Web-Clients für ERP haben Schwächen

14.11.2006
Von Michael Gottwald und
Arno Schambach ist Journalist und Spezialist für IT und Business-Software. Als ehemaliger Unternehmensberater in einem führenden IT-Beratungs- und Marktforschungshaus verfügt Arno Schambach über mehr als zehn Jahre Erfahrung bei der Umsetzung von IT- und Software-Projekten.

 
Die Browser-Frontends von Client-Server-Software hinken Web-basierender ERP-Software hinterher.

Die Basistechnik von kaufmännischen Business-Applikationen ist immer wieder Gegenstand von Softwareauswahlprojekten. Schließlich beeinflusst die Systemarchitektur die Kosten für Wartung, Integration und Modifikationen nachhaltig. Eine Kernfrage lautet daher, ob eine konventionelle Softwarearchitektur in Form eines Client-Server- Systems oder ein Web-basierendes Produkt angeschafft werden soll.

Hier lesen Sie ...

  • dass Web-Clients von ERPProgrammen auf Client-Server- Basis mitunter Defizite gegenüber den Frontends reiner Web-basierender Business-Software haben;

  • welche Einschränkungen diese Web-Clients aufweisen;

  • wie es um deren Web-Service- Unterstützung bestellt ist.

Web-basierende ERP-Lösungen laufen auf einem modernen Applikations-Server auf Basis von Java oder .NET und werden über einen Web-Browser bedient.

Der Funktionsumfang der Frontends von Client-Server-Systemen variiert. Deren Web-Clients bieten oft nicht die gleichen Features.
Der Funktionsumfang der Frontends von Client-Server-Systemen variiert. Deren Web-Clients bieten oft nicht die gleichen Features.

Dem stehen Entwicklungen seitens der Anbieter von Client-Server-Software gegenüber, die ihre Produkte Web-fähig machen, indem sie Web-Clients zur Verfügung stellen. Wie aber schneiden Web-Clients der Client-Server-Systeme in der Praxis im Vergleich zu Web-basierenden Systemen ab, und wo liegen die wesentlichen Unterschiede?

Viele Hersteller versprechen, eine neue Generation von ERP-Systemen zu entwickeln, doch hier eilen die Marketing-Aussagen der Realität voraus. Vollständig auf Standards der Internet-Technik aufgebaute ERP-Systeme sind eher noch die Ausnahme. In den letzten beiden Jahren haben nur wenige Anbieter wie etwa SoftM und Bison ("Greenax"), Demand Software Solu- tions GmbH ("Genesis4Web"), eine Tochter der Alpha Business Solutions AG und vor allem Ramco Systems mit "Ramco Enterprise Services" den Vorstoß gewagt, ein vollständig neues, Web-basierendes ERP-System zu entwickeln. Viele andere Hersteller haben die Client-Server-Architektur ihrer Systeme teilweise um darüber liegende Web-Clients erweitert. Doch beim Einsatz von Web-Clients muss der Anwender im Gegensatz zu Web-basierenden Systemen mit einigen Einschränkungen leben.

Der Web-Client baut beim Datenaustausch zwei Kommunikationskanäle zur Server-Umgebung auf. Über den einen Kanal werden die Objekte der Bedienoberfläche übertragen, über den anderen die angeforderten Datenpakete. Ausführbare Befehle sind somit an einen gewissen Rahmen gebunden.

Aufwändige Kommunikation

Hintergrund ist, dass die Web-Clients sich auf die Grundfunktionen des Web-Interface beschränken. Ausführbare Befehle (zum Beispiel für Zusatz- beziehungsweise Hilfsprogramme) laufen überwiegend außerhalb der Web-Umgebung und transferieren anschließend ihr Ergebnis in die entsprechende Maske der Web-Schnittstelle zurück. Der Interaktivität und Geschwindigkeit sind dadurch Grenzen gesetzt. Eine dynamische Erweiterung der Masken je nach zurückgeliefertem Ergebnis ist normalerweise nicht möglich. Informationen können nur partiell in das System eingegeben und Ansichten nur teilweise dargestellt werden. Beispielsweise lassen sich Datensätze wie Kundenprofile und Kontakthistorie einsehen und zum Teil auch bearbeiten. Dezentrale Auswertungen (zum Beispiel im CRM-Modul für das Vertriebs-Controlling) sowie Auftrags- oder Aktivitätensteuerungen sind vielfach nur bedingt möglich.

Die zumeist eingesetzten Thin Clients können Ein- und Ausgabefunktionen ausführen, jedoch kaum verarbeitende Funktionen wahrnehmen wie ein Rich Client (siehe Kasten "Thin Clients - Rich Clients").

Aus Sicht der Anwender ergibt sich aus dieser Entwicklung die Frage, welche Kernprozesse über das Web abgebildet und welche aus Gründen der Performance besser über einen bisherigen "fetten" Client bedient werden sollten. Zwar sind Thin Clients in vielen mittelständischen Betrieben im Einsatz, aber die Tendenz geht auch hier zum Rich Client, der durch Module und Plugins erweiterbar ist und komfortabler an die Anforderungen des Nutzers angepasst werden kann.