IT intim - Was CIOs akut beschäftigt

Wir kapitalisieren IT-Know-how

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Thomas Ochs, CIO bei Villeroy & Boch, hat den IT-Betrieb sowie die internen Projektmitarbeiter einem externen Partner übergeben.

CW: Villeroy & Boch hat ein IT-Joint-Venture gegründet. Sind IT-GmbHs nicht schon lange aus der Mode gekommen?

Thomas Ochs, CIO und IT-Director der Villeroy & Boch AG
Thomas Ochs, CIO und IT-Director der Villeroy & Boch AG
Foto: Villeroy & Boch AG

Ochs: Anwenderunternehmen haben früher in der Regel ohne Partner versucht, ein externes Geschäft aufzubauen, indem sie ihre IT-Organisation in eine eigenständige Gesellschaft ausgegründet haben. Wir verfolgen einen anderen Weg, der zwei Komponenten vorsieht: Den Infrastrukturbereich geben wir komplett ab und bringen ihn in eine bestehende Outsourcing-Einheit bei unserem Partner Rödl Consulting ein. Wir schöpfen damit Synergiepotenzial aus, das wir mit unserer internen Organisation nicht mehr heben konnten.

Unser Rechenzentrum war weitgehend optimiert und zentralisiert. Das ist klassisches Outsourcing, mit einer Besonderheit: Unser Standort in Mettlach bleibt erhalten, und unsere Mitarbeiter bekommen eine weitergehende Perspektive. Der Betriebsübergang ist vorbereitet und findet am 1. November 2010 statt.Dieses Projekt hätten wir aber nicht ohne den zweiten Teil der Partnerschaft betrieben.

Wir bringen unser IT- und Beratungs-Know-how, das wir uns in zehn Jahren Projektarbeit etwa in der Konsolidierung und Prozessgestaltung sowie in globalen SAP-Rollouts erworben haben, in das angesprochene Joint Venture Rödl System Integration (RSI) ein. Der Unterschied zu früheren ausgegliederten IT-GmbHs ist, dass Rödl aufgrund seines Wirtschaftsprüfungs-, Consulting- und Steuerberatungsgeschäfts Zugang zu 15.000 mittelständischen Unternehmen hat und über die notwendige Vertriebserfahrung verfügt.

Bislang hat Rödl in dem Bereich IT-Consulting einen Schwerpunkt auf Microsoft- und Datev-Produkte gelegt. Wir verstärken nun den SAP-Bereich durch unsere Prozesserfahrung und das SAP-Fachwissen. Villeroy & Boch und Rödl gehen jeweils ins unternehmerische Risiko. Damit sind wir paritätisch am Erfolg der RSI beteiligt. Im Haus verbleibt eine Mannschaft, die zum einen die Architektur der internen Gesamtlösung weiterentwickelt und gestaltet. Zum anderen bündelt sie die Anforderungen der Fachabteilungen und vertritt sie gegenüber den externen Partnern.

Für uns ist das gesamte Vorhaben eine konsequente Weiterentwicklung von einem internen Dienstleister zu einem wettbewerbsfähigen IT-Dienstleister. Zum einen kapitalisieren wir das intern erworbene Know-how mit Mittelstandsprojekten. Zum anderen haben wir künftig Zugriff auf einen enormen Ressourcen-Pool, wenn wir große Projektteams benötigen, um unsere eigenen Anwendungen auszubauen und weiterzuentwickeln. Unsere Mitarbeiter, die in der RSI arbeiten, bauen ihr Fachwissen aus, indem sie künftig in externen Projekten eingebunden sind. Die so erworbene Qualifikation kommt uns zugute, wenn wir die Kollegen wieder in unsere Vorhaben einbinden. Da Villeroy & Boch in der Geschäftsführung vertreten ist, haben wir Einfluss auf die Steuerung des Unternehmens. (jha)