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Wollte IBM Compuware "killen"?

21.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Heftige Anschuldigungen richtete Compuwares Anwalt Daniel Johnson gegen IBM: In einem bereits im März 2002 eingeleiteten Verfahren wegen Produktpiraterie und Antitrust-Verfehlungen, das jetzt vor Gericht verhandelt wird, behauptet der Compuware-Rechtsvertreter, Big Blue habe den Plan gehabt, den Kontrahenten "zu töten". Hierzu legte Johnson dem Gericht ein Memo vor, das offensichtlich mit dem Titel "Compuware Killer" überschrieben ist. Darin habe der Computergigant Pläne ausgeführt, wie man mit der kleinen Firma in Konkurrenz treten und es letztendlich vernichten könne.

Johnson sagte vor einer Jury im US-Distriktgericht von Detroit: "Hier geht es um IBM, eine der größten Firmen der Welt, die sich aufmacht, Compuware zu zerstören". Außerdem, so Johnson weiter, habe Big Blue Technologie "gestohlen, die Millionen und Abermillionen Dollar wert ist".

Der Anwalt der Klägerseite behauptet, IBM habe ehemalige Compuware-Entwickler angestellt, die dann für Big Blues Mainframe-Linie ein Set von Software-Werkzeugen entwarf. Sie hätten dies getan, obwohl sie Vertraulichkeitserklärungen bei Compuware unterschrieben hätten.

Johnson beschuldigt IBM, insbesondere bei zwei Programmen geistiges Eigentum von Compuware gestohlen zu haben. Hierbei handelt es sich zum einen um ein Großrechner-Dateisystem, zum anderen um ein Programm zur Lokalisierung von Problemen auf Mainframes.

IBM habe dann diese Programme zu Discountpreisen feilgeboten oder sie sogar als Teil von Hardware-Deals umsonst vergeben. So habe man Compuware entscheidend schädigen und "töten" wollen.

Big Blue bestreitet sämtliche Anschuldigungen. Die Anwälte des Mainframe-Anbieters argumentieren, IBM habe lediglich öffentlich zugängliche Informationen sowie eigene Ingenieurleistung für die Entwicklung der inkriminierten Softwareprodukte genutzt. IBM-Anwalt Evan Chesler sagte, die Software beider Unternehmen ähnele sich nicht deshalb, weil sich Big Blue Technologie von Compuware zueigen gemacht habe, sondern weil alle diese Softwareentwicklungen geschrieben wurden, um auf IBM-Mainframes zu laufen. Compuware wolle mit der Klage lediglich Wettbewerb verhindern.

Ganz im Gegenteil sei es so, dass IBM der Firma Compuware bei der Entwicklung der Großrechner-Softwarewerkzeuge geholfen habe. Darüber hinaus enthielten die Tools des Big-Blue-Kontrahenten Softwarecode der IBM.

Der Kampf David gegen Goliath - Compuware erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 1,2 Milliarden Dollar Umsatz, IBM dagegen 96,5 Milliarden Dollar - wird diese Woche fortgesetzt. (jm)