Hypervisor wird kostenlos

VMware wächst schwächer als erwartet

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Die auf Infrastruktur zur Virtualiserung spezialisierte EMC-Tochter VMware ist im zweiten Quartal weniger stark gewachen als erwartet. Unter Druck durch die Konkurrenz stellt sie ihren Hypervisor "ESXi" künftig kostenlos zur Verfügung.

Auch für den Rest des Jahres erwartet VMware weniger Wachstum als in der Vergangenheit gewohnt, weil große Kunden weniger große und langfristige Abschlüsse tätigten. Der neue Firmenchef und frühere Microsoft-Top-Manager Paul Maritz erklärte: "Es ist nicht einfach, sanft von einem Hyperwachstum herunterzukommen." Eine langfristige Wachstumsprognose wollte Maritz, der die geschasste Firmengründerin Diane Greene abgelöst hat, nicht abgeben. Er beließ es bei einem allgemeinen "Ich weiß, dass wir die Chance haben, eine Firma mit starkem Wachstum zu betreiben".

Für das zweite Quartal hatte VMware gestern einen Nettogewinn von 52,3 Millionen Dollar oder 13 Cent pro Aktie ausgewiesen, ein Plus von 53 Prozent gegenüber den 34,2 Millionen Dollar oder zehn Cent je Anteilschein in der vergleichbaren Vorjahreszeit. Die Quartalseinnahmen stiegen im Jahresvergleich um 54 Prozent auf 456,1 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr musste das Unternehmen seine Wachstumsprognose von zuvor 50 Prozent auf eine Spanne von 42 bis 45 Prozent zurücknehmen.

Der neue CEO Paul Maritz sieht VMware für weiter starkes Wachstum gerüstet.
Der neue CEO Paul Maritz sieht VMware für weiter starkes Wachstum gerüstet.

Nachdem VMware im vergangenen Jahr noch ein Umsatzplus von 88 Prozent hingelegt hatte, reagierten die Anleger enttäuscht. Die VMware-Aktie gab nach Bekanntgabe des Ergebnisses nachbörslich um 14 Prozent auf 32,52 Dollar nach. Am 8. Juli war der VMware-Kurs bereits um 24 Prozent durchgesackt, nachdem die Konzernmutter EMC die Demission von Diane Greene angekündigt hatte.

Maritz räumte ein, dass Greenes Abgang ein ordentliches "Trauma" bei VMware erzeugt habe. Er habe allerdings seither noch keine Flucht von Programmierern bemerkt und treffe auch sich auch mit vielen der Mitarbeiter, so der neue Chef. Dem Board wollte er eine Neubepreisung der Aktienoptionen für die Belegschaft vorschlagen (allerdings nicht für das Management).

Hypervisor ESXi wird kostenlos

Seinen einfachsten Hypervisor "ESXi" wird VMware ab der nächsten Version (in etwa zwei Wochen) kostenlos anbieten. Bislang kostete die Software, die den Betrieb mehrerer Betriebssysteme auf einem Server erlaubt, knapp 500 Dollar. Aus Sicht des Gartner-Experten Tom Bittman hätte VMware den ESXi besser gleich hergeschenkt. "Das war ein Fehler, und der wird nun korrigiert", sagt der Vice President und Distinguished Analyst. VMware könne nun besser mit Microsoft konkurrieren, dass seinen Hypervisor "Hyper-V" höherwertigen Varianten von Windows Server 2008 beilegt. "Das nimmt das Preisargument heraus", sagt Bittman.

Maritz, der Microsoft natürlich bestens kennt, nannte seinen früheren Arbeitgeber übrigens einen "formidablen" Wettbewerber, der aber "nicht unbesiegbar" sei. "Ich weiß, dass sich Microsoft ein Spiel des langen Abwartens leisten kann", erklärte der neue VMware-Chef in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen. In Märkten, wo ein andere Anbieter bereits eine deutlich Vormachtstellung erreicht habe (so wie VMware bei der Virtualisierung) könne "eine Aufholjagd aber selbst für Microsoft richtig schwierig" werden.

Bogomil Balansky, Senior Director of Product Marketing bei Vmware, betont, dass ESXi alle Fähigkeiten des älteren Hypervisors "ESX" aufweise, inklusive der Unterstützung für ausgefuchste "VMware-Infrastructure"-Fähigkeiten wie "VMotion" (Umziehen eines Workloads auf eine anderen Server im laufenden Betrieb). "Funktional sind beide Produkte gleichwertig, ESXi kann alles und jedes, was auch ESX beherrscht", so Balansky.

VMware habe sich bei der freien Version für ESXi entschieden, weil dieser eine modernere Architektur besitze und darum beim Kunden die Grundlage weiterer Virtualisierung bilden solle. Laut Balansky verwendet ESXi ein agentenloses Modell für die Verwaltung und kommt daher mit einem deutlich geringeren Footprint (32 Megabyte) aus als der ältere Hypervisor ESX.

Finanziell dürfte sich das Verschenken von ESXi für VMware kaum bemerkbar machen. Laut Maritz erzielt Vmware inzwischen 99 Prozent seiner Erlöse über Software und Services, die über den Virtualisierungskern hinausreichen. Der Markt für VMware sei aber noch längst nicht gesättigt. Weniger als 20 Prozent der Rechenzentren weltweit setzten VMware-Produkte vollumfänglich ein.