Lebenslauf ohne Namen und Foto

Was bringt die anonyme Bewerbung?

Alexandra Mesmer
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 14 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie schreibt, redigiert, organisiert, moderiert und kümmert sich um die Online-Rubriken Karriere & Gehalt, Freiberufler, Young Professional und den Karriere-Ratgeber sowie den Karriere- und Freiberufler-Newsletter.
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Wer sich bei Firmen wie der Deutschen Telekom oder der Post bewirbt, braucht künftig weder seinen Namen nennen noch ein Foto mitschicken. Bewerber sind skeptisch, ob sie dadurch gleich behandelt werden.

Hat Anna bei ihrer Bewerbung mehr Chancen als Ayse? Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Konstanz bestätigt diese Befürchtung. Sie belegt, dass Bewerber mit einem türkisch klingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich seltener zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, als Bewerber mit einem deutschen Namen. Doch auch Merkmale wie Alter, Geschlecht und Konfession können das Bewerbungsverfahren beeinflussen. Die Initiative "Anonyme Bewerbung" der Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll Abhilfe schaffen.

Bewerben ohne Namen und Foto

Fünf Unternehmen, darunter die Deutsche Telekom, die Deutsche Post, L'Oréal, der Markenartikel Procter & Gamble und der Geschenkedienstleister Mydays, akzeptieren ab Herbst ein Jahr lang nur noch anonyme Bewerbungen ohne Angaben zu Nationalität, Alter, Geschlecht, Familienstand oder Name. So sollen allein die Leistung und Qualifikation in die Entscheidung für oder wider einen Bewerber einfließen.

Das Online-Karriereportal Monster.de hat nun über 4000 Beschäftigte in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Sinn der anonymen Bewerbung befragt: 40 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer bewerten diese positiv, da dadurch unbewusste oder bewusste Diskriminierung in der ersten Bewerbungsrunde verhindert wird. 60 Prozent der Befragten sehen anonyme Bewerbungen skeptisch, da spätestens im Vorstellungsgespräch eine höhere Chancengleichheit nicht mehr realistisch sei. Ähnlich hoch ist die Zahl der Skeptiker in Österreich und der Schweiz.

"Die IZA-Studie zeigt, dass die Ungleichbehandlung in kleineren Unternehmen am stärksten ausgeprägt ist, gleichzeitig leiden diese Firmen am meisten unter dem drohenden Fachkräftemangel", sagt Marcus Riecke, Geschäftsführer Central Europe bei Monster Worldwide. "Die anonyme Bewerbung kann eine große Chance für alle Bewerber sein, die mit ihrer Qualifikation überzeugen, aber aufgrund von Alter, Nationalität oder Geschlecht im Bewerbungsprozess unter Umständen vorab ausscheiden."

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