Work-Life-Balance

Weniger zu arbeiten bleibt ein Traum

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Flexible Arbeitszeitmodelle wünschen sich alle, vor allem jüngere Mitarbeiter ­fordern sie von ihren Arbeitgebern. Doch viele Unternehmen pochen immer noch auf eine klasssische Präsenzpflicht zu den Kernarbeitszeiten.

Die Präsenzkultur dominiert noch in vielen Unternehmen. Nur wer von morgens bis abends anwesend und für den Chef verfügbar ist, gilt als fleißiger und wertvoller Mitarbeiter. Ganz egal, ob er in dieser Zeit seine privaten Bankgeschäfte und Online-Einkäufe erledigt - das bleibt oft unentdeckt. Teilzeit-Jobbern und Menschen im Home Office eilt hierzulande hartnäckig das Image des Faulenzers voraus.

Dennoch haben kleinere und mittelständische Firmen verstanden, dass sie gute Mitarbeiter mit attraktiven Arbeitszeitmodellen locken können. Das 2008 in Rheine gegründete Unternehmen Secova etwa beschäftigt mittlerweile 40 Mitarbeiter und entwickelt Software für das Qualitäts- und Personal-Management sowie Unterweisungs- und Dokumentationssoftware für den Arbeitsschutz.

Flexibilität und eine ansprechende Arbeitsatmosphäre waren von Anfang an wichtig. "Das Büro ist zwischen 8 und 17 Uhr geöffnet", erzählt Frank Schmitz-Gabriel von Secova. Es gibt viele unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Organisiert wird das über einen Online-Kalender, in den jeder seine Arbeitszeiten einträgt, damit alle wissen, wann die Kollegen im Büro oder im Home Office erreichbar sind.

Jeder Secova-Mitarbeiter trägt seine Arbeitszeiten in einen Online-Kalender ein, damit die Kollegen wissen, ob er im Büro oder im Home office erreichbar ist.
Jeder Secova-Mitarbeiter trägt seine Arbeitszeiten in einen Online-Kalender ein, damit die Kollegen wissen, ob er im Büro oder im Home office erreichbar ist.
Foto: secova

Alle Mitarbeiter sind mit Laptop und Smartphone ausgestattet, das erleichtert flexibles Arbeiten. Immer erreichbar müssen die ­Secova-Leute aber trotzdem nicht sein, wie Schmitz-Gabriel betont. Jeden Dienstag zwischen 12.30 Uhr und 13.30 Uhr etwa verabreden sich alle Angestellten zum Mittagessen ­außerhalb des Büros. Zwar kümmert sich das Unternehmen intensiv um seine Kunden, doch das heißt nicht, dass alle zu jeder Sekunde erreichbar sein müssen.

"Wir bieten Arbeitszeiten, die den Mitarbeitern entgegenkommen", sagt Schmitz-Gabriel. ­Jeder führt selbständig ein Arbeitszeitkonto. "Wir verstehen uns als Team", erklärt der 55-Jährige. Diese Flexibilität sei unabhängig vom Alter für alle Mitarbeiter attraktiv. Wer weniger arbeiten möchte, ist genauso willkommen wie eine Vollzeitkraft. "Wenn sich ein Programmierer bewirbt und zwischen 25 und 32 Stunden arbeiten will, ist das kein Problem. Wichtiger ist uns, dass der Bewerber ins Team passt."

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Olaf Barheine

Höchste Zeit, sich vom Denken in Arbeitszeiten abzuwenden und auf Meilensteine als Maß der Dinge zu setzen. Bei mir als freien Informatiker interessiert es den Kunden bei Festpreisen auch nur, dass ich meine Termine im Projekt einhalte und nicht wie viele Stunden ich dafür benötigt habe oder wo ich arbeite.

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