Elektronischer Brief

"Wir wollen nicht noch einen E-Mail-Dienst anbieten"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Warum glaubt die Deutsche Post im E-Mail-Zeitalter so felsenfest an ihren "elektronischen Brief"? Wir haben Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief der Deutschen Post DHL, gefragt.

CW: Es gibt den Brief, und es gibt die E-Mail. Jetzt bringt die Post zusätzlich ihren elektronischen Brief" heraus. Welchen Zweck verfolgen Sie mit dem Angebot?

Gerdes: Der klassische Brief zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus. Er ist verbindlich, vertraulich und verlässlich. In den vergangenen Jahrhunderten kamen Telegrafie, Telefon und Fax dazu - aber der Brief hatte immer Bestand. Alle technischen Innovationen waren unterm Strich zusätzliche Angebote, aber nie ein Ersatz für den Brief.

Dann kam das Internet, Nachrichten lassen sich jetzt quasi in Echtzeit elektronisch verschicken. Und zum ersten Mal beobachten wir, dass sich das Kundenverhalten verändert. Deshalb haben wir uns entschlossen, den physischen Brief auf das neue Medium zu übertragen.

"Unsere Garantie ist die des Marktführers", zeigt sich Post-Vorstand Jürgen Gerdes selbstbewust.
"Unsere Garantie ist die des Marktführers", zeigt sich Post-Vorstand Jürgen Gerdes selbstbewust.
Foto: Deutsche Post

Wichtig bei unserem Online-Brief ist die Hybridität: Wir können nun Briefe sowohl klassisch als auch elektronisch zustellen. Dadurch werden Medienbrüche im Posteingang- und -ausgang aufgehoben. Wir wollen nicht irgendeinen weiteren E-Mail-Dienst anbieten, davon gibt es genug. Wir wollen unseren Brief aufrüsten, indem wir ihn auch elektronisch zustellen und die Nutzer ihn auch elektronisch versenden können.

CW: Welche Voraussetzungen müssen die am elektronischen Schriftverkehr beteiligten Parteien erfüllen?

Gerdes: Bei der elektronischen schriftlichen Kommunikation sind Verbindlichkeit, Vertraulichkeit und Verlässlichkeit entscheidend. Wir wollen Briefe im Web sicher zustellen. Nutzer müssen sich bei der ersten Registrierung per PostIdent identifizieren. Empfänger und Absender sind also nicht anonym wie beim E-Mail-Verkehr. Das gilt sowohl für Privatnutzer als auch für Unternehmen und Verwaltungen. Dann braucht man nur noch einen PC, einen Internet-Anschluss und kann den Service nutzen - gesichert durch PIN, TAN, qualifizierte Signatur und was sonst noch State of the Art ist. Das System bietet - gemessen an dem, was technisch machbar ist - ein Höchstmaß an Sicherheit.

CW: Also handelt es sich am Ende um einen E-Mail-Dienst, der um Sicherheits-Features erweitert wurde?

Gerdes: Nein, um einen Briefdienst, der jetzt auch elektronisch in Anspruch genommen werden kann. Früher sind Sie ins Reisebüro gegangen, um eine Reise zu buchen, heute können Sie das vom PC aus tun - dennoch werden Sie diesen Vorgang immer noch als das bezeichnen, was er ist, eine Buchung. Genauso ist es bei uns: Wir bieten einen weiteren Zugang zu unserem Briefservice, und zwar über den PC.