zwar viral, wegen des geringen Nutzwerts geht es aber auch wieder schnell in den Keller mit der Nutzung. Kann bei FaW passieren, ich glaube es aber nicht. Denn es adressiert ja die Grundbedürfnisse an Venretzung und Informationsaustausch im Unternehmen.

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