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Wenig Visionäres von Bill Gates

31.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am heutigen Nachmittag war Microsoft-Chef Bill Gates nach "Deutschland sicher im Netz" zum zweiten Mal Starredner einer Münchner Veranstaltung - der Eröffnung des "Hauses der Gegenwart" nämlich, an dem seine Firma maßgeblich mitgearbeitet (und -gezahlt) hat. Der Gates'schen Powerpoint-Foliensatz war aber eher allgemein gehalten und hatte kaum konkreten Bezug zum Anlass (wahrscheinlich stammte er mehr oder weniger von der Consumer Electronics Show im Januar in Las Vegas). Technik müsse einfach und günstig sein, proklamierte der Chief Software Architect, und Familie und Freunde, Spiel, und kreative Selbstverwirklichung seien in technisierten Zeiten genauso wichtig wie eh und je.

Als gegenwärtige digitale Trends zeigte Gates die immer leistungsfähigere Technik, zunehmende Vernetzung, mehr vernetzte Geräte und wachsende Menge digitaler Inhalte auf. PC und Consumer Electronics wüchsen zusammen, das digitale Zuhause werde mit Ethernet als Infrastruktur für das Netz erschlossen. Software komme dabei unter anderem für Verwaltung und Personalisierung eine zentrale Rolle zu. Garniert wurde das Ganze mit ordentlich Werbung für Windows XP Media Center Edition und Xbox Live. Was die allumgebenden Medien angeht, ist Audio laut Gates so langsam durch - jetzt breche das Zeitalter des portablen und individuellen Video an. Wer einmal eine Sportübertragung im High-Definition-Format gesehen habe, der wolle nie wieder etwas anderes, so Gates. Dumm nur, dass es in Europa gerade mal einen einzigen HD-Testsender gibt (der noch dazu das ganze Jahr über sein Neujahrskonzert wiederholt)...

Das Haus der Gegenwart zumindest ist ein interessanter Proof of concept - das Projekt ging vor vier Jahren aus einem Architekturwettbewerb des "SZ Magazins" hervor mit dem Ziel, auf 500 qm Grund für damals 500.000 Mark ein zeitgemäßes Familienhaus zu entwerfen. Erst später entschieden sich die Stadt München, die Bayerische Hausbau, die Fördergesellschaft Landespflege Bayern sowie das "SZ Magazin", den siegreichen Entwurf von Allmann, Sattler, Wappner auch in die Tat umzusetzen. Wer im Sommer die Bundesgartenschau 2005 besucht, kann sich das Haus anschauen - außerdem lädt das Netz zu einem virtuellen Besuch ein. (tc)