Big Player oder Startups

Wer macht das Rennen beim Mobile Payment?

Nils Zeizinger ist Consultant bei BrunoMedia in Mainz.
Ob Internet-Riesen wie Apple, Facebook, Google, Amazon und PayPal, Kreditinstitute wie MasterCard und Visa, Mobilfunker wie T-Mobile, Vodafone und E-Plus oder Startups wie Cashcloud und Yapital – alle eifern um die Technologieführerschaft beim Thema Mobile Payment.
Auch wenn die Einkaufstüten scheinbar nur darauf warten, gefüllt zu werden: Mobile Payment kommt nur langsam in die Gänge.
Auch wenn die Einkaufstüten scheinbar nur darauf warten, gefüllt zu werden: Mobile Payment kommt nur langsam in die Gänge.
Foto: rukanoga / Fotolia

Aktuell treten weltweit rund 3.500 Startups im Finanzsektor in Konkurrenz zu den klassischen Banken. Wie das Beratungsunternehmen Bain ermittelte, hat sich das Investitionsvolumen für die "Fin-Techs" in den vergangenen fünf Jahren auf drei Milliarden US-Dollar verdreifacht. Marktforscher schätzen, dass Banken mehr als ein Drittel ihrer Erträge an die neuen Wettbewerber verlieren. Bereits in den nächsten sechs Jahren könnten die Erlöse aus Mobile-Payment-Transaktionen auf insgesamt über eine Milliarde Euro steigen - so prognostiziert es die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in der Analyse "Mobile Payment in Deutschland 2020 - Marktpotenzial und Erfolgsfaktoren". Derzeit sind weltweit rund 80 Unternehmen am Mobile Payment-Markt aktiv. Auch in Deutschland nimmt die Vielfalt unterschiedlicher Zahlungssysteme laufend zu, obwohl hierzulande der Handel die Entwicklung weiter bremst. Mehr als zwei Dutzend Payment-Dienstleister versuchen derzeit Lösungen für das kontaktlose Zahlen am Checkout zu etablieren. Einige sind schon auf dem Markt, andere wollen demnächst starten.

Neu ist die Idee, mit dem Mobiltelefon zu zahlen, natürlich nicht: Bereits beim ersten Internet-Hype um die Jahrtausendwende haben sich Startups wie Paybox daran versucht. Doch erst die technischen Weiterentwicklungen des vergangenen Jahrzehnts haben die Voraussetzungen für ein ausgereifteres Mobile Payment geschaffen. Startups wie Cashcloud, Paij, Kesh, PayCash oder Yapital bieten heute sogenannte E-Wallets zum Bezahlen mit dem Smartphone. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, denn der Funktionsumfang ist häufig ähnlich.

Nahezu alle derzeit erhältlichen Funktionen vereint die Anwendung des luxemburgischen Startups Cashcloud: Die kostenlose App ermöglicht den Geldtransfer zwischen Nutzern, sowie das Bezahlen in Online-Shops und im stationären Handel. Dank einer Kooperation mit MasterCard kann die Cashcloud-App weltweit an allen PayPass-Akzeptanzstellen genutzt werden. Allein in Deutschland geht man aktuell von rund 50.000 Akzeptanzstellen aus; beteiligt sind Unternehmen wie Aral, Shell, Galeria Kaufhof, Starbucks, Douglas oder Christ. Da MasterCard das PayPass-Netzwerk kontinuierlich ausbaut, wird die Liste der angeschlossenen Händler zukünftig wohl noch deutlich länger.

Ein weiteres Feature der Cashcloud-App: Coupons und Cashback-Aktionen können eingebunden und über die Anwendung genutzt werden. Branchenexperten gehen schon länger davon aus, dass Zusatznutzen wie diese entscheidend sein werden für den Erfolg von Mobile Payment. Cashcloud-Geschäftsführer Olaf Taupitz ist sich sicher: "Die Zukunft gehört einer All-in-One-Lösung, die es erlaubt, auf Münzen, Scheine, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu verzichten, wenn man das Haus verlässt."

Keine All-in-One-Lösung in Sicht

Eine All-in-One-Lösung, die überall und jederzeit funktioniert, ist bisher jedoch noch nicht in Sicht. Besonders beim kontaktlosen Bezahlen im stationären Handel herrscht Konfusion, da die Anbieter verschiedene Ansätze hinsichtlich der technischen Umsetzung verfolgen. Während Cashcloud, Vodafone, T-Mobile und O2/E-Plus auf die NFC-Technologie (Near Field Communication) setzen, basieren Kesh, PayCash und Yapital auf QR-Codes. Die neueste Technik zum kontaktlosen Bezahlen ist die Funktechnologie BLE (Bluetooth Low Energy), die unter anderem von Apple und PayPal favorisiert wird. Im Vergleich zu NFC besitzt BLE eine höhere Reichweite und benötigt keine gesonderte Sendeeinrichtung, die zusätzlich in mobile Geräte eingebaut werden muss. In den Geschäften müssen jedoch spezielle Sender - sogenannte Beacons (deutsch "Leuchtfeuer") - installiert werden, die mit der App auf dem Handy kommunizieren. In Deutschland sind die statischen Beacons bisher nur selten zu finden und noch ist unklar, ob sie den deutschen Datenschutz-Ansprüchen gerecht werden.

Für viele deutsche Händler ist der Nutzen von Mobile Payment (noch) nicht klar genug. Der Fokus wird hierzulande meist zu stark auf die Kosten der Zahlungstransaktion gerichtet; nicht auf Innovation und Marketingnutzen. Wollen sie ihren Kunden die Möglichkeit geben, mit dem Handy zu zahlen, müssen Händler ihre Kassensysteme umrüsten oder neue Geräte erwerben. Das kostet Geld; kann aber langfristig auch viel Geld einbringen. Denn die Kunden wünschen sich eine zuverlässige Bezahllösung, die möglichst immer einsetzbar ist. Aktuelle Umfrageergebnisse belegen, dass das Interesse an Mobile Payment groß ist; dennoch bezahlen laut KPMG erst rund 15 Prozent der Deutschen mit ihrem Smartphone.