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Völkerkunde bei Sun: Softwarepreis pro Einwohner und Entwicklung

03.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems hat angekündigt, die Verkaufpreise seiner Java-basierenden Server- und Desktop-Software für jedes Land anhand von Entwicklungskriterien der Vereinten Nationen ermitteln zu wollen. Ab dem kommenden Sommer sollen so Regierungen und öffentliche Stellen je nach Zugehörigkeit zu einem "entwickelten", "weniger entwickelten" oder "unterentwickelten" Staat einen anderen Preis pro "Einwohner" zahlen.

So würden laut Jonathan Schwarz, Executive Vice President Software bei Sun, beispielsweise für die unbeschränkte Nutzung des Office-Pakets "Java Desktop System" (JDS) in einem unterentwickelten Land 40 Cents pro Einwohner anfallen statt den bisherigen 100 Dollar pro Desktop oder 50 Dollar pro Mitarbeiter im Unternehmen.

Das Marketing-Programm ist ein weiterer Versuch Suns, im Softwaremarkt künftig eine größere Rolle zu spielen. Hier muss sich der Hersteller im Java-Server-Segment der Konkurrenz durch IBM oder Bea Systems und Open-Source-Alternativen erwehren sowie zugleich Microsoft auf dem Server und Desktop die Stirn bieten. Manager Schwarz, gerade zurückgekehrt von einer Reise nach China und anderen asiatischen Staaten, sieht vor allem in jenen Ländern ein großes Interesse an dem neuen Preismodell. Es spielt nach seiner Meinung eine vergleichbare Rolle bei der Modernisierung, wie dereinst die Elektrifizierung ländlicher Gegenden der USA und der Autobahnbau.

Sun versucht mit dem Angebot vor allem, auf dem Desktop gegen Microsoft zu punkten. Marktanalysten zufolge muss der Hersteller jedoch selbst beweisen, dass JDS die bessere Alternative zu quelloffenener Software wie "Open Office" ist. Weniger missionarisch, aber ebenfalls einen weiteren lukrativen Markt witternd, will zudem auch Microsoft mit billigeren Angeboten in Asien vorankommen. So schnürt der Hersteller im Rahmen des von der malysischen Regierung geförderten Projekts "PC Gemilang" ein Softwarepaket aus "Windows XP Home Edition" und "Work Suite 2004", das zusammen mit dem Gemilang-PC für 643 Dollar erhältlich sein wird. Fener hatte sich Microsoft in Thailand an der Ausrüstung eines "People´s PC" beteiligt. (as)