Widersprüchliche Meldungen
Windows 8 - hopp oder top?
Microsoft selbst verbreitet heute in einer deutschen Pressemitteilung die gleichen Erfolgsmeldungen wie US-Managerin Tami Reller früher in dieser Woche: 40 Millionen verkaufte Lizenzen von Windows 8, App-Angebot im Store verdoppelt, teils fünfstellige App-Downloads. Außerdem wird eine Context-Studie angeführt, die von Umsatzsteigerungen im Fachhandel bei Software und PCs berichtet.

Foto: Microsoft
Der taiwanische Branchendienst "Digitimes" hingegen berichtet unter Berufung auf Quellen in der Lieferkette, Microsoft habe seine Bestellungen für das kleinere "Surface"-Tablet von zuvor vier auf zwei Millionen halbiert. Microsoft müsse aufgrund der schlechten Verkäufe des Windows-8-RT-Geräts möglicherweise das "Pro"-Modell mit Intel-CPU und vollwertigem Betriebssystem vorziehen und billiger machen als bislang gedacht - was allerdings die ohnehin schon angespannte Stimmung zwischen Microsoft und den Notebook-Herstellern noch verschlechtern dürfte. Deren RT-Tablets gehen laut "Digitimes" übrigens auch alles andere als wie warme Semmeln weg.
Das US-Technikblog "Mashable" schließlich schreibt, seit Einführung von Windows 8 seien die Windows-Verkäufe um 21 Prozent zurückgegangen. Es bezieht sich dabei auf eine Pressemitteilung der Marktforschungsfirma NPD Group. Nach deren Zählung findet sich Windows 8 derzeit auf 58 Prozent der verkauften Geräte. Zum Vergleich: Windows 7 hatte es vier Wochen nach seiner Einführung auf 83 Prozent gebracht. Die Verkäufe von Tablets mit Windows 8 (Surface nicht berücksichtigt) bezeichnet NPD mit unter 1 Prozent der verkauften Devices als "praktisch nichtexistent".
Ein Lichtblick sind die Verkäufe von Windows-8-Notebooks mit Touchscreens. Diese kamen auf immerhin sechs Prozent Anteil an den gesamten Windows-8-Laptops und halfen mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 867 Dollar laut NPD "im Markt für Consumer-Notebooks mit Windows ein Premium-Segment zu reetablieren". Überhaupt hat Windows 8 die Gerätepreise steigen lassen. Im vergangenen Jahr kostete ein Windows-PC im Schnitt 433 Dollar, in den vergangenen Wochen ist er auf 477 Dollar gestiegen.
Dass Windows 8 nur schleppend in Gang kommt, führt NPD-Analyst Stephen Baker unter anderem darauf zurück, dass der Handelskanal in den USA noch arg mit unverkauften älteren Beständen aus dem Back-to-School-Geschäft verstopft gewesen sei. "Es ist noch zu früh, Windows 8 für die anhaltende Schwäche im PC-Markt verantwortlich zu machen", so Baker. "Wir haben immer noch das ganze Weihnachtsgeschäft vor uns. Klar ist aber auch, dass Windows 8 sich nicht als der Impetus für einen Turnaround erwiesen hat, auf den mancher gehofft hatte."
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