Die richtigen Fragen stellen

Worauf CIOs beim Jobwechsel achten sollen

16.11.2014
Von Lutz Tilker
Vom Zustand der IT-Infrastruktur über die Aufstellung der IT-Abteilung bis hin zur Rolle des CIOs: Stehen IT-Leiter vor einem Jobwechsel, sollten sie sich einige Fragen stellen, so die Erfahrung eines Headhunters.
Lutz Tilker, Partner beim Executive-Search-Unternehmen Eric Salmon & Partners, verantwortet den Sektor IT, Telekommunikation und Hightech.
Lutz Tilker, Partner beim Executive-Search-Unternehmen Eric Salmon & Partners, verantwortet den Sektor IT, Telekommunikation und Hightech.
Foto: Eric Salmon

Der IT-Verantwortliche muss stärker als bisher derzeitige Geschäftsmodelle hinterfragen und der Geschäftsführung strategische Impulse für die künftige Unternehmensentwicklung geben können. Der CIO der Zukunft muss weiterhin die Veränderungen aufgrund der Digitalisierung so nutzen, dass ein zukünftiger Wettbewerbsvorteil daraus entsteht. Bei einem anstehenden Jobwechsel sollten sich Kandidaten daher folgende fünf Themen abfragen:

1. Um welche Art von Unternehmen handelt es sich? Und wie ist es positioniert?

Es gilt die Branche, das Geschäftsmodell, die Marktsituation und den Wettbewerb zu analysieren und zwar auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Digitalisierungswelle. Dazu gehören selbstverständlich auch die Fragen, wie erfolgreich das Unternehmen derzeit und mit welchen Herausforderungen in der Zukunft zu rechnen ist.

Erwägt man als CIO einen Jobwechsel, sollten etliche Fragen möglichst schon vor der eigentlichen Bewerbung geklärt werden.
Erwägt man als CIO einen Jobwechsel, sollten etliche Fragen möglichst schon vor der eigentlichen Bewerbung geklärt werden.
Foto: lassedesignen - Fotolia.com

2. Wie stellt sich die Organisation des Unternehmens dar und mit welchen Steuerungsinstrumenten wird es geführt?

Der wechselwillige CIO sollte bei seinen Recherche-Aktivitäten fundierte Antworten auf diese Frage finden, da er erst, wenn er die Governance des Unternehmens verstanden hat, erkennen kann, welche Rahmenbedingungen er für die IT-Governance hat und welche Rolle ihm im Führungskreis zugestanden wird.

3. Wie ist die Rolle des CIO ausgestattet und welcher Entwicklungs- und Gestaltungsspielraum ist für die Zukunft vorgesehen?

Dabei geht es um folgende Fragen: Soll der CIO Mitglied der Geschäftsleitung oder Geschäftsführung respektive Vorstand werden? Welcher Berichtsweg ist vorgesehen? Gibt es bereits Vorstellungen zur konkreten Einbindung im Unternehmen beziehungsweise eine klare Erwartungshaltung hinsichtlich des Beitrages zu Entscheidungsprozessen?

  • Ist eine reine IT-Rolle vorgesehen oder eher auch eine

  • in Richtung Gestaltung der Prozesse (CPO)?

  • Gibt es eine Bündelung der IT-Aufgaben mit weiteren übergreifenden Servicefunktionen? (Shared Services für IT, HR, Finance, Call-Center o. ä.)

  • Ist eine enge Anbindung an den CEO geplant oder auch, falls vorhanden, Unternehmensstrategen bezüglich der Erarbeitung und Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie?

4. Wie stellt sich der aktuelle Zustand der unternehmensinternen IT-Infrastruktur dar?

Der Kandidat sollte seinen künftigen Arbeitgeber unter anderem mit folgenden Fragen konfrontieren :

  • Was sind die Anforderungen des Unternehmens an die IT (heute/in Zukunft)?

  • Wie ist der heutige Erfüllungsgrad?

  • Wo steht die IT aus Sicht des Business?

  • Wie laufen die Strategie-/Planungs- und Entscheidungsprozesse im Unternehmen und wie ist der CIO eingebunden?

  • Was sind die letzten drei größeren Erfolge beziehungsweise Misserfolge/Probleme bezüglich der IT?

  • Wie ist der Status der Digitalisierung und, abhängig von der Branche, der Industrie 4.0?

5. Wie ist die IT-Abteilung im Unternehmen aufgestellt?

Im letzten Fragenkomplex geht es um die Bedeutung und den Stellenwert der IT. Dabei können Antworten auf die folgenden Fragen sehr aufschlußreich werden:

  • Wie ist die IT des Unternehmens strukturiert?

  • Wie ist der Bereich IT im Unternehmen organisiert?

  • Wie sieht das Leistungsportfolio der IT aus? Welche Leistungen werden Inhouse erbracht und welche im Outsourcing?

  • Wie viel autarke IT gibt es dezentral im operativen Geschäft, zum Beispiel in der Produktion?

  • Gibt es dezentrale weitere autarke IT-Organisationen (Tochtergesellschaften, Auslandsgesellschaften) und wo sind diese angebunden?

Neben den oben genannten Fragen sollte bei einem Jobwechsel dem "Sich-Auseinandersetzen" mit der Kultur des Zielunternehmens sowie der Hinterfragung des "Personal Fit" mit dem zukünftigen Vorgesetzen, den potenziellen Kollegen und weiteren eventuellen Business-Stakeholdern ein großer Stellenwert und auch der nötige Zeitrahmen eingeräumt werden. Denn nur wenn es hier zu einer gegenseitigen Stimmigkeit kommt, wird ein Jobwechsel langfristig erfolgreich sein.