IKT-Start-ups

Wie Gründungsideen zum Erfolg werden

Wolfram Groß ist seit 1990 Mitarbeiter der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH in Berlin und seit 1997 Projektleiter des Gründerwettbewerbs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen IKT sowie Gründungs- und Innovationsberatung. Seitdem wurde Herr Groß zunehmend mit der Beratung und Begleitung von technologieorientierten Gründerteams beauftragt und leitet auch jetzt den 2016 neu aufgelegten „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“.
Die IKT-Branche ist ein Wachstumsmarkt – auch dank der Innovationen junger Gründer. Eine Produktidee allein macht aber noch kein erfolgreiches Unternehmen.
Von der Idee zur Gründung: Kreativität und strukturiertes Vorgehen sind gefragt.
Von der Idee zur Gründung: Kreativität und strukturiertes Vorgehen sind gefragt.
Foto: URBANSCREEN Bremen

Innovationen, die auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) basieren, tragen in Deutschland enorm zum Gründungsgeschehen bei. Während die Zahl der Gründungen in der gesamten Wirtschaft in den letzten Jahren stagniert oder sogar leicht rückläufig ist, zeigt sich die IKT-Branche mit rund 8.000 IKT-Gründungen pro Jahr stabil. Ein weiterer beeindruckender Wert: Nahezu jede fünfte IKT-Gründung basiert auf einer Marktneuheit, während es in anderen Branchen nur jede achte Gründung ist. Ein Grund dafür ist, dass es in der IKT-Branche - gerade wenn es um den Bereich Online, Web und Apps geht - wichtig ist, schnell zu starten und die Ideen am Markt zu testen.

Stärken und Schwächen ausloten

Die Basis für den erfolgreichen Schritt in die Selbständigkeit ist der Glaube an den Erfolg der eigenen Geschäftsidee. Nur wer zu 100 Prozent hinter seiner Innovation steht, bringt das Engagement und die Leidenschaft mit, derer es bedarf, um sich gegen Wettbewerber durchzusetzen und Kunden vom Produkt zu überzeugen. Dabei ist aber auch Vorsicht geboten: Trotz aller Begeisterung sollten Gründungsinteressierte ihre Idee und ihren Geschäftsplan kritisch hinterfragen. Gespräche mit Familienmitgliedern und Freunden können zwar erste Indizien sein, für fachliches Feedback eignen sie sich aber selten. Wer eine gute Idee hat, sollte sich möglichst früh mit anderen Existenzgründern, jungen Start-ups und etablierten Experten austauschen. Gründungszentren und IT-Cluster sind hier gute Anlaufstellen.

Wichtig ist, dass Gründerinnen und Gründer sich im Klaren darüber sind, welche Fähigkeiten und Erfahrungen sie selbst - vor allem in fachlicher, aber auch in kaufmännischer Hinsicht - besitzen, und wo sie auf Hilfe angewiesen sind. Dabei ist es mitunter sinnvoll, Fachleute aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Recht, Design oder Marketing von Anfang an ins Boot zu holen. Zahlreiche Universitäten stehen hier beratend zur Seite und vermitteln potenzielle Geschäfts- und damit Sparringspartner. So können alle Aspekte der Gründungsidee hinterfragt werden.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gratuliert den Hauptpreisträgern beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" zu ihrer Auszeichnung.
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gratuliert den Hauptpreisträgern beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" zu ihrer Auszeichnung.
Foto: Janto Trappe

Dabei sollten Gründer von Anfang an aktiv sein: Änderungen lassen sich in einem Frühstadium der Entwicklung noch viel leichter umsetzen. Ist das Produkt oder die Dienstleistung erst einmal auf dem Markt, ist es für entscheidende Veränderungen oft schon zu spät. Beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) können sich Gründerinnen und Gründer deshalb schon in einem sehr frühen Stadium bewerben. Eine Ideenskizze reicht aus. Jede eingereichte Beschreibung wird von Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft hinsichtlich ihrer Erfolgsaussichten, ihrer Stärken, aber auch ihrer Schwächen beurteilt. Ziel ist es, die Gründerinnen und Gründer gerade bei ihren ersten Schritten zu unterstützen.

Zielgruppe und Kundennutzen analysieren

Unverzichtbar bei der Ausarbeitung jeder Gründungsidee sind ebenso die Identifikation der Zielgruppe und die des Kundennutzens. Eine sorgfältig erstellte Zielgruppenanalyse ermöglicht belastbare Aussagen zur Größe des Marktes und erreichbaren Marktanteilen für die eigene Innovation. Gründungsinteressierte sollten sich daher genau überlegen, wer überhaupt als Adressat und damit potenzieller Käufer für das geplante Produkt in Frage kommt. Eine detaillierte Marktanalyse ist dabei nicht nur wichtig, um zu erkennen, für wen die Business-Idee interessant ist. Sie gibt auch Hinweise darauf, mit welchen Mitteln und über welche Kanäle die Zielgruppe am besten erreicht werden kann.

Hilfreich ist es, sich über Marktprognosen von Verbänden, Marktforschern oder auch Wettbewerbern über die zukünftigen Entwicklungen zu informieren, die die Chancen und Risiken für die eigene Gründungsidee beurteilen zu können. Der Branchenverband BITKOM rechnet beispielsweise für den IKT-Sektor insgesamt auch weiterhin mit einer sehr positiven Marktentwicklung. Allerdings ist in Bereichen wie etwa der IT-Hardware bereits ein Umsatzrückgang zu beobachten und auch weiterhin zu erwarten. Eine intensive Analyse der Branche ist daher unabdingbar, um künftige Entwicklungen einzukalkulieren und die eigene Entwicklung entsprechend anzupassen.

Mit dem Business-Plan Investoren überzeugen

Diese Analysen sind wiederum Grundlage und essentieller Bestandteil des Business-Plans. Er ist für alle Existenzgründerinnen und Existenzgründer bei der Verwirklichung ihrer Ideen zentraler Dreh- und Angelpunkt. Der Business-Plan soll dabei helfen, die Gründungsidee zu strukturieren und weitere Schritte zu definieren. Die Entwicklung und Fortschreibung des Business-Plans zwingen die Gründer förmlich dazu, sich regelmäßig und kritisch mit der Frage nach der tatsächlichen Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Gründungsvorhabens auseinander zu setzen.

Eine verbindliche Gliederung für den Business-Plan gibt es nicht. Wesentliche Bestandteile jedes Business-Plans sind eine umfassende Analyse und konkrete Ausarbeitung der Geschäftsidee, die Festlegung und Charakterisierung der Zielgruppen, als auch eine Bewertung der Marktsituation und weiterer Rahmenbedingungen wie beispielsweise der rechtlichen Situation. Ein gut ausgearbeiteter Business-Plan ist zudem fast immer notwendig, um finanzielle Unterstützung durch Investoren zu erhalten.

Bei der Erstellung eines Business-Plans bieten zahlreiche Beratungsstellen oder auch Programme wie EXIST und der "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" Hilfestellung. Die Inanspruchnahme solcher externer Angebote ist in der Gründungsphase, aber auch in späteren Phasen des Unternehmensaufbaus sinnvoll. Die Beratung hilft nicht nur, die Risiken einer Existenzgründung zu verringern, im Zuge dessen können auch Fördermöglichkeiten für Existenzgründer gefunden werden. Besonders bei Fragen nach Finanzierungsmöglichkeiten kann eine Beratung unterstützen und verschiedene Möglichkeiten der Seed-Finanzierung, von Crowdfunding über Business Angels bis hin zu Venture Capital, aufzeigen.

Den Schritt in die Selbständigkeit wagen

Bei aller Vorbereitung ist es trotzdem der Markteintritt, der wirklich und endgültig Aufschluss darüber gibt, ob das Produkt oder die Dienstleistung erfolgreich am Markt bestehen kann. Ein ausgereiftes Marketingkonzept ist entscheidend, um die Gründungsidee bekannt zu machen und Abnehmer zu finden. Schon Wochen oder Monate vor dem tatsächlichen Markteinstieg können gezielte Marketingaktionen sinnvoll sein, um Aufmerksamkeit für die Produkteinführung zu erzeugen und damit idealerweise von Anfang an einen guten Umsatz zu erzielen. Unverzichtbar für einen gelungenen Unternehmensstart ist vor allem, dass das innovative Angebot in einer abgeschlossenen und nutzbaren Form den Markt erreicht und die Kundschaft ohne Verzögerung beliefert werden kann.

Wenn IKT-Start-ups ihr Produkt gut durchdacht, die Zielgruppe gut gewählt und eine nachhaltige Finanzierungsmöglichkeit gefunden haben, dann steht dem Schritt in die Selbständigkeit nichts mehr im Wege. Dabei muss es nicht immer die erste Reihe sein: Viele Jungunternehmer tragen mit ihren Entwicklungen auch zum Erfolg anderer Unternehmen bei. Ihre Ideen sind vielfach die Basis für Produktivitätssteigerungen und Produktinnovationen in anderen Wirtschaftssektoren, so dass der IKT-Sektor insgesamt einen überdurchschnittlichen Anteil am gesamtwirtschaftlichen Wachstum der deutschen Wirtschaft einnimmt. (bw)