VMworld 2013

VMware wettet auf virtuelle Netze und Speicher

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Auf dem Weg zum Software Defined Data Center präsentierte VMware auf seiner jährlichen Konferenz VMworld neue Produkte für virtualisierte Netz- und Storage-Ressourcen.

Zum 15-jährigen Firmenjubiläum stellte der Virtualisierungsspezialist VMware einmal mehr die Vision des Software Defined Data Center (SDDC) in den Mittelpunkt. Auf der international beachteten Kundenkonferenz VMworld in San Francisco erklärte CEO Pat Gelsinger, wie VMware die erfolgreiche Strategie der Virtualisierung von Rechenleistung, vulgo Server-Virtualisierung, auf Netze und Storage ausdehnen will. Damit soll das Software Defined Data Center, das sämtliche IT-Ressourcen virtualisiert und als Services zur Verfügung stellt, endlich Realität werden.

VMware-CEO Pat Gelsinger wirbt für die Netzvirtualisierungsplattform NSX.
VMware-CEO Pat Gelsinger wirbt für die Netzvirtualisierungsplattform NSX.
Foto: VMware

Zu den wichtigsten Ankündigungen auf der zehnten VMworld gehörte denn auch die Netzvirtualisierungsplattform NSX. Sie basiert teilweise auf Techniken des 2012 zugekauften Herstellers Nicira, integriert aber auch Komponenten der bestehenden VMware-Systeme vCloud Networking und Security. Das Netz entwickle sich mehr und mehr zum Flaschenhals in der IT-Infrastruktur, erläuterte Gelsinger in seiner Keynote. "Wir können heute virtuelle Maschinen in Sekunden aufsetzen, Netzkonfigurationen aber brauchen Wochen oder Monate." Mit NSX, das als zusätzliche Softwareebene Netz-Ressourcen wie Router und Switches kontrolliere, ließen sich die Probleme lösen. Gelsinger: "Was ESX (der einstige Hypervisor für Server, Anm. d. Red.) für die Server-Virtualisierung war, ist NSX für die Netzvirtualisierung."

VMware will NSX als "neues Betriebsmodell für das Netz im Rechenzentrum" verstanden wissen, bei der sowohl das Netz als auch Security-Funktionen komplett von der Hardware entkoppelt sind. Weil das Netz nicht mehr den Beschränkungen der Hardware unterliege, könnten Daten deutlich schneller als bisher übermittelt werden. Um die Durchschlagskraft am Markt zu erhöhen, hat VMware Partnerschaften mit wichtigen Playern im Netzgeschäft geschlossen, darunter Juniper Networks und Hewlett-Packard. Sie wollen ihre eigenen SDN-Produkte (Software Defined Network) mit dem neuen NSX-Hypervisor integrieren.

"NSX ist VMwares bisher stärkster Versuch, Enterprise Networks zu kontrollieren", kommentierte Gartner-Analyst Joe Skorupa die Ankündigung. Damit gehe der Hersteller auf "Kollisionskurs" zum langjährigen Partner Cisco: "Beide verfolgen dasselbe Ziel: Sie wollen der Anbieter sein, der die komplette Infrastruktur im Data Center kontrolliert."

Diese Einschätzung passt zu VMwares zweiter wichtiger Ankündigung auf der VMworld. Erstmals präsentierte der Hersteller eine Beta-Version der Storage-Virtualisierungsplattform vSAN (VMware Virtual SAN). Dahinter steckt das Konzept, Speicherressourcen wie Festplatten oder SSDs in Pools zusammenzufassen und den Anwendungen bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. VMware hat dazu ein kostenloses öffentliches Beta-Programm aufgesetzt, das Interessenten noch im dritten Quartal zur Verfügung stellen soll.

vSphere 5.5 mit zahlreichen Neuerungen

Wie schon in den Jahren zuvor, nutzte VMware die etablierte Kundenkonferenz mit rund 22.000 Teilnehmern dazu, Updates seiner Kernprodukte vorzustellen. Dazu gehört an erste Stelle die vCloud Suite 5.5 zum Aufbau von Private-Cloud-Szenarien. Sie basiert auf der ebenfalls überarbeiteten Virtualisierungsplattform vSphere 5.5. Verbesserungen bietet das neue vSphere-Release laut Hersteller vor allem hinsichtlich Rechenleistung, Verfügbarkeit sowie Storage- und Backup-Funktionen. Um etwa die Verfügbarkeit geschäftskritischer Anwendungen zu verbessern, haben die VMware-Techniker die Funktion "vSphere App HA" (High Availability) entwickelt, die eigenständig Fehler im Betriebssystem und in Applikationen aufspüren und reparieren soll. Mit VMware "vSphere Big Data Extensions" könnten Kunden zudem neben anderen Anwendungen auch Apache-Hadoop- und Big-Data-Workloads auf vSphere 5.5 betreiben. Das führe zu einer besseren Ressourcen-Auslastung und steigere die Zuverlässigkeit und Flexibilität der Infrastruktur. Darüber hinaus unterstützt VMware vSphere 5.5 nun auch die nächste Generation von Intels Xeon Prozessor E5 v2 und die Atom-Prozessoren vom Typ C2000.

Für die Verwaltung und das Monitoring virtueller IT-Ressourcen stellte VMware unter anderem ein neues Release von vSphere mit Operations Management vor. Unternehmen könnten damit Einblicke in den Auslastungsgrad und den Gesundheitszustand ihrer virtuellen Umgebungen gewinnen. Die Software ermögliche etwa eine integrierte Kapazitätsplanung und erlaube e,s die Performance virtueller Systeme zu überwachen.

VMware feiert Geburtstag

Das 15jährige Firmenjubiläum von VMware spielte bei der Vielzahl von neuen Produkten eher eine Nebenrolle. Dennoch blickte sowohl das US-amerikanische als auch das deutsche Management in München mit einigem Stolz auf die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens zurück. 1998 gegründet, brachte der Hersteller 1999 mit der VMware Workstation das erste wichtige Produkt auf den Markt, mit dem sich mehrere Betriebssysteme auf einem Rechner kapseln ließen. Trotz der Übernahme durch EMC im Jahr 2004 agierte VMware weiterhin als eigenständiges Unternehmen und ist heute unangefochtener Marktführer im Segment der Virtualisierung von x86-Systemen. Im Finanzjahr 2012 erwirtschaftete VMware einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden Dollar. (wh)

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